Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzell-Transplantation als Therapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

07.10.2013
Universitätsklinikum Heidelberg startet Studie bei Pankreaskrebs / Teilnehmer werden gesucht / Knochenmarkzellen gesunder Geschwister sollen körpereigene Krebsabwehr stärken

Am Universitätsklinikum Heidelberg startet eine Studie zur Therapie mit Stammzellen bei aggressiven Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinom).

Die Mediziner hoffen, die Überlebenszeit der Patienten ohne Rückfall verlängern zu können. Dazu erhalten die Patienten nach Entfernung des Tumors und anschließender Chemotherapie Blutstammzellen aus dem Knochenmark gesunder Geschwister, deren Gewebemerkmale mit denen des Patienten übereinstimmen. Die transplantierten Zellen bilden neue Immunzellen, die die im Körper verbliebenen Tumorzellen effektiver bekämpfen als es zuvor das Immunsystem des Patienten vermochte.

Weltweit wurde die Stammzelltransplantation bei Pankreaskrebs bisher nur als individueller Heilversuch bei wenigen Patienten mit sehr schlechter Prognose durchgeführt. „Die Ergebnisse lassen hoffen“, sagt Studienleiter Privatdozent Dr. Hubertus Schmitz-Winnenthal, Leiter der Sektion für Endokrine Chirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Markus W. Büchler). „Wir überprüfen nun im Rahmen einer kontrollierten klinischen Studie, ob sich das Behandlungskonzept bewährt.“

Die Stammzelltransplantation in der Behandlung von Blut- und Knochenmarkkrebs ist eine fest etablierte Therapie und wird am Universitätsklinikum Heidelberg von einem spezialisierten und erfahrenen Ärzteteam um Professor Dr. Peter Dreger aus der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Anthony D. Ho) mehr als 300 Mal im Jahr durchgeführt.

Rund 12.900 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Entfernung des Tumors mit anschließender Chemotherapie bringt häufig keine Heilung, da die aggressiven Tumoren früh wieder nachwachsen und in andere Organe absiedeln (Metastasierung). Nur etwa die Hälfte der operierten Patienten überlebt länger als zwei Jahre.

Schwachstelle des patienteneigenen Immunsystems ausgleichen

Der neue Therapieansatz zielt darauf ab, die körpereigene Krebsabwehr zu unterstützen. Bei gesunden Menschen erkennt und bekämpft das Immunsystem automatisch Krebszellen, die in jedem Menschen täglich aus defekten Körperzellen entstehen. Ein Tumor wächst nur dann heran, wenn das Immunsystem dieser Aufgabe nicht gewachsen ist.

„Bei Patienten mit Pankreaskarzinom reagiert die körpereigene Krebsabwehr nicht ausreichend auf diese speziellen Krebszellen, das Immunsystem hat quasi einen blinden Fleck“, so Schmitz-Winnenthal. Diese Schwachstelle wollen die Heidelberger Mediziner beheben, indem sie Teile des patienteneigenen Immunsystems gegen ein neues, besser funktionierendes austauschen. Ist der Tumor entfernt, soll das neue Immunsystem verbliebene Krebszellen abtöten.

Dazu übertragen die Mediziner blutbildende Stammzellen aus dem Knochenmark eines passenden Spenders (allogene Stammzelltransplantation), in diesem Fall eines Geschwisters. Zuvor erhält der Patient sechs Tage lang eine milde Chemotherapie, um das alte Immunsystem zu schwächen und damit Abstoßungsreaktionen zu vermeiden. Es bleibt das Risiko, dass das neue Immunsystem neben Krankheitserregern und Krebszellen auch das gesunde Körpergewebe des Patienten angreift. Diese „Transplantat-gegen-Empfänger“-Reaktion lässt sich bei rund 80 Prozent der Patienten mit modernen Medikamenten und ausreichend Erfahrung gut unterdrücken, ohne dass die Schlagkraft des neuen Immunsystems gegen die Tumorzellen verloren geht.

Ab sofort können Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskrebs, der operiert werden kann bzw. bereits operiert wurde und noch keine Absiedlungen gebildet hat, in die Studie (STEMPACE) aufgenommen werden. Es müssen gesunde Geschwister vorhanden sein, die zu einer Stammzellspende bereit sind. „Wir hoffen besonders, damit Patienten mit sehr schlechter Prognose helfen zu können“, so Schmitz-Winnenthal.

Interessenten für eine Teilnahme an der klinischen Studie wenden sich bitte an:
Klinisches Studienzentrum Chirurgie (KSC)
Universitätsklinikum Heidelberg
Chirurgische Klinik
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Tel. 06221 / 56 35 154 (werktags zwischen 8 und 12 Uhr)
Fax 06221 / 56 69 88
E-Mail: ksc(at)med.uni-heidelberg.de
Weitere Informationen zum Studienzentrum:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.130058.0.html
Kontakt für Journalisten:
Privatdozent Dr. med. Friedrich-Hubertus Schmitz-Winnenthal
Leiter der Sektion für endokrine Chirurgie
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 69 86
E-Mail: hubertus.schmitz-winnenthal(at)med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-4536
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue effektive Behandlungsform bei akuter Leukämie
31.07.2020 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Schneller Test für neutralisierende Antikörper gegen Sars-Cov-2
30.07.2020 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Künstliche Intelligenz & Einzelzellgenomik: Neue Software sagt das Schicksal einer Zelle vorher

Die Erforschung der Zelldynamik ermöglicht einen tieferen Einblick in die Entstehung und Entwicklung von Zellen sowie ein besseres Verständnis von Krankheitsverläufen. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) haben „scVelo“ entwickelt – eine auf maschinellem Lernen basierende Methode und Open-Source-Software, welche die Dynamik der Genaktivität in einzelnen Zellen prognostizieren kann. Damit können die Forscher den künftigen Zustand einzelner Zellen vorhersagen.

Herkömmliche Verfahren für die Einzelzellsequenzierung erlauben es, Erkenntnisse über Unterschiede und Funktionen auf zellulärer Ebene zu gewinnen - allerdings...

Im Focus: Perseiden: Die Sternschnuppen-Sommernächte im August

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg -In diesem Jahr wird der Sternschnuppenstrom der Perseiden am Vormittag des 12. August seinen Höhepunkt erreichen. In den Nächten vom 11. auf den 12. und vom 12. auf den 13. August geht der Mond nach Mitternacht auf, so dass die späten Abendstunden nicht vom Mondlicht aufgehellt werden - ideal um nach den Perseiden Ausschau zu halten. Man blickt dazu in Richtung Osten, wo das Sternbild Perseus aufgeht, nach dem diese Sternschnuppen benannt wurden.

Der Hochsommer ist die Zeit der Sternschnuppen: Schon ab Mitte bis Ende Juli tauchen die ersten Sternschnuppen der Perseiden am Himmel auf, die aus dem dem...

Im Focus: Mit dem Lego-Prinzip gegen das Virus

HZDR-Wissenschaftler*innen erhalten millionenschwere Förderung für Corona-Forschung

Um die Corona-Pandemie zu bewältigen, stattet der Freistaat Sachsen ein Forschungsteam um Prof. Michael Bachmann vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf...

Im Focus: Im Einsatz für eine Welt ohne Narben

Hinter jeder Narbe steht eine Geschichte. Manchmal ist diese mit einer dramatischen Erfahrung verbunden: schwere Verletzungen, Operationen oder chronische Erkrankungen. Wenn es nach Dr. Yuval Rinkevich ginge, würden wir anstelle von Narben vielmehr über Regeneration sprechen, also der spurenlosen Wundheilung. Damit dies eines Tages Wirklichkeit wird, untersucht Rinkevich mit seinem Team am Helmholtz Zentrum München jeden einzelnen Aspekt der Wundheilung von Säugetieren, beginnend beim Embryo bis hin zum hohen Erwachsenenalter. Yuval Rinkevich erklärt, wie er sich eine Welt ohne Narben vorstellt.

Narben gehören zum natürlichen Wundheilunsgprozess des Körpers nach einer Verletzung. Warum wollen wir sie vermeiden?

Im Focus: TU Graz Forschende modellieren Nanopartikel nach Maß

Sogenannte Core-Shell-Cluster ebnen den Weg für neue effiziente Nanomaterialien, die Katalysatoren, Magnet- und Lasersensoren oder Messgeräte zum Aufspüren von elektromagnetischer Strahlung effizienter machen.

Ob bei innovativen Baustoffen, leistungsfähigeren Computerchips, bei Medikamenten oder im Bereich erneuerbarer Energien: Nanopartikel als kleinste Bausteine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

Städte als zukünftige Orte der Nahrungsmittelproduktion?

29.07.2020 | Veranstaltungen

»Conference on Laser Polishing – LaP 2020«: Der letzte Schliff für Oberflächen

23.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Chlamydien: Gierig nach Glutamin

03.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Arzneimittelforschung: Erste rationale Strategie für die Entdeckung von „Molecular Glue Degraders“

03.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Atome beim Fotoshooting

03.08.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics