Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Am Nasenring gepackt

18.03.2013
Zellen mit Türstehern: Die Abwehr des Körpers gegen Viren beginnt früher als gedacht, nämlich unmittelbar, nachdem die Erreger in die Zelle eingedrungen sind. Das hat ein internationales Forscherteam unter Marburger Federführung herausgefunden. Die Wissenschaftler konnten sichtbar machen, an welcher Stelle das angeborene Immunsystem den Fremdkörper angreift.

Um RNA-Viren wie Grippe- oder AIDS-Erreger abzuwehren, muss der Eindringling rasch erkannt werden. Daran sind so genannte Helicasen beteiligt, die dafür zuständig sind, verflochtene Stränge der Erbsubstanz RNA zu entwinden. Eine dieser Helicasen ist RIG-I. „Unserer Studie sollte klären, ob RIG-I die RNA der eindringenden Viren erkennt“, schreiben die Wissenschaftler um den Virologen Professor Dr. Friedemann Weber von der Philipps-Universität.


Auf frischer Tat ertappt: Sobald ein Virus in die Zelle eindringt (rechts), binden RIG-I-Helicasen an die ringförmige Viren-RNA (1), ändern ihre Gestalt (2), lagern sich zu mehreren an (3) und setzen die antivirale Abwehr in Gang (4).
(Schema: Autoren/ Cell Host & Microbe)

Sobald Helicasen an das Erbmaterial eindringender Viren binden, ändern sie ihre Gestalt, lagern sich zu mehreren zusammen und setzen die Abwehrmechanismen der Zelle in Gang. Bislang war jedoch weitgehend unbekannt, welcher konkrete Teil des Virus eine Helicase stimuliert.

Um das herauszufinden, machten die Wissenschaftler Gebrauch von einer Vielzahl natürlich vorkommender Virenstämme, die unterschiedliche Eigenschaften haben. So konnten die Forscher jeweils genau einen Aspekt der Immunabwehr isoliert betrachten: den Zeitpunkt des ersten Angriffs, das dafür verantwortliche Protein, die Zielstruktur auf dem Virus.

... mehr zu:
»DFG »Helicasen »Nasenring »RNA »Virologe »Virus »enzyme »microbe

Die Untersuchungen ergaben folgendes Bild: Sobald ein Virus in die Zelle eingedrungen ist, setzt sich das RIG-I-Protein an eine bestimmte Stelle von dessen RNA, nämlich genau dort, wo diese zu einer Art Schleife gewunden ist. „RIG-I packt das Virus wie einen Stier am Nasenring“, erläutert Studienleiter Weber.

Die RNA der eindringenden Viren ist zwar eigentlich mit dem Enzym Polymerase bedeckt und dadurch geschützt; aber ab und zu macht das Enzym die RNA zugänglich, zum Beispiel, damit die Erbinformation kopiert werden kann. „Da RIG-I überall in der Zellgrundsubstanz vorhanden ist, scheint es die kurzzeitig entblößten Stellen dann rasch zu besetzen“, vermuten die Wissenschaftler.

„Unsere Befunde zeigen: Die Abwehr gegen Viren beginnt schon in dem Moment, in dem ein Virus in die Zelle eindringt“, schreiben die Forscher, „also zum frühestmöglichen Zeitpunkt einer Infektion.“

Friedemann Weber ist Mitglied im Sonderforschungsbereich 593 zum Thema "Mechanisms of cellular compartmentalisation and the relevance for disease", den die „Deutsche Forschungsgemeinschaft“ (DFG) an der Philipps-Universität eingerichtet hat. Der Marburger Hochschullehrer zählt einer aktuellen Rangliste der Zeitschrift „Laborjournal“ zufolge zu den zwanzig am meisten zitierten Virologen im deutschsprachigen Raum.

Neben dem Institut für Virologie und der Abteilung für Zellbiologie der Philipps-Universität beteiligten sich Wissenschaftler der Universität Freiburg, der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie der Mount Sinai School of Medicine in New York an der Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Cell Host & Microbe“ erschienen ist.

Die Arbeit der Wissenschaftler wurde unter anderem durch die DFG, die Leibniz-Graduiertenschule „EIDIS“ sowie durch das Universitätsklinikum Gießen und Marburg finanziell gefördert.

Originalveröffentlichung: Michaela Weber & al.: Incoming RNA virus nucleocapsids containing a 5’-triphosphorylated genome activate RIG-I and anti-viral signaling, Cell Host & Microbe, 13 (3)/2013, pp. 336-346, DOI:10.1016/j.chom.2013.01.012

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Professor Dr. Friedemann Weber,
Institut für Virologie
Tel.: 06421 28-64525
E- Mail: friedemann.weber@staff.uni-marburg.de

Johannes Scholten | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

Weitere Berichte zu: DFG Helicasen Nasenring RNA Virologe Virus enzyme microbe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät
14.12.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

nachricht Telomerverlängerung entscheidend für Krankheitsverlauf
07.12.2018 | Uniklinik Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Rittal heizt ein in Sachen Umweltschutz - Rittal Lackieranlage sorgt für warme Verwaltungsbüros

14.12.2018 | Unternehmensmeldung

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics