Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fettsucht & Fettleber: Studie nimmt Bakterien als mögliche Auslöser ins Visier

29.04.2013
Zwei Forschungsprojekte an der Universität Hohenheim untersuchen Bakterien im Darm übergewichtiger Menschen
Der Grund für Adipositas könnte im Darm liegen: Der Ernährungsmediziner Prof. Dr. Stephan C. Bischoff von der Universität Hohenheim untersucht deshalb, wie sich die Darmflora bei Übergewichtigen durch eine spezielle Therapie oder Operationen verändert. In einem weiteren Forschungsprojekt beleuchtet der Wissenschaftler zudem, ob die Darmbakterien auch die Ursache für die Fettleber-Erkrankung sind. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die beiden Forschungsprojekte mit insgesamt fast 340.000 Euro. Damit gehören sie zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.

Rund 16 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter ausgeprägtem Übergewicht, darunter immer mehr Kinder und Jugendliche. Etwa jeder dritte erwachsene Bundesbürger bringt mehr auf die Waage, als gesund wäre. „Es gibt erste Hinweise darauf, dass bei Übergewichtigen die Darmfunktion gestört sein könnte. Die Ursache von Fettsucht könnte in der Darmflora liegen“, vermutet Prof. Dr. Stephan C. Bischoff vom Fachgebiet Ernährungsmedizin/Prävention und Genderforschung an der Universität Hohenheim.
Der Ernährungsmediziner untersucht deshalb, inwieweit sich die Bakterienansammlung im Darm bei Fettleibigen von der bei Normalgewichtigen unterscheidet. „Wenn es einen deutlichen Unterschied gibt“, sagt der Experte, „könnte sich Übergewicht künftig möglicherweise über die Darmflora bekämpfen lassen.“ Umgekehrt müssten sich herkömmliche Adipositas-Therapien auf die Zusammensetzung der Darmflora auswirken.

Chance auf neuartige Adipositas-Therapien
Eine der klassischen Therapien heißt Optifast – ein komplexes Programm aus Ernährung, Bewegung und Essverhalten, das Prof. Dr. Bischoff in Stuttgart anbietet. Katrin Stingel führt die Therapie pro Jahr an 50 bis 100 Übergewichtigen an der Metabolic Unit der Universität Hohenheim durch. Davor und danach untersucht Antje Damms Machado zusammen mit dem Bioinformatiker Prof. Dr. Daniel Huson von der Universität Tübingen die Darmflora der Probanden.

In besonders schweren Fällen, bei denen die Therapie nicht wirkt, führt der Chirurg Prof. Dr. Alfred Köngsrainer und seine Mitarbeiter vom Universitätsklinikum Tübingen zusammen mit Prof. Dr. Bischoffs Mitarbeiterin Asja Friedrich Operationen durch. „Sie verkleinern den Magen oder verändern mit einem Bypass den Darm. Dabei werden mehrere Darmwindungen außer Kraft gesetzt“, erklärt der Ernährungsmediziner. Auch danach untersuchen die Wissenschaftler, ob sich die Darmflora durch die Eingriffe verändert hat.

Sollte sich die Theorie weiter bewahrheiten, wonach Darm-Bakterien Adipositas verursachen, könnte dies in Zukunft den Weg für völlig neue Therapieformen eben. Vorstellbar wäre dann, dass neuartige Probiotika, also gesundheitsfördernde Keime, und Präbiotika, die das Wachstum dieser Keime fördern, entwickelt werden. Sie könnten dann typische Störungen der Darmflora, die bei Adipösen auftreten, korrigieren und somit die Adipositastherapie und -prävention unterstützen.

Präventionsprogramm könnte Fettleber-Erkrankung künftig verhindern
Neben Übergewicht könnte auch die Fettleber Folge einer gestörten Darmflora sein. „Vielleicht tragen die Darmbakterien und die Giftstoffe, die sie freisetzen, zur Entwicklung der Fettleber-Erkrankung bei“, vermutet der Experte.
Allerdings leiden nicht alle fettsüchtigen Menschen an einer Fettleber. Es könnte also auch noch andere Ursachen geben: bestimmte Nahrungsstoffe, die Übergewichtige besonders oft zu sich nehmen, oder die übergroße Menge an Essen.
Den wirklichen Grund will Prof. Dr. Bischoff ermitteln. Unterstützt wird er dabei von seiner Kollegin und früheren Mitarbeiterin Dr. Ina Bergheim und von dem Hepatologen Prof. Dr. Christian Trautwein von der Universität Aachen. Ihre Erkenntnisse könnten in eine neue Präventionstherapie führen, die die Fettleber-Erkrankung bei Übergewichtigen von vorne herein verhindert.

