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Hörimplantate helfen auch nicht komplett ertaubten Patienten

04.05.2010
12. Hannoverscher CI-Kongress zeigt erstmals hörerhaltende OP-Technik live

Der CI-Kongress des Hörzentrums Hannover (HZH) steht in diesem Jahr unter dem Titel „Hörerhaltende Versorgung bei Cochlea-Implantaten und die Nutzung der cochlearen Reserve durch aktive Mittelohrimplantate“.

An drei Tagen – vom 6. bis zum 8. Mai – kommen Betroffene und Vertreter der Hörsystemversorgung zusammen, um sich über neueste Entwicklungen und Möglichkeiten für Patienten mit Hörstörungen auszutauschen. In diesem Jahr steht die an der Medizinischen Hochschule entwickelte hörerhaltende OP-Technik im Mittelpunkt. „Diese Operationstechnik ermöglicht es, Menschen mit einer Hörstörung zu therapieren, ohne das möglicherweise vorhandene Restgehör zu zerstören“, erläutert Professor Dr. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik und des HZH der MHH.

Das HZH präsentiert auf diesem jährlich stattfindenden Kongress seine international führende Kompetenz als weltweit größtes CI-Zentrum. Doch neben der Versorgung der Patienten mit der Innenohrprothese Cochlea-Implantat besteht mittlerweile eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten zur Therapie unterschiedlicher Schwerhörigkeiten. „Die hörerhaltende OP-Technik erweitert dieses Therapiespektrum um die so genannten Hybrid-Geräte“, erklärt Professor Dr. Anke Lesinski-Schiedat, leitende Medizinerin des HZH. Ein Hybrid-Gerät ist eine Kombination aus Cochlea-Implantat und Hörgerät. Patienten, die eine Schwerhörigkeit bei den hohen Frequenzen haben, hören die tiefen Töne akustisch mit dem Hörgerät, die hohen Töne elektronisch mit dem CI. „Diese Kombination erleichtert die Kommunikation vor allem im sogenannten Störgeräusch, also in Umgebungen mit starken Nebengeräuschen“, betont Lesinski-Schiedat. Bislang wurden lediglich komplett ertaubte Patienten mit einem Implantat versorgt; Hybrid-Geräte sind dagegen geeignet für Patienten, denen ein Hörgerät nicht mehr hilft, die aber für ein Cochlea-Implantat noch zu gut hören.

Das Hören mit einem Implantat entspricht nicht dem natürlichen Hören. Daher müssen Patienten, die zum Beispiel an der MHH mit einem Cochlea-Implantat versorgt werden, das neue Hören üben. Logopäden und Pädagogen trainieren mit den Patienten. „Unsere jahrelange Arbeit mit CI-Patienten fließt in das Training mit den Hybrid-Patienten ein. Mit ihnen trainieren wir erst das getrennte Sprachverstehen, also zunächst mit CI allein, und dann erst in Kombination mit dem Hörgerät“, erläutert Stephanie Rühl, leitende Pädagogin am HZH.

Margret Janssen ist eine Patientin, die an der MHH sowohl mit einem Cochlea-Implantat (2010) als auch mit einem Hybrid-Gerät (2009) versorgt wurde. Sie kennt daher auch das unterschiedliche Hören: „Mit dem Hybrid-Gerät ist das Hören deutlich natürlicher als mit dem Cochlea-Implantat. Das empfinde ich persönlich als angenehmer und in Situationen mit Umgebungsgeräuschen als weniger anstrengend.“

Der Kongress findet vom 6. bis 8. Mai ab 8 Uhr im großen Hörsaal im Erdgeschoss des International Neuroscience Institute in der Rudolf-Pichlmayr-Str. 4 statt.

HNO-Klinik und Hörzentrum Hannover:

Die HNO-Klinik der MHH ist international vor allem bekannt für das weltweit größte Cochlea-Implantat-Programm zur Versorgung hochgradig schwerhöriger Patienten. Bereits 1984 wurde durch den damaligen Direktor der HNO-Klinik der MHH, Prof. Dr. Dr. Ernst Lehnhardt, die erste CI-OP durchgeführt. Seit 1993 führt Prof. Dr. Thomas Lenarz die HNO-Klinik sowie seit 2003 das Hörzentrum Hannover. Bis heute konnten mehr als 4.500 CIs bei Erwachsenen und Kindern implantiert werden. Pro Jahr werden rund 500 Patienten neu mit einem CI versorgt. Weitere Schwerpunkte bestehen im Bereich der Hörgeräteversorgung und deren Weiterentwicklung, der Früherfassung kindlicher Schwerhörigkeit, der Diagnostik und Behandlung verschiedener Schwerhörigkeiten einschließlich Tinnitus. Im Hörzentrum Hannover wird das gesamte Spektrum der Diagnostik, der Therapie und der Hörsystem-Versorgung unter einem Dach zusammengefasst. Die Behandlung der Patienten basiert auf einem zeitlich und organisatorisch ökonomischen Konzept der engen Verzahnung zwischen HNO-Klinik, Akustikern, Herstellern und Wissenschaftlern bis zur Entwicklung neuer Medizinprodukte.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

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