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Wassergefiltertes Infrarot A (wIRA) überwindet Schluckstörungen und vermehrte Speichelbildung

10.08.2017

Ein Fallbericht darüber, wie mittels wassergefiltertem Infrarot A (wIRA) Schluckstörungen und vermehrte Speichelbildung überwunden wurden, ist am 03.08.2017 in der interdisziplinären elektronischen Fachzeitschrift "GMS German Medical Science" der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften erschienen [1]. Wassergefiltertes Infrarot A (wIRA) ist eine spezielle Form der Wärmestrahlung mit hohem Eindringvermögen in das Gewebe und geringer thermischer Belastung der Hautoberfläche, siehe Abbildung 1. wIRA entspricht dem Großteil der die Erdoberfläche in gemäßigten Klimazonen durch Wasser und Wasserdampf der Atmosphäre gefiltert erreichenden Sonnenwärmestrahlung.

Ein Patient mit einem Barett-Ösophagus-Karzinom (Speiseröhrenkrebs) und operativer Entfernung der Speiseröhre mit Magenhochzug-Operation bekam 6 Jahre und 2 Monate nach der Operation Schluckbeschwerden. Innerhalb von 1 Jahr und 7 Monaten wurden zwei Tumorrezidive an der früheren Operationsstelle gefunden und mit kombinierter Radio-Chemo-Therapie bzw. Chemotherapie behandelt.


Abb. 1. Spektren der Sonne, eines Strahlers für wassergefiltertes Infrarot A (wIRA) und von zwei Halogenstrahlern ohne Wasserfilter.

Grafik: Piazena


Abb. 2. Bestrahlung mit wassergefiltertem Infrarot A (wIRA) zuhause

Foto: Hoffmann

7 Jahre und 9 Monate nach der Operation bestanden lokale Tumormassen und Zerstörung ohne Möglichkeit, etwas auf normalem Weg zu trinken oder zu essen (Ernährung vollständig über eine durch die Bauchdecke gehende Zwöffingerdarm-Sonde): die Lebensqualität war schlecht, da Speichel und Schleim sehr zäh (fädenziehend) waren und nicht geschluckt werden konnten, sondern Tag und Nacht ausgespuckt werden mussten, so dass nachts keine längere Zeitspanne geschlafen werden konnte (durch die Notwendigkeit auszuspucken jeweils wachwerdend). Insgesamt wurde die Situation mehr als eine funktionelle Schluckstörung/Verschluckstörung denn als eine Störung durch mechanische Einengung gewertet.

Zu diesem Zeitpunkt wurde eine schleimverflüssigende Substanz (Acetylcystein, zweimal täglich 200 mg über die Zwöffingerdarm-Sonde) und Bestrahlung mit wassergefiltertem Infrarot A (wIRA), eine spezielle Form der Wärmestrahlung, der vorderen Seite des Halses und des Brustkorbs zur Therapie dazugenommen. Innerhalb eines Tages mit der schleimverflüssigenden Substanz wurden Speichel und Schleim weniger zäh.

Innerhalb von 2 Tagen mit wIRA (ein Tag mit 4–5 Stunden Bestrahlung mit wIRA zuhause) nahm die Speichelbildung deutlich ab und die Lebensqualität verbesserte sich ganz offensichtlich: zum ersten Mal schlief der Patient ohne Unterbrechung und ohne Schlafmittel.

Nach 5 Tagen mit wIRA konnte der Patient seinen ersten weichen Kloß essen. Nach 2½ Wochen mit wIRA konnte der Patient sein erstes kleingeschnittenes Schnitzel essen. Die Fähigkeit, eingedickte Flüssigkeiten zu schlucken – mehr im Sinne eines Essens als eines Trinkens –, wurde zurückgewonnen.

Ab dem Beginn mit wIRA hatte der Patient 8 Monate mit guter Lebensqualität mit nur kleinen Mengen an flüssigem Speichel und Schleim und ohne Notwendigkeit auszuspucken (mit typischerweise ungefähr 90–150 Minuten Bestrahlung mit wIRA täglich). In dieser Zeitspanne konnte der Patient während der Nacht schlafen.

Für den genannten Patienten waren die Abnahme der vermehrten Speichelbildung und die Überwindung der Schluckstörung (für die meiste Zeit mehr als Verschlucken im Sinne einer funktionellen Dysphagie denn als Schluckproblem durch eine mechanische Engstelle gewertet; Schlucken als komplexe Nervenfunktion), möglicherweise interpretierbar als Regeneration einer Nervenfunktion, die zwei wichtigsten zugrundeliegenden Effekte von wIRA hinsichtlich der Verbesserung seiner Lebensqualität.

Der beschriebene Patient profitierte von einigen generellen Eigenschaften von wIRA: alle Bestrahlungen des Patienten mit wIRA wurden zuhause kontaktfrei ohne Verwendung von Verbrauchsmaterialien durchgeführt und als angenehm empfunden, wobei eine moderate Bestrahlungsstärke durch Wahl von genügend Abstand zwischen Strahler und unbedeckter Haut gewählt wurde (siehe Abbildung 2), ca. 2 Distanzstablängen (Distanzstablänge = Mindestbestrahlungsabstand).

Nach Einweisung in die korrekte und sichere Nutzung von wIRA konnte der Patient zuhause wIRA selbst leicht anwenden. Dies erlaubte lange tägliche Bestrahlungszeiten und die Anwendung von wIRA selbst am Wochenende und vermied die Notwendigkeit, einen Arzt oder Physiotherapeuten mit einem wIRA-Strahler für jede Behandlung aufzusuchen, so dass sowohl Zeit als auch Geld gespart werden konnten.

Die physiologischen Haupteffekte von wassergefiltertem Infrarot A (wIRA) sind: wIRA steigert die Gewebetemperatur, den Gewebe-Sauerstoffteildruck und die Gewebedurchblutung wesentlich.

Die fünf klinischen Hauptwirkungen von wIRA sind: wIRA mindert Schmerzen, Entzündung und vermehrte Flüssigkeitsabgabe (Exsudation/Hypersekretion), und fördert Infektionsabwehr und Regeneration, alles indikationsübergreifend. Entsprechend gibt es eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten für wIRA.

Die Effekte von wIRA beruhen sowohl auf seinen thermischen (auf der Übertragung von Wärmeenergie basierenden) und temperaturabhängigen (mit Temperaturänderung auftretenden) als auch auf seinen nicht-thermischen und temperaturunabhängigen Effekten wie direkten Effekten auf Zellen, Zellstrukturen oder Zellsubstanzen.

Es soll betont werden, dass bei dem Patienten des Fallberichts wIRA nur symptomatisch und nicht als Teil einer kausalen Therapie eingesetzt wurde, obwohl wIRA in der Onkologie auch erfolgreich mit Strahlentherapie oder Chemotherapie kombiniert werden kann.

Außer bei einer Vielzahl anderer Einsatzmöglichkeiten für wIRA sollte die Anwendung von wIRA bei Schluckstörungen (funktioneller Dysphagie, Verschlucken) und vermehrter Bildung von Speichel oder Schleim als Teil der Behandlung zur Verbesserung der Lebensqualität eines Patienten erwogen werden.

Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. med. Gerd Hoffmann
Institut für Sportwissenschaften, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Ginnheimer Landstraße 39, 60487 Frankfurt am Main, Deutschland,
Tel.+Q: +49-6181-62287
E-Mail: Hoffmann@em.uni-frankfurt.de

Veröffentlichung (frei zugänglich):
[1] Hoffmann G. Water-filtered infrared-A (wIRA) overcomes swallowing disorders and hypersalivation – a case report. [Wassergefiltertes Infrarot A (wIRA) überwindet Schluckstörungen und vermehrte Speichelbildung – ein Fallbericht; zweisprachiger Volltext] GMS Ger Med Sci. 2017;15:Doc11.
DOI: 10.3205/000252, URN: urn:nbn:de:0183-0002523
Artikel online frei zugänglich unter
http://www.egms.de/de/journals/gms/2017-15/000252.shtml (shtml, deutsch)
http://www.egms.de/en/journals/gms/2017-15/000252.shtml (shtml, englisch)
http://www.egms.de/pdf/journals/gms/2017-15/000252.pdf (PDF, englisch und deutsch)

Ausführliche frei zugängliche Darstellung zahlreicher Anwendungsmöglichkeiten von wassergefiltertem Infrarot A (auch außerhalb von Schluckstörungen) (in Deutsch mit englischer Zusammenfassung):
http://www.waerme-therapie.com/fachartikel.html

Legende zur Abbildung 1:
Spektren der Sonne, eines Strahlers für wassergefiltertes Infrarot A (wIRA) und von zwei Halogenstrahlern ohne Wasserfilter: Die drei verschiedenen Strahler bewirken mit ihren dargestellten spektralen Bestrahlungsstärken die gleiche Hautoberflächentemperatur. Für bestimmte klinisch wichtige Wellenlängen, wie zum Beispiel 820 nm, ist mit wIRA eine 6-30mal so hohe Bestrahlungsstärke im Vergleich zu Infrarotlampen („Rotlichtlampen“) ohne Wasserfilter anwendbar.

Legende zur Abbildung 2:
Bestrahlung mit wassergefiltertem Infrarot A (wIRA) zuhause

Dennis Makoschey | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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