Hintergrund: Forschungsprojekte
Die beiden Hohenheimer Forschungsprojekte „Adipositas und intestinales Mikrobiom“ und „Adipositas und Fettlebererkrankung“gehören zum Verbundprojekt „Zentrale und periphere Mechanismen der Adipositas“. Dieses wiederum ist Teil der Forschungsplattform Kompetenznetz Adipositas. Die Gesamtkoordination liegt bei Prof. Dr. Manfred Müller von der Universität Kiel und Prof. Dr. Hans Hauner von der Technischen Universität München. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die beiden Teilprojekte an der Universität Hohenheim mit insgesamt knapp 337.000 Euro. Sie sind im April 2012 angelaufen und dauern drei Jahre.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung
Rund 27 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim im vergangenen Jahr für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Buchwissenschaften.
Text: Weik / Klebs

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Stephan C. Bischoff, Universität Hohenheim, Fachgebiet Ernährungsmedizin/Prävention und Genderforschung,

Tel.: 0711/459 24100, E-Mail: Bischoff.stephan@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Hirntumoren aus der Petrischale
15.02.2019 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Mechanismus zur Körperabwehr gegen Bakterien und zur Regulation des Mikrobioms entdeckt
12.02.2019 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Grüne Spintronik: Mit Spannung Superferromagnetismus erzeugen

Ein HZB-Team hat zusammen mit internationalen Partnern an der Lichtquelle BESSY II ein neues Phänomen in Eisen-Nanokörnern auf einem ferroelektrischen Substrat beobachtet: Die magnetischen Momente der Eisenkörner richten sich superferromagnetisch aus, sobald eine elektrische Spannung anliegt. Der Effekt funktioniert bei Raumtemperatur und könnte zu neuen Materialien für IT-Bauelemente und Datenspeicher führen, die weniger Energie verbrauchen.

In heutigen Datenspeichern müssen magnetische Domänen mit Hilfe eines externen Magnetfeld umgeschaltet werden, welches durch elektrischen Strom erzeugt wird....

Im Focus: Regensburger Physiker beobachten, wie es sich Elektronen gemütlich machen

Und können dadurch mit ihrer neu entwickelten Mikroskopiemethode Orbitale einzelner Moleküle in verschiedenen Ladungszuständen abbilden. Die internationale Forschergruppe der Universität Regensburg berichtet über ihre Ergebnisse unter dem Titel “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunnelling microscopy on insulators” in der weltweit angesehenen Fachzeitschrift ,,Nature‘‘.

Sie sind die Grundbausteine der uns umgebenden Materie - Atome und Moleküle. Die Eigenschaften der Materie sind oftmals jedoch nicht durch diese Bausteine...

Im Focus: Regensburg physicists watch electron transfer in a single molecule

For the first time, an international team of scientists based in Regensburg, Germany, has recorded the orbitals of single molecules in different charge states in a novel type of microscopy. The research findings are published under the title “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunneling microscopy on insulators” in the prestigious journal “Nature”.

The building blocks of matter surrounding us are atoms and molecules. The properties of that matter, however, are often not set by these building blocks...

Im Focus: Universität Konstanz gewinnt neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Immunsystems

Wissenschaftler der Universität Konstanz identifizieren Wettstreit zwischen menschlichem Immunsystem und bakteriellen Krankheitserregern

Zellbiologen der Universität Konstanz publizieren in der Fachzeitschrift „Current Biology“ neue Erkenntnisse über die rasante evolutionäre Anpassung des...

Im Focus: University of Konstanz gains new insights into the recent development of the human immune system

Scientists at the University of Konstanz identify fierce competition between the human immune system and bacterial pathogens

Cell biologists from the University of Konstanz shed light on a recent evolutionary process in the human immune system and publish their findings in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Thema Desinformation in Online-Medien

15.02.2019 | Veranstaltungen

FfE-Energietage 2019 - Die Energiewelt heute und morgen vom 1. bis 4. April 2019 in München

15.02.2019 | Veranstaltungen

Deutscher Fachkongress für kommunales Energiemanagement: Fokus Energie – Architektur – BauKultur

13.02.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Katalysatoren - Fluktuationen machen den Weg frei

15.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Berührungsgeschützt, kompakt, einfach: Rittal erweitert Board-Technologie

15.02.2019 | Energie und Elektrotechnik

Wie kann digitales Lernen gelingen? Lern-Prototypen werden auf der didacta vorgestellt

15.02.2019 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics