Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Forscher schauen Viren in die Karten

09.07.2009
Virologen können Herpesviren kontrollieren / Neue Methode ermöglicht die Entschlüsselung viraler Mechanismen / Veröffentlichung in "Nature Methods"

Fast jeder hat schon einmal die unangenehme Bekanntschaft mit ihnen gemacht: Herpesviren. Sie sind meist relativ harmlos, sind wir jedoch einmal mit ihnen infiziert, begleiten sie uns ein Leben lang.

In einem günstigen Moment, wenn unser Immunsystem geschwächt ist, bricht die Infektion erneut aus und kann bei einigen Menschen zu schwersten Erkrankungen führen - etwa bei Neugeborenen oder Transplantatsempfängern.

Wissenschaftlern des Instituts für Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) um Professor Dr. Martin Messerle ist es gelungen, eine neue Methode zu entwickeln, mit der man die Lebensweise der Herpesviren genauer untersuchen und die Funktionen der einzelnen Virusbestandteile aufklären kann. Ihre Ergebnisse hat die Fachzeitschrift "Nature Methods" jetzt in ihrer Online-Ausgabe veröffentlicht.

Will man wissen, für welche Funktion ein bestimmtes Virus-Gen verantwortlich ist, schaltet man dieses Gen normalerweise aus und beobachtet den Effekt, den dies auf das Virus hat. Viele Funktionen der Herpesviren sind jedoch lebenswichtig. " Wenn wir sie ausgeschaltet hätten, könnten sich die Viren nicht mehr vermehren und wir hätten deshalb nicht untersuchen können, welche Funktion dieses Virus-Gen im Lebenszyklus des Virus hat", erläutert Professor Messerle. Seine Arbeitsgruppe hat nun einen Weg gefunden, dieses Problem zu umgehen. "Anstatt an den viralen Genen selbst anzugreifen, regulieren wir das Genprodukt, also das virale Protein", sagt der Forscher.

Dafür koppelten die MHH-Virologen einen Bereich an das Protein, der es destabilisiert -"quasi eine Art An- und Ausschalter", erklärt Professor Messerle. Bindet dieser Bereich jedoch an eine bestimmte synthetische Substanz ("shield" genannt), wird damit das ganze virale Protein vor dem Abbau geschützt. Dank dieser "Schutzschild"-Substanz vermehrt sich das Virus normal. "Wenn wir aber die schützende Substanz entfernen, wird das virale Protein von der Zelle abgebaut", sagt Professor Messerle, "und wir können dann genau beobachten, wie sich das Fehlen des Proteins auf die einzelnen Schritte der Virusvermehrung auswirkt, also welche spezielle Funktion das entsprechende Virus-Protein erfüllt."

Auf diese Weise ist es nun nicht nur möglich, die einzelnen Funktionen der Herpesvirus-Proteine aufzuklären, sondern die Forscher können nun auch anderen Viren in die Karten schauen. "Weiß man, was ein Virus genau mit einer Zelle macht, kann man daraus ableiten, was zu tun ist, um das Virus an der Vermehrung und an der Zerstörung der Zelle zu hindern", betont Professor Messerle. Die Erkenntnisse, die sich mit der an der MHH entwickelten Methode gewinnen lassen, werden dazu beitragen, neue Angriffspunkte für die Entwicklung antiviraler Medikamente und Impfstoffe zu finden.

Die Originalarbeit finden Sie hier: http://www.nature.com/nmeth/journal/vaop/ncurrent/abs/nmeth.1346.html

Weitere Informationen gibt Ihnen gern Professor Dr. Martin Messerle, Institut für Virologie, Telefon (0511) 532 4320, messerle.martin@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de
http://www.nature.com/nmeth/journal/vaop/ncurrent/abs/nmeth.1346.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Studie mit bispezifischem Antikörper liefert beeindruckende Behandlungserfolge bei Multiplem Myelom
01.04.2020 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Pool-Testen von SARS-CoV-2 Proben erhöht die Testkapazität weltweit um ein Vielfaches
31.03.2020 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Blockierung des Eisentransports könnte Tuberkulose stoppen

Tuberkulose-Bakterien brauchen Eisen zum Überleben. Wird der Eisentransport in den Bakterien gestoppt, so kann sich der Tuberkulose-Erreger nicht weiter vermehren. Nun haben Forscher der Universität Zürich die Struktur des Transportproteins ermittelt, das für die Eisenzufuhr zuständig ist. Dies eröffnet Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Medikamente.

Einer der verheerendsten Erreger, der sich im Inneren menschlicher Zellen vermehren kann, ist Mycobacterium tuberculosis – der Bazillus, der Tuberkulose...

Im Focus: Blocking the Iron Transport Could Stop Tuberculosis

The bacteria that cause tuberculosis need iron to survive. Researchers at the University of Zurich have now solved the first detailed structure of the transport protein responsible for the iron supply. When the iron transport into the bacteria is inhibited, the pathogen can no longer grow. This opens novel ways to develop targeted tuberculosis drugs.

One of the most devastating pathogens that lives inside human cells is Mycobacterium tuberculosis, the bacillus that causes tuberculosis. According to the...

Im Focus: Corona-Pandemie: Medizinischer Vollgesichtsschutz aus dem 3D-Drucker

In Vorbereitung auf zu erwartende COVID-19-Patienten wappnet sich das Universitätsklinikum Augsburg mit der Beschaffung von persönlicher Schutzausrüstung für das medizinische Personal. Ein Vollgesichtsschutz entfaltet dabei in manchen Situationen eine bessere Schutzwirkung als eine einfache Schutzbrille, doch genau dieser ist im Moment schwer zu beschaffen. Abhilfe schafft eine Kooperation mit dem Institut für Materials Resource Management (MRM) der Universität Augsburg, das seine Kompetenz und Ausstattung im Bereich des 3D-Drucks einbringt, um diesen Engpass zu beheben.

Das Coronavirus SARS-CoV-2 wird nach heutigem Wissensstand maßgeblich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei sind neben Mund und Nase vor allem auch die...

Im Focus: Hannoveraner Physiker entwickelt neue Photonenquelle für abhörsichere Kommunikation

Ein internationales Team unter Beteiligung von Prof. Dr. Michael Kues vom Exzellenzcluster PhoenixD der Leibniz Universität Hannover hat eine neue Methode zur Erzeugung quantenverschränkter Photonen in einem zuvor nicht zugänglichen Spektralbereich des Lichts entwickelt. Die Entdeckung kann die Verschlüsselung von satellitengestützter Kommunikation künftig viel sicherer machen.

Ein 15-köpfiges Forscherteam aus Großbritannien, Deutschland und Japan hat eine neue Methode zur Erzeugung und zum Nachweis quantenverstärkter Photonen bei...

Im Focus: Physicist from Hannover Develops New Photon Source for Tap-proof Communication

An international team with the participation of Prof. Dr. Michael Kues from the Cluster of Excellence PhoenixD at Leibniz University Hannover has developed a new method for generating quantum-entangled photons in a spectral range of light that was previously inaccessible. The discovery can make the encryption of satellite-based communications much more secure in the future.

A 15-member research team from the UK, Germany and Japan has developed a new method for generating and detecting quantum-entangled photons at a wavelength of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

Europäischer Rheumatologenkongress EULAR 2020 wird zum Online-Kongress

30.03.2020 | Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Wasserstofffabrik der Zukunft

02.04.2020 | Energie und Elektrotechnik

Reparatur statt Neubau: Beschädigte Zell-Kraftwerke haben eigenen “Werkstatt-Modus”

02.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics