Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlaganfallrisiko Vorhofflimmern – Neue Medikamente beugen wirksamer vor

18.05.2011
Pressekonferenz der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
24. Mai 2011, 11.30 bis 12.30 Uhr, Congress Center Hamburg, Saal 8

Leichtere Anwendung und geringeres Blutungsrisiko

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. In Deutschland leiden etwa eine Million Menschen daran. Betroffene haben ein um das Fünffache erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Um diesem vorzubeugen, erhalten sie Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen.

Die bislang zum Einsatz kommenden Substanzen weisen jedoch einige Nachteile auf: Sie erfordern regelmäßige Kontrollen der Blutgerinnung und eine ständige Dosisanpassung. Auch kommt es häufig zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneien und Nahrungsmitteln.

Eine neue Gruppe von Medikamenten kann die Schlaganfallprävention nun deutlich verbessern. Nach der Zulassung des ersten Wirkstoffs Dabigatran liegen für weitere Substanzen vielversprechende Studiendaten vor. Einen Überblick über Wirkungsweise und Vorteile der neuen Medikamente geben Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) auf einer Pressekonferenz am 24. Mai 2011 in Hamburg.

Bei Vorhofflimmern können sich Blutgerinnsel im linken Vorhof, einer der vier Herzkammern, bilden. Werden diese in das Gehirn geschwemmt, kommt es zu einem Schlaganfall. Um diesem vorzubeugen, raten die Ärzte den betroffenen Patienten daher zur Einnahme von Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen. „Die bisher verwendeten Wirkstoffe wie Warfarin oder Phenprocoumon sind jedoch in der Anwendung umständlich. Wegen der Gefahr lebensgefährlicher Blutungen, besonders im Gehirn, muss die Blutgerinnung regelmäßig kontrolliert und die Dosis ständig angepasst werden“, erklärt Professor Dr. med. Joachim Röther, Erster Vorsitzender der DSG und Chefarzt der Neurologischen Klinik an der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona. Hinzu komme, dass andere Medikamente oder Nahrungsmittel die Wirkung beeinflussen. In Deutschland habe deshalb nur jeder zweite Patient, der die Medikamente benötigt, diese auch tatsächlich erhalten.

Mit Dabigatran steht nun ein neuer Wirkstoff für Patienten mit Vorhofflimmern zur Verfügung. Das Mittel wird bereits seit drei Jahren zur Vorbeugung von Thrombosen nach Gelenkoperationen eingesetzt. Es hemmt die Blutgerinnung auf andere Weise als Warfarin oder Phenprocoumon. „Eine Anpassung der Dosis und Laborkontrollen sind nicht notwendig”, berichtet Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener. Der Leiter der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen ist Koautor der internationalen RE-LY-Studie, die Wirksamkeit und Sicherheit von Dabigatran zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Menschen mit Vorhofflimmern belegt hat. „Die Schutzwirkung ist besser als die von Warfarin und das Risiko von Hirnblutungen geringer”, fasst Diener die Studienergebnisse zusammen.

Die RE-LY-Studie hat dazu geführt, dass Dabigatran offiziell zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern zugelassen wurde und im Juli 2011 in Deutschland verfügbar sein wird. Diener rechnet damit, dass weitere Mittel wie Apixaban und Rivaroxaban folgen werden. Der Wirkstoff Rivaroxaban habe sich in einer Studie zur Schlaganfallvorbeugung ebenfalls als wirksam erwiesen. Zudem kam es auch hier seltener zu Hirnblutungen als bei Einnahme von Warfarin. Für Apixaban lägen ebenfalls vielversprechende Studienergebnisse vor, so Diener. Der Experte wird die neuen Möglichkeiten der Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern auch im Rahmen einer Pressekonferenz der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft am 24. Mai 2011 in Hamburg erörtern. Die Pressekonferenz findet im Vorfeld der European Stroke Conference (ESC) statt.

Quelle:
Re-Ly-Studie: Diener HC et al. Dabigatran compared with warfarin in patients with atrial fibrillation and previous transient ischaemic attack or stroke: a subgroup analysis of the RE-LY trial. Lancet Neurology 2010; 9:1157-63

Connolly SJ, Eikelboom J, Joyner C, Diener HC, Hart R, Golitsyn S, et al. Apixaban in patients with atrial fibrillation. N Engl J Med. 2011; 364(9):806-17

Terminhinweis:

Volksleiden Schlaganfall: Neue Ansätze in Prävention und Versorgung
Pressekonferenz der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft im Vorfeld der European Stroke Conference
Dienstag, 24. Mai 2011, 11.30 bis 12.30 Uhr
Congress Center Hamburg, Saal 8, Am Dammtor/Marseiller Straße, 20355 Hamburg
Themen und Referenten:
+ Schlaganfälle sofort erkennen, richtig handeln und Betroffene retten: Wie wirksam sind Informationskampagnen zum Schlaganfall?

Professor Dr. med. Joachim Röther, Erster Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, Chefarzt der Neurologischen Klinik, Asklepios Klinik Altona, Hamburg

+ Schlaganfallversorgung mittels Telemedizin: Möglichkeiten und Grenzen
Professor Dr. med. Martin Grond, Vorstandsmitglied der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Kreisklinikum Siegen
+ Das Stroke-Mobil – wo lohnt der Einsatz?
Professor Dr. med. Matthias Endres, Dritter Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, Direktor der Klinik für Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
+ Vorhofflimmern: Dank neuer Medikamente Schlaganfällen wirksam vorbeugen
Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Essen

Kontakt für Journalisten:

Silke Stark
Pressestelle Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel. 0711 8931-572
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics