Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sarkoidose: „Ultraschall von innen“ sichert Diagnose von Bindegewebserkrankung

28.08.2013
In Deutschland erkranken etwa 8000 Menschen jährlich an Sarkoidose, einer Bindegewebserkrankung, die vor allem die Lunge betrifft und zu Atembeschwerden, Reizhusten und allgemeinen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß und Gewichtsabnahme führt.

Um die Diagnose zu stellen, untersuchen Ärzte unter anderem Gewebeproben aus den Atemwegen und der Lunge. Doch die übliche Methode der Gewebeentnahme, die im Zuge einer Spiegelung der Atemwege erfolgt, gelingt nicht immer: In etwa der Hälfte der Fälle verfehlen die Mediziner das kranke Gewebe.

Ein modernes Ultraschallverfahren bietet demgegenüber jetzt deutliche Vorteile: Die Gewebeentnahme, so das Ergebnis einer kürzlich im Fachmagazin JAMA veröffentlichten Studie, ist mit der endosonografisch gesteuerten Feinnadelbiopsie wesentlich effektiver durchzuführen. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt daher die Endosonografie, also den „Ultraschall von innen“, bei der Diagnostik der Sarkoidose zu etablieren.

Die Sarkoidose, auch „Morbus Boeck“ genannt, ist eine Bindegewebserkrankung, die häufig zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt. Sie geht mit Knoten in der Lunge und Lymphknotenvergrößerungen besonders im Brustkorb einher. Da die Sarkoidose sowohl einer Tuberkulose als auch einem bösartigen Lymphom oder einem Lungenkrebs ähneln kann, muss der Arzt eine Gewebeprobe entnehmen, um diese Krankheiten zu unterscheiden. Anhand charakteristischer, im Mikroskop sichtbarer Zellansammlungen, den Granulomen, sichert der Pathologe die Diagnose. Üblicherweise erfolgt diese Biopsie während einer Spiegelung der Bronchien mit einem speziellen Bronchoskop. Dabei werden mit einer kleinen Zange Schleimhautproben aus den Bronchien und zusätzlich mit einer Feinnadel kleine Proben aus dem Lungengewebe entnommen.

In einer Studie mit 304 Patienten aus 14 Zentren in Brasilien und Europa haben Wissenschaftler nun den Vorteil der ultraschallgesteuerten Feinnadelbiopsie gegenüber der Gewebeentnahme mittels Bronchoskopie bewiesen: Denn mithilfe des Ultraschalls gelang es den Ärzten bei 80 Prozent der Patienten mit Sarkoidose, die Granulome bei der Biopsie zu treffen. Mit dem Bronchoskop war ihnen dies nur in etwa der Hälfte der Fälle möglich. „Die Ergebnisse sind eindeutig und sprechen dafür, die Endosonografie zur Diagnostik der Sarkoidose heranzuziehen“, erklärt Dr. med. Christian Jenssen, Sprecher des DEGUM-Arbeitskreises Endosonografie und Chefarzt des Fachbereichs Innere Medizin am Krankenhaus Märkisch-Oderland in Strausberg. Bislang werde die Methode für diese Fragestellung in Deutschland allerdings unzureichend eingesetzt.

Anders als das normale Bronchoskop machen die endosonografischen Spezialgeräte die Gewebeschichten unterhalb der Schleimhautoberfläche sichtbar. Zur Untersuchung führt der Arzt das Instrument mit einem an der Spitze befindlichen miniaturisierten Ultraschallkopf in die Atemwege ein (Endobronchialer Ultraschall/EBUS). Alternativ oder ergänzend kann er die Untersuchung auch mit einem ähnlichen Gerät von der Speiseröhre aus durchführen (Endoskopischer Ultraschall/EUS). „Alle Lymphknotenstationen des Brustraums liegen entweder der Speiseröhre oder den Atemwegen direkt an“, erklärt Jenssen. „So kann der Untersucher die Nadel auf dem Weg in den Lymphknoten beobachten und den gesamten Punktionsvorgang gezielt durchführen und sicher kontrollieren.“

Die endoskopische Ultraschalluntersuchung ist für den Patienten sehr sicher. Das Hauptrisiko der bronchoskopischen Lungenbiopsie – ein Kollaps der Lunge nach Anstechen des Lungenfells – tritt bei den endosonografischen Verfahren nicht auf, weil hier die Feinnadelpunktion gezielt aus Lymphknoten und nicht aus Lungengewebe erfolgt. Starke Blutungen nach der Gewebeentnahme sind mit beiden Methoden annähernd gleich selten. „Entscheidend für eine erfolgreiche Biopsie ist die Erfahrung und Qualifikation des Arztes“, betont Jenssen, der als Kursleiter der DEGUM Weiterbildungskurse im Bereich Endosonografie leitet. Die Technik stelle sehr hohe Ansprüche sowohl an die endoskopischen Fertigkeiten als auch an die Ultraschallkenntnisse des Untersuchers. Jenssen: „Die Endosonografie hat sich im letzten Jahrzehnt – in der Lungenheilkunde, in der Viszeralmedizin, aber auch in vielen anderen Bereichen der Medizin – zu einer interdisziplinären Schlüsselmethode entwickelt. Es ist an der Zeit, ihr diagnostisches und therapeutisches Potenzial auf hohem Niveau auszuschöpfen.“

Literatur:
Endosonography vs conventional bronchoscopy for the diagnosis of sarcoidosis: the GRANULOMA randomized clinical trial; von Bartheld MB et al., JAMA 2013; 309(23): 2457–64
Erscheint im Oktober 2013:
Kursbuch Endosonografie
Herausgegeben von: Christian Jenssen, Uwe Gottschalk, Guido Schachschal, Christoph Frank Dietrich (Georg Thieme Verlag, Stuttgart)
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-642/-552
Fax: 0711 8931-984
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.degum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Antikörper verringern Nebenwirkungen von Antibiotika in der Lunge
18.07.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics