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Spezialisierte Kathetertechnik kann Blutgerinnsel im Gehirn mechanisch entfernen

23.12.2008
Mit „Sauger und Bürste“ gegen den Schlaganfall: Neues Verfahren am UKM

Am Universitätsklinikum Münster (UKM) gibt es nun eine neue Therapieform für Schlaganfall-Patienten. Blutgerinnsel, die im Gehirn ein besonders großes Gefäß verschließen, können jetzt mit speziellen, sehr kleinen Kathetern entweder direkt mechanisch entfernt oder auch abgesaugt werden.

Der Fachbegriff für dieses Verfahren lautet „intravaskuläre Thrombektomie“. Eingeführt wurde das minimal-invasive Behandlungsverfahren im Institut für Klinische Radiologie in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie des UKM. Bislang wird dieses hoch spezialisierte Verfahren nur in wenigen Kliniken in Deutschland angeboten.

Damit erweitert das UKM die Behandlungsmöglichkeiten für Schlaganfall-Patienten. Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Ursachen für Tod oder Pflegebedürftigkeit mit bleibender Behinderung in Deutschland. 350.000 Menschen erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall, der in der überwiegenden Mehrzahl durch ein verstopftes Blutgefäß im Gehirn verursacht wird. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Zuckerkrankheit, Rauchen und Herzrhythmusstörungen. Die Minderdurchblutung des Gehirns ist mit 85 Prozent die häufigste Ursache eines Schlaganfalls, oft ist hier ein verschlepptes Blutgerinnsel die Ursache. Die Symptome sind vielfältig, je nach betroffenem Hirngefäß können Lähmungen von Gesicht, Arm oder Bein, Sprachstörungen, Sehstörungen, Doppelbilder oder Bewusstlosigkeit auftreten.

Ein entscheidender Fortschritt in der Versorgung der Schlaganfallpatienten wurde mit der Errichtung von spezialisierten Zentren, den „Stroke Units“, erreicht. Diese konnten die Sterblichkeit und schwere Behinderungen deutlich reduzieren. Weiterhin schwierig zu behandeln sind vor allem diejenigen Patienten, bei denen ein Blutgerinnsel ein großes Gefäß des Gehirns verschließt – hier ist die intravenöse Therapie nicht so wirkungsvoll wie bei den kleinen Gefäßen. „In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, das Blutgerinnsel direkt, also mechanisch, aus dem Gehirn zu entfernen“, erklärt Prof. Dr. Walter Heindel, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie (IKR) am UKM. Das neue, als „intravaskuläre Thrombektomie“, bezeichnete Verfahren ist ein Schwerpunkt der neuroradiologischen Arbeitsgruppe um Prof. Heindel am Institut für Klinische Radiologie in enger Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Neurologie des UKM von Prof. Dr. Dr. Erich Ringelstein.

Nach sorgfältiger Untersuchung durch neueste Computertomographie-Technologie werden die Patienten am UKM hierbei durch spezialisierte Neurologen und Radiologen behandelt. Bei der intravaskulären Thrombektomie kann mit speziellen sehr kleinen Kathetern mit Durchmessern von weniger als 0,9 Millimeter das Gerinnsel im Hirn unter Röntgenkontrolle erreicht werden. Das weitere Vorgehen richtet sich dann nach der Art des Gerinnsels: Entweder kann das Gerinnsel mit einer bürstenartig gestalteten Einfangvorichtung aus dem verschlossenen Gefäß entfernt werden, es kann abgesaugt oder das verschlossene Gefäß mit einem Stent wieder durchgängig gemacht werden. „Heute ist vieles möglich, was wir vor ein paar Jahren noch für illusorisch hielten“, betont Dr. Thomas Niederstadt, Leiter der Funktionseinheit Neuroradiologie am IKR, der zusammen mit Privat-Dozent Dr. Volker Hesselmann dieses Verfahren jetzt am UKM eingeführt hat. Bislang wird dieses innovative Verfahren nur an wenigen Zentren Deutschlands angeboten. Dabei ist vor allem eins wichtig, betont Prof. Heindel: „Time is brain – Zeit ist Hirn. Je früher der Patient nach Beginn der Symptome zu uns kommt, umso größer ist die Aussicht auf eine Wiedereröffnung der Gefäße.“

Stefan Dreising | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

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