Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gutartige Tumoren der Ohrspeicheldrüse werden oft zu radikal operiert

06.05.2013
Rund 80 Prozent der Tumoren an der Ohrspeicheldrüse sind gutartig. Doch auch diese Geschwulste sollten entfernt werden, da sie zu bösartigen Tumoren mutieren und Schäden an umliegenden Blutgefäßen oder Nerven anrichten können.

Eine komplette Entfernung der Speicheldrüse, wie sie derzeit noch häufig angewandt wird, birgt jedoch besonders hohe Risiken, etwa für eine Gesichtslähmung. Auf der morgigen Pressekonferenz in Nürnberg, stellen Experten der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde eine neue, schonende Methode vor und plädieren für ihren vermehrten Einsatz in ihrem Fachgebiet.

Wenn Chirurgen den Speicheldrüsentumor entfernen, kommen sie dem Hauptgesichtsnerv gefährlich nahe: „Der Nerv verläuft mitten durch die Speicheldrüse hindurch. Wird dieser bei der Operation beschädigt, leiden die Patienten unter vorübergehenden oder sogar lebenslangen Gesichtslähmungen“, erläutert Professor Dr. med. Heinrich Iro, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC).

Die Operationsmethode ist daher entscheidend für das Behandlungsergebnis. Mit dem bisherigen Standardeingriff, der Parotidektomie, ist das Risiko für Folgeschäden jedoch besonders hoch. Der Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen plädiert daher für eine neuere Methode – die extrakapsuläre Dissektion. „Studien bestätigen, dass es sich um eine für den Patienten risikoärmere Methode handelt“, so Iro. Daher sollte hier dringend ein Umdenken bezüglich des Operationsstandards passieren.

Bei der bisher noch üblichen Parotidektomie entfernen Ärzte die gutartige Geschwulst samt Kapsel und umliegendem äußeren und gegebenenfalls inneren Drüsengewebe. Durch diese radikale Methode bricht der Tumor lediglich bei unter fünf Prozent aller Patienten wieder aus. „Dieser Vorteil wird jedoch mit einer großen Zahl an Folgeschäden erkauft", kritisiert Iro. Denn bei einer Entfernung des kompletten Drüsengewebes treten bei durchschnittlich jedem dritten Patienten vorübergehende Gesichtslähmungen auf, da der Gesichtsnerv geschädigt wurde. Bei bis zu jedem zehnten Patienten sind diese Gesichtslähmungen sogar dauerhaft. Außerdem entwickeln über 30 Prozent der Patienten nach diesem Eingriff ein so genanntes Frey-Syndrom, eine außergewöhnliche Schweißproduktion an Gesicht und Hals. „Gerade bei gutartigen Erkrankungen sollten Ärzte jedoch den Nutzen des Eingriffs und das damit verbundene Risiko sorgfältig abwägen“, fordert Iro.

Eine Studie, die Iro und seine Kollegen am spezialisierten Speicheldrüsenzentrum in Erlangen durchführten, zeigt jetzt, dass bei 40 Prozent der Patienten die extrakapsuläre Dissektion diese Folgeschäden reduziert. Bei der Operationstechnik können die Chirurgen den Tumor samt Kapsel entfernen und gleichzeitig den Gesichtsnerv schonen. Von den Patienten zeigten nur sechs Prozent Anzeichen für eine vorübergehende Gesichtslähmung, lediglich bei zwei Prozent blieben die Lähmungserscheinungen bestehen. „Bisherige Untersuchungen verdeutlichen zudem, dass der gutartige Tumor dennoch nicht häufiger wieder nachwächst. ", betont Iro. Für einen großen Teil der Patienten bedeute diese Technik daher deutlich weniger Risiko.

Über die Risikominimierung bei Eingriffen an der Speicheldrüse und die Forderung, bisherige standardisierte Operationsmethoden zu überdenken, wird Professor Iro auf der morgigen Pressekonferenz anlässlich der 84. Jahresversammlung der DGHNO KHC berichten.

Literatur:
Klintworth et al.: Postoperative Complications After Extracapsular Dissection of Benign Parotid Lesions With Particular Reference to Facial Nerve Function, Laryngoscope 120: March 2010

Terminhinweise:

84. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC)
Termin: 8. bis 12. Mai 2013
Ort: Nürnberg Convention Center (NCC Ost)

Kongress-Pressekonferenz
Termin: Dienstag, 7. Mai 2013, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Maritim Hotel Nürnberg, Raum Martin Behaim
Anschrift: Frauentorgraben 11, 90443 Nürnberg
Thema u. a.:
Gutartige Tumore in Speicheldrüsen erfolgreicher behandeln: Neue, minimal-invasive Operationstechnik reduziert Komplikationen bei gleicher Erfolgsrate
Professor Dr. med. Heinrich Iro
Programm der Pressekonferenz

Lunch-Symposium
„Das Erlanger Konzept der Therapie von Speicheldrüsenerkrankungen –Langzeiterfahrungen beim Organerhalt“
Termin: Donnerstag, 9. Mai 2013, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: Saal Seoul, Nürnberg Convention Center (NCC Ost)

Sitzung:
Speicheldrüsen/Fazialis 1
Termin: Freitag, 10. Mai 2013, 13.00 bis 14.15 Uhr
Ort: Saal Istanbul, Nürnberg Convention Center (NCC Ost)

Ihr Kontakt für Rückfragen:

Pressestelle der 84. Jahresversammlung der DGHNO KHC:
Christina Seddig
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-442
Telefax: 0711-8931-167
E-Mail: seddig@medizinkommunikation.org

Medizin - Kommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://www.hno.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sichere Schraubverbindungen mit standardisiertem Ultraschallverfahren

23.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren

23.07.2018 | Studien Analysen

Sauerstoffstabile Hydrogenasen für die Anwendung

23.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics