Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher identifizieren neue Risikogene für Herzinfarkt

03.12.2012
Ein globales Konsortium hat in der bislang größten Studie die erblichen Ursachen des Herzinfarktes genau untersucht.
Die Mediziner haben 104 Genorte entdeckt, die mit großer Sicherheit zum Herzinfarktrisiko beitragen. Insgesamt 46 Chromosomenabschnitte können nun mit genomweiter Signifikanz, d.h. der höchsten Stufe der statistischen Gewissheit, als ursächlich für die bedrohliche Erkrankung angesehen werden. Damit wird klar: Das Herzinfarktrisiko ist viel stärker genetisch verwurzelt, als bislang angenommen.

Die Identifizierung dieser Vielzahl von Risikogenen erlaubt nun erstmalig weitergehende Analysen. Diese bestätigten zunächst, dass Störungen des Fettstoffwechsels und entzündliche Erkrankungen des Herzens von sehr großer pathophysiologischer Relevanz für den Herzinfarkt sind. Durch die weitere Analyse der identifizierten Gene erwarten die Mediziner aber auch völlig neue Einsichten in die Krankheitsentstehung, die mittel- bis langfristig bislang ungeahnte Möglichkeiten für die Prävention und Therapie eröffnen können.

In den letzten Jahren ist es zwar gelungen etliche Risikogene zu identifizieren, trotzdem sind die genetischen Ursachen des Herzinfarkts bislang nicht hinreichend aufgeklärt. Gemeinsam mit mehr als 180 Wissenschaftlern aus der ganzen Welt konnten nun Forscher des Deutschen Herzzentrums München (DHM), Klinik an der Technischen Universität München, und der Universität zu Lübeck 15 neue Risikogene für die koronare Herzkrankheit (KHK) und den Herzinfarkt nachweisen. Damit sind nun 46 Risikogene bekannt. Zusätzlich konnten weitere 104 Gene identifiziert werden, die sehr wahrscheinlich das Krankheitsrisiko erhöhen. Die Wissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse im hoch angesehenen Wissenschaftsjournal Nature Genetics.

Die Ergebnisse erklärt Prof. Dr. Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum München, Klinik an der Technischen Universität München: „Trotz der Bedeutung der bekannten Risikofaktoren trifft der Herzinfarkt viele Menschen völlig unerwartet. Die Arbeiten legen den Grundstein für die System-medizinische Aufklärung der Krankheitsentstehung. So können neue Ansätze zur Prävention entwickelt werden“.
Prof. Dr. Jeanette Erdmann (Institut für Integrative und Experimentelle Genomik der Universität zu Lübeck) ergänzt: „Die Erkenntnisse führen nun zu funktionellen Analysen der identifizierten Risikogene im Labor. Hierdurch erhoffen wir uns dann mittelfristig neue therapeutische Ansätze zum Wohle der Patienten“. Beide Wissenschaftler sind Mitglieder des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung.

Das globale Konsortium CARDIoGRAMplusC4D hat für diese weltweit größte genetische Studie 60.000 Patienten mit koronarer Herzkrankheit und 130.000 gesunde Personen untersucht, um Regionen im menschlichen Genom aufzuspüren, die mit einem erhöhten Risiko einer koronaren Herzerkrankung vergesellschaftet sind. Durch die gleichzeitige Analyse von mehr als 2 Millionen über das gesamte Genom verteilten Genvarianten (sog. SNPs) wurde die Identifikation von neuen, bislang unbekannten, Risikogenen möglich. An der Studie beteiligten sich Forscher aus Europa (Deutschland, Großbritannien, Island, Schweden, Finnland, Frankreich, Italien, Griechenland), Libanon, Pakistan, Korea, USA, Kanada und China.

Jedes Jahr sterben in Europa rund 750.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Die zugrunde liegende Atherosklerose der Herzkranzarterien und der Herzinfarkt gehören damit in Deutschland zu den mit Abstand häufigsten Todesursachen. Neben traditionellen Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Rauchen spielt die vererbte Veranlagung eine erhebliche Rolle bei der Entstehung der Erkrankung.

Originalpublikation:
The CARDIoGRAMplusC4D Consortium (2012) “Large-scale association analysis identifies new risk loci for coronary artery disease”; Nature Genetics, 2. Dezember 2012
Doi: 10.1038/ng.2480

Kontakt:
Prof. Dr. med. Heribert Schunkert
Deutsches Herzzentrum München
Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen
Technische Universität München
Lazarettstraße 36
80636 München
Telefon: +49-89-1218-4073
E-mail: schunkert@dhm.mhn.de

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.tum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Heilende Wirkung von Radon
14.01.2019 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Braunalgenextrakt als neuer therapeutischer Ansatz bei Lungenhochdruck
14.01.2019 | Deutsches Zentrum für Lungenforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultra ultrasound to transform new tech

World first experiments on sensor that may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles

The new sensor - capable of detecting vibrations of living cells - may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles.

Im Focus: Fliegende optische Katzen für die Quantenkommunikation

Gleichzeitig tot und lebendig? Max-Planck-Forscher realisieren im Labor Erwin Schrödingers paradoxes Gedankenexperiment mithilfe eines verschränkten Atom-Licht-Zustands.

Bereits 1935 formulierte Erwin Schrödinger die paradoxen Eigenschaften der Quantenphysik in einem Gedankenexperiment über eine Katze, die gleichzeitig tot und...

Im Focus: Flying Optical Cats for Quantum Communication

Dead and alive at the same time? Researchers at the Max Planck Institute of Quantum Optics have implemented Erwin Schrödinger’s paradoxical gedanken experiment employing an entangled atom-light state.

In 1935 Erwin Schrödinger formulated a thought experiment designed to capture the paradoxical nature of quantum physics. The crucial element of this gedanken...

Im Focus: Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken den biologisch abbaubaren Rohstoff nun mit zusätzlichen Fähigkeiten, um Implantate für Knorpelerkrankungen mittels 3-D-Druck fertigen zu können.

Alles beginnt mit einem Ohr. Empa-Forscher Michael Hausmann entfernt das Objekt in Form eines menschlichen Ohrs aus dem 3-D-Drucker und erklärt: «Nanocellulose...

Im Focus: Nanocellulose for novel implants: Ears from the 3D-printer

Cellulose obtained from wood has amazing material properties. Empa researchers are now equipping the biodegradable material with additional functionalities to produce implants for cartilage diseases using 3D printing.

It all starts with an ear. Empa researcher Michael Hausmann removes the object shaped like a human ear from the 3D printer and explains:

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungen

Erstmalig in Nürnberg: Tagung „HR-Trends 2019“

17.01.2019 | Veranstaltungen

Wie Daten und Künstliche Intelligenz die Produktion optimieren

16.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leistungsschub für alle Omicron Laser

17.01.2019 | Messenachrichten

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Mit Blutgefäßen aus Stammzellen gegen Volkskrankheit Diabetes

17.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics