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Prostatakrebs: Tumorgewebe gezielt behandeln

21.11.2019

Organ bleibt erhalten: MHH bietet neue Methode als Alternative zur Totaloperation

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Muss der Tumor entfernt werden, ist die Totaloperation immer noch ein übliches Therapieverfahren. Doch die komplette Entfernung der Prostata kann schwerwiegende Folgen wie Inkontinenz und Erektionsstörungen haben. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) bietet jetzt eine neue Therapiemethode zur Behandlung des lokal begrenzten Prostatakrebs an.


Prof. Dr. Frank Wacker und PD Dr. Inga Peters mit ihren Team-Kollegen Dr. Bennet Hensen und Ansgar Tiemeyer (v.l.) an einem MRT-Gerät

Quelle: MHH/Kaiser

Mithilfe von Hitze, erzeugt durch Ultraschall, wird dabei ganz gezielt nur der Tumor zerstört, das umliegende Gewebe wird geschont, und die Prostata kann erhalten werden. Das Verfahren heißt TULSA-Pro und wird in Norddeutschland bisher nur von der Klinik für Urologie und Urologische Onkologie der MHH unter der Leitung von Professor Dr. Markus Antonius Kuczyk angeboten.

Innovative Diagnostik und ausführliche Beratung

„Bei anderen Krebsarten wie beispielsweise Darm-, Brust- oder Leberkrebs gibt es die Möglichkeit einer lokal begrenzten Behandlung schon lange. Jetzt können wir sie auch unseren Patienten mit Prostatakrebs anbieten“, erklärt Privatdozentin (PD) Dr. Inga Peters, Oberärztin in der Klinik für Urologie und Urologische Onkologie. TULSA-Pro steht für Transurethale ULtraSchallAblation der Prostata.

Transurethal bedeutet „durch die Harnröhre“, Ablation „Zerstörung von Gewebe“. Bei TULSA-Pro arbeitet die Urologische Klinik eng mit dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie unter der Leitung von Professor Dr. Frank Wacker zusammen, denn bei der TULSA-Behandlung spielt die Magnetresonanztomografie (MRT) eine große Rolle.

Vor der Therapie finden ausführliche Beratungsgespräche in der Spezialsprechstunde „Diagnostik und Fokale Therapie beim Prostatakarzinom“ statt. Genauso wichtig sind die genaue Identifikation und präzise Lokalisation der Krebsherde durch eine vorherige MRT-Bildgebung. „Erst danach können wir sagen, ob die TULSA-Therapie für den jeweiligen Patienten geeignet oder eine andere Behandlung sinnvoller ist“, sagt PD Dr. Peters, Leiterin der Spezialsprechstunde.

Methode eignet sich bei lokal begrenzten Tumoren

„Grundsätzlich gilt, dass es sich um ein lokal begrenztes Karzinom mit niedrigem bis mittlerem Aggressionsgrad handeln sollte“, sagt PD Dr. Peters. Für die Behandlung wird ein stabförmiger Ultraschallapplikator in die Harnröhre gelegt. Da die Harnröhre mitten durch die Prostata verläuft, kann der Tumor so von innen behandelt werden. Über den Applikator wird Hitze in Form von gesteuerten Ultraschallwellen abgegeben, die den Krebsherd gezielt abtöten.

„Der Eingriff erfolgt im MRT unter Echtzeit-Thermometrie. Dadurch ist eine exakte Temperaturkontrolle im Gewebe möglich, die Krebszellen können zielgerichtet vernichtet und das gesunde Gewebe sowie die benachbarten Strukturen wie Nerven und Gefäße geschont werden“, erläutert Dr. Bennet Hensen, der sich im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie zusammen mit Professor Wacker intensiv um MRT-gestützte Eingriffe kümmert.

Zum zusätzlichen Schutz wird während der aktiven Hitzebehandlung sowohl die Harnröhrenwand als auch die Enddarmwand gekühlt. Für die Therapie setzt das OP-Team die Patienten in eine etwa eineinhalbstündige Vollnarkose. Zwei Tage nach der Operation können die Patienten bereits wieder entlassen werden. Die weitere Genesung wird in engmaschiger Nachsorge kontrolliert.

Deutlich weniger Erektionsstörungen und Inkontinenz

Erste vielversprechende Daten zur Therapie mit TULSA-Pro zeigen, dass die Rate an Erektionsstörungen deutlich geringer ist als bei einer Totaloperation. Nach einer radikalen Entfernung der Prostata haben 70 bis 80 Prozent der Patienten mit Erektionsstörungen zu kämpfen, nach einer Behandlung mit der neuen Methode nur etwa 20 Prozent. Bei der Inkontinenz sind die Ergebnisse sogar noch besser: Lediglich 2,6 Prozent der Männer, die mit TULSA-Pro therapiert wurden, leiden darunter.

Als Folge einer Radikal-OP tritt die Blasenschwäche bei bis zu 30 Prozent der Betroffenen auf. Auch zu Harnwegsverengungen komme es nach Tulsa-Pro wesentlich seltener, sagt PD Dr. Peters. „In den Fällen, in denen eine Tulsa-Pro-Therapie angezeigt ist, hat die neue Methode genau die Vorteile, die sich die Patienten wünschen“, stellt PD Dr. Peters fest.

Bei dem Verfahren handelt es sich um einen sogenannten individuellen Therapieversuch, die Krankenkassen übernehmen dafür im Regelfall die Kosten. Patienten, die sich für TULSA-Pro interessieren, können einen Termin in der Spezialsprechstunde „Prostatakarzinomdiagnostik und Fokale Therapie“ von PD Dr. Peters vereinbaren. Anmeldung unter Telefon (0511) 532-3647 (gesetzlich Versicherte) und (0511) 532-5847 (privat Versicherte).

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Weitere Informationen erhalten Sie bei PD Dr. Inga Peters, Klinik für Urologie und Onkologische Urologie, Telefon (0511) 532-4892, peters.inga@mh-hannover.de.

Weitere Informationen:

Zu dieser Presseinformation gibt es ein Foto. Es zeigt Professor Dr. Frank Wacker und PD Dr. Inga Peters mit ihren Team-Kollegen Dr. Bennet Hensen und Ansgar Tiemeyer (von links) an einem MRT-Gerät. Im Zusammenhang mit dieser Presseinformation können Sie das Foto kostenlos verwenden, wenn Sie als Quelle „MHH/Kaiser“ angeben.

Stefan Zorn | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

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