Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schädliche Eiweißablagerungen im Herz früher erkennen

20.11.2012
Neue Ultraschalldiagnostik zeigt einsetzende Herzschäden durch Knochenmarkserkrankung Amyloidose zuverlässiger an als herkömmliche Verfahren / Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg veröffentlichen Ergebnisse im Journal of the American Collage of Cardiology (JACC)

Kardiologen und Hämatologen der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg haben ein Ultraschallverfahren entwickelt, das schädliche Eiweißablagerungen im Herzen früher und zuverlässiger anzeigt als gängige Methoden. Diesen diagnostischen Vorteil belegten sie im Rahmen der bislang größten Studie zu Leichtketten-Amyloidose, einer seltenen Knochenmarkserkrankung, bei der diese Ablagerungen häufig auftreten.


Gewebeschnitt eines Herzens: Die schädlichen Eiweißablagerungen – das Amyloid - sind leuchtend rot gefärbt, schwarz die Zellkerne der Herzmuskelzellen.

Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Nun hoffen sie, durch eine eher einsetzende Behandlung die fortschreitende Schädigung des Herzens länger hinauszögern zu können. Die Ergebnisse mit Daten von 206 Patienten sind im Journal of the American Collage of Cardiology (JACC) erschienen.

Die systemische Leichtketten-Amyloidose wird durch eine Erkrankung des Knochenmarks (z.B. Multiples Myelom) verursacht: Dort bilden krankhaft veränderte Immunzellen fehlerhaft geformte Eiweiße – die namensgebenden Leichtketten – und geben diese ins Blut ab. Mit der Zeit lagern sich die Eiweiße als sogenanntes Amyloid in verschiedenen Organen ab und schädigen diese nachhaltig. Nach Schätzungen der Heidelberger Amyloidose-Experten wird die bisher unheilbare Erkrankung jährlich bei rund 800 Menschen in Deutschland diagnostiziert; bei mehr als der Hälfte der Patienten ist besonders das Herz betroffen.

Die etablierte Behandlung besteht darin, die krankhaft veränderten Knochenmarkszellen durch eine Chemotherapie abzutöten und so die weitere Bildung von Amyloid zu verringern oder zu stoppen. Dies gelingt bei ungefähr der Hälfte der Patienten. Da das bereits vorhandene Amyloid vom Körper aber nur in geringem Maße abgebaut wird und es derzeit auch kein Behandlungs¬verfahren gibt, um es zu lösen, können sich Herz und andere Organe nicht erholen und bedürfen zusätzlicher Therapien.
Herzschwäche kann eventuell hinausgezögert werden

Häufig wird der Herzbefall erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, da der Funktionsverlust schleichend und ohne spezifische Symptome verläuft. Das Herz ist dann bereits schwer geschädigt und krankhaft verändert, die Patienten sterben durchschnittlich innerhalb eines Jahres an Herzversagen. „Bei einer früheren Diagnose könnten wir das Herz z.B. mit Medikamenten besser unterstützen und es so eventuell länger funktionsfähig erhalten“, erklärt Professor Dr. Stefan Hardt, Geschäftsführender Oberarzt der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo A. Katus), der die Studie zusammen mit Privatdozent Dr. Stefan Schönland, Abteilung für Hämatologie und Onkologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Anthony D. Ho) leitete. Die bisher gängigen Ultraschall¬verfahren erfassen nachlassende Pumpkraft oder Verdickungen des Herzmuskels, beides erste Anzeichen eines bereits geschwächten Herzens.

Mit der neuen Methode der Ultraschalldiagnostik, der sogenannten Deformationsanalyse, messen die Kardiologen, wie sich der Herzmuskel während der Kontraktion verformt. „Lagert sich Amyloid im Herzen ab, versteift der Herzmuskel und kann sich nicht mehr gleichmäßig kontrahieren“, erklärt Dr. Sebastian Buß, der für die Arbeit mit dem Wilhelm P. Winterstein Preis ausgezeichnet wurde. „Das lässt sich bereits erkennen, bevor die Herzschwäche einsetzt.“ Zusätzlich können die Mediziner mit dem neuen Verfahren den Zustand des Herzens und damit die Prognose des Patienten genauer beurteilen als bisher. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, ob eine frühere und genauere Diagnose die Behandlung der Herzamyloidose verbessern und die Überlebenszeit der Patienten verlängern kann.

Interdisziplinäres Amyloidose-Zentrum in Heidelberg deutschlandweit führend

Im Amyloidose-Zentrum Heidelberg arbeiten Hämatologen und Kardiologen mit Experten zwölf weiterer Fachrichtungen eng zusammen, um bei den vielen verschiednenen Krankheitsbildern der Amyloidose die jeweils passende Therapie anbieten zu können. Der Erfolg dieser engen Zusammenarbeit zeigt sich in einer stetig steigenden Anzahl an Patienten aus ganz Deutschland: Mehr als 400 Patienten lassen sich zurzeit in Heidelberg behandeln, jährlich stellen sich rund 200 Patienten neu vor. Damit ist das Heidelberger Zentrum führend in Deutschland. Patienten mit Leichtketten-Amyloidose profitieren u.a. von der mehr als 25-jährigen Erfahrung mit Stammzelltransplantationen zur Behandlung von bösartigen Erkrankungen des Knochenmarks.

Literatur:
Longitudinal left ventricular function for prediction of survival in systemic light-chain amyloidosis: incremental value compared with clinical and biochemical markers. Buss SJ, Emami M, Mereles D, Korosoglou G, Kristen AV, Voss A, Schellberg D, Zugck C, Galuschky C, Giannitsis E, Hegenbart U, Ho AD, Katus HA, Schonland SO, Hardt SE. J Am Coll Cardiol. 2012 Sep 18;60(12):1067-76. Epub 2012 Aug 8.

Kontakt:
Professor Dr. Stefan Hardt
Geschäftsführender Oberarzt, Innere Medizin III,
Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 88 51
E-Mail: Stefan.Hardt@med.uni-heidelberg.de

Priv-Doz. Dr. med. Stefan Schönland
Innere Medizin V, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie
Sprecher des interdisziplinären Amyloidosezentrums
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 80 01
E-Mail: stefan.schoenland@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 110.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und 400.000 Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-4536
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt
19.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Schonend, schnell und präzise: Innovative Herz-Bildgebung in Freiburg
18.07.2018 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics