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Neue Heilungschance für Patienten mit seltenen Leukämien und Lymphomen

27.09.2018

Universitätsklinikum Heidelberg ermöglicht als erste Einrichtung Deutschlands zugelassene CAR-T-Zell-Therapie / Neues zelltherapeutisches Verfahren zur Behandlung von seltenen Leukämien und Lymphomen / Körpereigene Abwehrzellen „lernen“, Tumorzellen anzugreifen

Neuer Therapieansatz für Patienten mit bestimmten seltenen, sehr aggressiven Tumoren des Immunsystems: Die Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Heidelberg ist als erste Einrichtung Deutschlands dafür zertifiziert, sogenannte Chimäre Antigen-Rezeptor-modifizierte T-Zellen (CAR-T-Zellen) im Kampf gegen zwei seltene Formen von Leukämien („Blutkrebs“) und Lymphomen („Lymphdrüsenkrebs“) einzusetzen.


Die T-Zellen werden aus dem Blut des Patienten isoliert und anschließend gentechnisch so verändert, dass sie die bei bestimmten Leukämien und Lymphomen krankhaft veränderten Zellen angreifen können.

Universitätsklinikum Heidelberg

Prof. Dr. Peter Dreger, Leiter der Stammzelltransplantationseinheit am Universitätsklinikum Heidelberg, erläutert: „Die CAR-T-Technologie stellt ein neuartiges und hoch effektives Therapieverfahren dar, bei dem körpereigene Abwehrzellen außerhalb des Körpers gentechnisch so verändert werden, dass sie in der Lage sind, Tumorzellen gezielt zu erkennen und zu beseitigen.“

Die Zulassung der Präparate beschränkt sich momentan auf das diffus-großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) und – nur bei Patienten unter 25 Jahren – auf die akute lymphatische Leukämie (ALL), wenn die Standardtherapieverfahren versagt haben. Sowohl DLBCL als auch ALL sind seltene, sehr aggressive Tumoren des Immunsystems, die unbehandelt rasch zum Tod führen und die bislang nur mit Chemo- und Strahlentherapie behandelt werden konnten.

Ein Quantensprung in der Therapie seltener Formen von Blut- und Lymphdrüsenkrebs

Bei der Zertifizierung für die Anwendung dieser neuen, innovativen Krebsmedikamente muss ein Krankenhaus gegenüber Vertretern der herstellenden Firmen nachweisen, dass es Auflagen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zum Einsatz der sehr teuren und hochempfindlichen Wirkstoffe erfüllt.

Hierbei wird beispielsweise sichergestellt, dass die Einrichtung über ausreichend Erfahrung mit der Transplantation von Zellpräparaten verfügt und speziell geschultes Personal sowie die notwendigen intensivmedizinischen Rahmenbedingungen vorhält, um die Therapie durchführen zu können.

Prof. Dr. Michael Schmitt, seit 2011 „Siebeneicher-Stiftungsprofessor" für Zell- und Immuntherapie an der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie, sieht die neue Therapie als Quantensprung in der Krebsmedizin. „Die neue Wirkstoffgruppe der CAR-T-Zellen ermöglicht uns, Tumoren des Immunsystems zu therapieren, die unbehandelt rasch zum Tode führen. Wir gehen davon aus, dass wir in Zukunft eine Reihe weiterer Krebserkrankungen des Immunsystems auf diese Weise behandeln können.“

Körpereigene Abwehrzellen werden auf die Tumorerkennung abgerichtet

Gentechnisch hergestellte CAR-T-Zellen lösen ein zentrales Problem der Krebstherapie: Sie erkennen Tumoren des blutbildenden und lymphatischen Systems, die für die körpereigene Abwehr eigentlich unsichtbar sind. Bei der CAR-T-Zell-Therapie werden zunächst Zellen der Immunabwehr – sogenannte T-Zellen – aus dem Blut des Patienten gewonnen.

Diese werden dann im Labor gentechnisch so verändert, dass sie auf ihrer Oberfläche CAR-Moleküle bilden, die gegen krebsspezifische Oberflächenproteine gerichtet sind. Die so veränderten CAR-T-Zellen werden wieder dem Patienten zurückgegeben, wo sie sich idealerweise vermehren und zu einer heftigen und lang anhaltenden Immunreaktion gegen den Krebs führen. Nachteile der CAR-T-Zell-Therapie sind – neben den sehr hohen Kosten – die möglichen starken Nebenwirkungen, weshalb ihr Einsatz nur in Kliniken mit entsprechender intensivmedizinischer Betreuung zugelassen ist.

Die Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie (Medizinische Klinik V) des Universitätsklinikums Heidelberg unter Leitung von Prof. Dr. Carsten Müller-Tidow entspricht diesen Erwartungen: Die Klinik stellt eine der traditionsreichsten Einrichtungen in Deutschland zur Behandlung und Erforschung von Blutkrebserkrankungen dar und ist mit jährlich über 300 Eingriffen das größte deutsche Stammzelltransplantationszentrum für Erwachsene.

Über das Universitätsklinikum und die Medizinische Fakultät Heidelberg

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit fast 2.000 Betten werden jährlich rund 65.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe hat das Universitätsklinikum Heidelberg das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg etabliert, das führende onkologische Spitzenzentrum in Deutschland. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.700 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

www.klinikum.uni-heidelberg.de 

Weitere Informationen:

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Stammzelltransplantation.131804.0.html

Julia Bird | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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