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Multiple Sklerose: Mehr Sicherheit bei der Therapie

04.05.2018

MHH-Wissenschaftler: Mit Magnetresonanztomografie können lebensbedrohliche Folgen der Behandlung verhindert werden / Veröffentlichung in Fachzeitschrift JAMA Neurology

Sie helfen effektiv, ihre möglichen Nebenwirkungen können aber auch gefährlich sein: Medikamente, mit denen seit einigen Jahren die Multiple Sklerose (MS) behandelt wird. Die MS ist die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung von Gehirn und Rückenmark junger Erwachsener, bei der fast jedes neurologisches Symptom auftreten kann, zum Beispiel Sehstörungen oder Lähmungen.


Privatdozent Dr. Mike Peter Wattjes bei der Auswertung einer Magnetresonanztomograf-Abbildung eines Gehirns.

Foto: MHH/Kaiser

In Deutschland haben etwa 120.000 Menschen Multiple Sklerose. Die Erkrankung ist nicht heilba, ihre Ursache ist unbekannt, aber ihr Verlauf kann durch verschiedene Maßnahmen günstig beeinflusst werden. Die Krankheit verläuft typischerweise in Schüben, in denen neue Symptome auftreten oder alte aufflammen können.

Die neuere Generation der MS-Arzneimittel, wie beispielsweise Natalizumab, können die für die Erkrankung typischen schubweise auftretenden Entzündungen in Gehirn und Rückenmark sehr wirkungsvoll verhindern.

Doch sie unterdrücken das Immunsystem des Patienten, so dass es den Körper schlechter gegen Viren verteidigen kann. So können Viren reaktiviert werden, ins Gehirn einwandern und dieses substanziell schädigen, was Behinderungen oder sogar den Tod des Patienten zur Folge haben kann. Eines dieser Viren ist das sogenannte JC-Virus, das die „Progressive Multifokale Leukenzephalopathie“ (PML) auslöst.

Diagnose bevor Symptome auftreten

Forscher um Privatdozent Dr. Mike P. Wattjes vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nun herausgefunden, dass regelmäßige Untersuchungen der Patienten im Magnetresonanztomografen (MRT) diese lebensbedrohlichen Folgen der Therapie durch eine frühzeitige Diagnose verhindern können.

Die Diagnose einer PML mit Hilfe der MRT-Untersuchung gelingt sogar noch bevor Symptome einer Virusinfektion des Gehirns auftreten oder das Virus selbst im Hirnnervenwasser (Liquor) nachweisbar ist. PD Dr. Wattjes hat diese Erkenntnisse mit Kollegen von der Freien Universität Amsterdam gewonnen. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichte die renommierte Fachzeitschrift JAMA Neurology.

Dieses Konzept der stringenten Therapieüberwachung bei MS-Patienten wird jetzt an der MHH in Zusammenarbeit mit dem kommissarischen Direktor der MHH-Klinik für Neurologie, Professor Dr. Martin Stangel, weiterentwickelt.

Die Neuroimmunologie und insbesondere die Multiple Sklerose hat an der MHH einen Schwerpunkt. Wenn der JC-Virus Schäden im Gehirn angerichtet hat, wird das MS-Medikament abgesetzt, bis sich das Immunsystem erholt und die Infektion bekämpft hat. Anschließend wird die MS-Therapie mit einem anderen Medikamente fortgesetzt.

PD Dr. Wattjes wertet nicht nur für die MHH, sondern auch für Patienten aus ganz Deutschland und aus dem Ausland MRT-Aufnahmen aus. Dafür ist eine spezielle neuroradiologische Expertise Voraussetzung, welche nur an wenigen Standorten auf der Welt verfügbar ist.

Er wirkt für die MHH an einem Pilotprojekt mit, in dem es darum geht, die MHH als Referenzzentrum für eine neue internationale digitale Plattform zu etablieren. Auf dieser können von überall auf der Welt MRT-Aufnahmen anonymisiert hochgeladen werden, um für eine Zweitbegutachtung zur Verfügung zu stehen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Privatdozent Dr. Mike Peter Wattjes, wattjes.mike@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-2061.

Die Originalpublikation finden Sie im Internet unter folgendem Link: https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/article-abstract/2674280

Stefan Zorn | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

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