Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CRTD Forscher bringen Innovation ans Krankenbett

06.05.2019

Neuartiger Prozess zur Herstellung von suppressiven T-Zellen

Das Zentrum für Regenerative Therapien (CRTD) der TU Dresden und das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus haben einen neuartigen Prozess zur automatisierten Vermehrung von immunsuppressiven Zellen zu therapeutischen Zwecken entwickelt. Davon werden zunächst Leukämiepatienten nach Stammzelltransplantation mit schweren entzündlichen Komplikationen profitieren.


Die Good Manufacturing Practice (GMP) Facility des CRTD

© CRTD


Dr. Anke Fuchs

© CRTD

Eine zentrale Aufgabe der im Blut vorkommenden suppressiven T-Zellen ist die Regulation der Immunabwehr, daher der Name „Treg“-Zellen. Durch diese Beeinflussung können sie im gesunden Menschen verhindern, dass die Immunantwort des Körpers zu heftig ausfällt.

Dies passiert beispielsweise bei Autoimmunerkrankungen und chronisch entzündlichen Krankheiten. Dabei greift das Immunsystem nicht nur Krankheitserreger und infizierte Zellen an, sondern auch gesunde Gewebszellen des Körpers.

Forschungsergebnissen zu Folge, können regulatorische T-Zellen dem Entstehen oder Fortschreiten von Autoimmunerkrankungen entgegenwirken, sowie chronische entzündliche Krankheiten abschwächen.

Um als Therapie eingesetzt werden zu können, müssen sie dafür aber in einer sehr hohen Dosis per Infusion verabreicht werden. Da der Anteil der Zellen im Blut sehr gering ist, müssen diese für eine therapeutische Anwendung sehr aufwendig isoliert und anschließend vermehrt werden.

In einer geplanten klinischen Studie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus sollen die hergestellten regulatorischen T-Zellen zunächst zur Behandlung von Leukämiepatienten genutzt werden. Konkret für die Patienten, die unter der schweren chronischen Graft-versus-Host Erkrankung (cGvHD) leiden.

Eine lebensbedrohliche Komplikation, die 50% der Leukämiepatienten nach einer Stammzelltransplantation betrifft. Dabei greifen bestimmte Zelltypen des Transplantats das Gewebe des Patienten an und führen so zu Organschäden ähnlich einer Autoimmunerkrankung.

Im Rahmen der Studie sollen diese Patienten nun frühzeitig mit regulatorischen T-Zellen aus dem Blut ihrer gesunden Stammzell-Spender behandelt werden, um die Gewebszerstörung abzuschwächen oder zu stoppen.

Die Gewinnung und Vermehrung der regulatorischen T-Zellen wurde in der Good Manufacturing Practice (GMP) Facility des CRTD, einer Technologieplattform zur Herstellung neuartiger Arzneimittel, zu einem vollautomatisierten Prozess entwickelt.

In nur zwei Wochen werden im CliniMACS Prodigy® System der Partnerfirma Miltenyi Biotec mehrere vollautomatische Fütterungsschritte und Probennahmen vorgenommen und eine fertige Infusionslösung hergestellt.

„Der Infusionsbeutel mit dem fertigen Zellprodukt wird steril abgetrennt und verschweißt und kann direkt ans Krankenbett gebracht werden. Dieser vollständig geschlossene, standardisierte Herstellungsprozess minimiert das Kontaminationsrisiko, aber auch das Risiko potentieller Qualitätsabweichungen im Vergleich zur bisherigen manuellen Zellkultur“, erklärt Projektleiterin Dr. Anke Fuchs.

Prof. Dr. med. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus betont die Vorzüge des Verfahrens: „Der automatisierte Herstellungsprozess eröffnet erstmals die Möglichkeit perspektivisch Zellpräparate für größere Studien herzustellen. Die erfolgreiche Kooperation mit der GMP Facility sowie die Möglichkeiten für hochmoderne Immunomonitoring-Methoden machen die Zusammenarbeit mit dem CRTD zu einer echten Besonderheit.

Die klinische Umsetzung des Projekts läuft seit 2012 im Austausch zwischen GMP Facility des CRTD und der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus. „Diese fruchtbare Kooperation ist ein Erfolgsbeispiel für die enge Verzahnung von Forschung und klinischer Therapie in Dresden. Mit der Publikation unseres automatisierten Prozesses legen wir den Grundstein für die standardisierte Herstellung von Treg-Präparaten für verschiedene Patientengruppen“, sagt Dr. Anke Fuchs.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Cornelia Probst
Center for Regenerative Therapies Dresden (CRTD)
Tel.: 0351 458-82065
cornelia.probst@​tu-dresden.de

Friederike Braun
Center for Regenerative Therapies Dresden (CRTD)
Tel.: 0351 458-82064
friederike.braun@​tu-dresden.de

Originalpublikation:

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2019.00038/full

Kim-Astrid Magister | Technische Universität Dresden
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neuer Ansatz zur Parkinson-Therapie?
14.11.2019 | Universität Ulm

nachricht Kleiner Schnitt statt großer Operation
11.11.2019 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Im Focus: Atome hüpfen nicht gerne Seil

Nanooptische Fallen sind ein vielversprechender Baustein für Quantentechnologien. Forscher aus Österreich und Deutschland haben nun ein wichtiges Hindernis für deren praktischen Einsatz aus dem Weg geräumt. Sie konnten zeigen, dass eine besondere Form von mechanischen Vibrationen gefangene Teilchen in kürzester Zeit aufheizt und aus der Falle stößt.

Mit der Kontrolle einzelner Atome können Quanteneigenschaften erforscht und für technologische Anwendungen nutzbar gemacht werden. Seit rund zehn Jahren...

Im Focus: Der direkte Weg zur Phosphorverbindung: Regensburger Chemiker entwickeln Katalysemethode

Wissenschaftler finden effizientere und umweltfreundlichere Methode, um Produkte ohne Zwischenstufen aus weißem Phosphor herzustellen.

Pflanzenschutzmittel, Dünger, Extraktions- oder Schmiermittel – Phosphorverbindungen sind aus vielen Mitteln für den Alltag und die Industrie nicht...

Im Focus: Atoms don't like jumping rope

Nanooptical traps are a promising building block for quantum technologies. Austrian and German scientists have now removed an important obstacle to their practical use. They were able to show that a special form of mechanical vibration heats trapped particles in a very short time and knocks them out of the trap.

By controlling individual atoms, quantum properties can be investigated and made usable for technological applications. For about ten years, physicists have...

Im Focus: Neu entwickeltes Glas ist biegsam

Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat ein Glasmaterial entwickelt, das sich bei Raumtemperatur bruchfrei verformen lässt. Das berichtet das Team aktuell in "Science". Das extrem harte und zugleich leichte Material verspricht ein großes Anwendungspotential – von Smartphone-Displays bis hin zum Maschinenbau.

Gläser sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Welt. Dabei handelt es sich im Alltag meist um sauerstoffhaltige Gläser, wie sie etwa für Fenster und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Weg entdeckt, um Killerzellen «umzuprogrammieren»

19.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Supereffiziente Flügel heben ab

19.11.2019 | Materialwissenschaften

Energiesysteme neu denken - Lastmanagement mit Blockheizkraftwerk

19.11.2019 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics