Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Telemedizin will unsichtbare Grenzen überwinden

11.05.2011
Investitionen für Teilprojekte der Telemedizin Euroregion POMERANIA ausgelöst

Europa hat seine Grenzen überwunden, dennoch gibt es nach wie vor viele unsichtbare Hürden. Das betrifft unter anderem die Patienten, die ebenfalls von der Europäischen Union profitieren sollen, und den telemedizinischen Austausch ihrer Daten.

Erstmals hat die Deutsch-Polnische Regierungskommission auf ihrer 30. Sitzung für grenznahe Zusammenarbeit im April in Zielona Góra Vertreter des Telemedizinnetzwerkes POMERANIA angehört. Dabei ging es um die Problematik des Datenaustausches in der Medizin und die fehlenden Rechtsgrundlagen für grenzüberschreiende Informationen.

„Beide Seiten haben versichert, die Grundlagen für einen geregelten telemedizinischen Datenaustausch zu schaffen“, erklärte der Vorsitzende des Vereins „Telemedizin in der Euroregion POMERANIA e. V.“, Prof. Norbert Hosten (Foto). Parallel dazu werden die Teilprojekte im Rahmen des deutsch-polnischen INTERREG IV A EU-Programms weiter forciert. Die Arbeitsgruppe Tele-HNO hat in einem ersten Schritt Medizintechnik in einem Investitionswert von 80.000 Euro ausgeschrieben und bestellt.

Tele-HNO - sofort handlungsfähig vor Ort

In diesem ersten realisierten Teilprojekt der Tele-HNO geht es um die Anschaffung von Endoskopen, die Bildergebnisse erzeugen, welche nach digitaler Übertragung durch HNO-Fachärzte bewertet werden können. Konkret bedeutet das, dass über biegsame Schläuche Kameras in Nasen-, Ohr- und Rachenraum eingeführt werden, um damit Innenansichten zu erstellen.

Diese digitalisierten Bilder werden dann von dem jeweiligen Krankenhaus in die HNO-Klinik der Universitätsmedizin Greifswald übertragen und dort von HNO-Fachärzten beurteilt. Auf diese Weise wird die zeitnahe Versorgung der Patienten in einer Region, in der HNO-Fachärzte nicht flächendeckend und rund um die Uhr verfügbar sind, verbessert. Insgesamt ist das bislang einzigartige Tele-HNO-Projekt mit etwa 260.000 Euro veranschlagt.

„Wir freuen uns“, sagte Oberarzt Dr. Achim Beule von der HNO-Klinik der Universitätsmedizin Greifswald, „dass nun nach einem ausführlichen Vorbereitungsprozess die Verhandlungen abgeschlossen sind und wir einen kompetenten Industriepartner beauftragen können, Tele-HNO Arbeitsplätze auszuliefern. In der Form wäre es eine Premiere“, betonte der Greifswalder HNO-Arzt. „In Australien gibt es Regionen, in denen auch Aufnahmen vom Trommefell versandt werden. Aber eine Möglichkeit zur vollständigen HNO-Untersuchung mit telemedizinischem Anschluss soll erstmals in dem deutsch-polnischen EU-Projekt realisiert werden. Das Vorhaben ist vor allem wegen dem zunehmenden Facharztmangel von großer Bedeutung und ermöglicht auch dezentral HNO-fachärztliche Befundungskompetenz.“ Zunächst werden sich brandenburgische Kliniken, das Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt, das Sana Krankenhaus Templin sowie das Evangelisch-Freikirchliche Krankenhaus und Herzzentrum Brandenburg in Bernau beteiligen.

Modellregion wird weiter ausgebaut

„Ein Problem ist der Eigenanteil in Höhe von 15 Prozent. Ein HNO-Telemedizin-Arbeitsplatz kostet etwa 40.000 bis 50.000 Euro, so dass auf die Kliniken rund 6.000 Euro Kosten zukommen. Darüber hinaus müssen die Notärzte im Umgang mit den HNO-Instrumenten geschult werden“, erläuterte Prof. Norbert Hosten. „Mit der Inbetriebnahme der ersten HNO-Stationen rechnen wir in den nächsten Wochen.“ Der Greifswalder Radiologe hofft, dass bis zur geplanten Zuschaltung der Stettiner Standorte die ersten zwischenstaatlichen Hürden ausgeräumt werden können. „Letztendlich bremst die unsichere Rechtslage alle Teilprojekte und die intensivere Zusammenarbeit mit unseren östlichen Nachbarn aus.“

Das INTERREG IV A-Programm der Europäischen Union verfolgt mit dem grenzüberschreitenden Projekt „Telemedizin Euroregion POMERANIA“ das Ziel, die medizinische Versorgung in dem dünn besiedelten Fördergebiet quantitativ und qualitativ zu verbessern. Seit 2002 finanziert die EU Telemedizin-Projekte in Vorpommern. Wegen des Erfolgs insbesondere der Telepathologie und Teleradiologie wurde die Förderung sukzessive erweitert. Seit Anfang letzten Jahres wird die grenzübergreifende Telemedizin-Modellregion mit 35 Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Polen mit 11,4 Millionen Euro unterstützt.

Ausblick

Die erste Ausschreibung in der Arbeitsgruppe Tele-Videokonferenz mit Investitionen in Höhe von knapp 70.000 Euro ist ebenfalls erfolgreich abgeschlossen und steht vor der Umsetzung. In Vorbereitung befinden sich die europaweiten Ausschreibungen in den Bereichen Tele-Urologie/Tumorboard, Tele-Pathologie und eine zweite Ausschreibung im Bereich Tele-Videokonferenz. Vorangeschritten sind darüber hinaus die Vorbereitungen bei der geplanten telemedizinischen Behandlung von Schlaganfallpatienten (Tele-Stroke).

Weitere Infos unter

http://www.telepom.eu
http://www.pomerania.net
http://www.interreg4a.info
Telemedizin Euroregion POMERANIA e.V.
Ferdinand-Sauerbruch-Straße, 17487 Greifswald
Vorsitzender des Vorstands: Prof. Dr. med. Norbert Hosten
T +49 3834 86-69 60
E hosten@uni-greifswald.de
Leiterin der Geschäftsstelle: Dr. Freia Steinmetz
T +49 3834 86-190 75/6
E steinmetz@telepom.eu

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.telepom.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Pflanzenmütter kommunizieren mit ihren Embryonen über das Hormon Auxin

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus wird zum Internetstar

17.07.2018 | Architektur Bauwesen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics