Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Diabetes auf die Schliche kommen

26.03.2010
DFG-Förderung für Forschungsprojekt am Bergmannsheil:
Spezielle Antikörper machen Insulin produzierende Zellen am Bildschirm sichtbar
Sie machen den Unterschied zwischen gesundem Menschen und Diabetiker: Die sogenannten Beta-Zellen. Sie sind im menschlichen Körper für die Produktion von Insulin zuständig und regulieren den Blutzuckerspiegel. Wenn sie nicht mehr ausreichend vorhanden sind oder ihre Funktion verlieren, kommt es zu einer Diabeteserkrankung. Forscher am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil verfolgen jetzt einen neuen Ansatz, den Ursachen dieser Zellschädigung auf die Schliche zu kommen: Mit einem bislang einzigartigen, experimentellen Verfahren ist das Team um PD Dr. Stephan Schneider, Oberarzt der Medizinischen Klinik I (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Horst Harald Klein) in der Lage, die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse am Bildschirm darstellen zu können. „Wenn sich diese Methode im klinischen Einsatz bewährt, könnten wir künftig in der Lage sein, das Ausmaß des Verlustes an Beta-Zellen beim Diabetiker viel genauer bestimmen zu können“, erklärt Schneider. „Somit könnten wir auch die Therapie noch exakter und wirkungsvoller auf den einzelnen Patienten abstimmen.“

Markierte Zellen werden sichtbar

Für die Weiterentwicklung dieses Ansatzes erhält das Team von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt eine Förderung in Höhe von rund 170.000 Euro. Dabei arbeiten die Forscher mit einem radiologischen Verfahren und einem selbst entwickelten Kontrastmittel: Im Körper soll es ausschließlich an die Beta-Zellen anbinden und sie somit am Bildschirm kenntlich machen. Das Kontrastmittel basiert auf so genannten Single-Chain-Antikörpern (SCA). Diese sind so präpariert, dass sie speziell von den Betazellen sehr schnell und mit hoher Zuverlässigkeit aufgenommen werden. Auf diese Weise werden die Betazellen „markiert“ und sie werden mittels einer nuklearradiologsichen Untersuchung bildlich darstellbar.

Neue therapeutische Möglichkeiten denkbar

Inwieweit dieses Verfahren wirklich aussagekräftig und zuverlässig ist, will die Arbeitsgruppe im Rahmen des DFG-Förderprojektes herausfinden. Der Weg zu einer praktikablen Anwendung für den Patienten ist allerdings noch weit: „Wenn sich unsere Annahmen bestätigen, könnten wir frühestens in drei bis vier Jahren so weit sein“, erklärt Schneider. Sein Team gehört europaweit zu den führenden Forschergruppen für Diabeteserkrankungen. Bereits im letzten Jahr hat es eine Projektförderung der US-amerikanischen Gesundheitsorganisation National Institutes of Health (NIH) erhalten. „Wir arbeiten ebenso daran, neue therapeutische Methoden zu entwickeln, um gezielt Beta-Zellen resistenter zu machen“, sagt der Diabetologe. „Im günstigsten Fall könnten wir dann den Verlust der Insulin produzierenden Zellen beim Diabetiker aufhalten oder zumindest verzögern.“

Fehlfunktion des Immunsystems löst Diabetes aus

Die Ursache für den Verlust der Beta-Zellen liegt in einer Fehlfunktion des Immunsystems: Unter bestimmten Voraussetzungen zerstört es die wichtigen Insulinlieferanten, so dass der Körper nicht mehr in der Lage ist, seinen Blutzuckerspiegel selbst zu regulieren. Auslöser für diese Fehlfunktion können möglicherweise genetische Prägungen, bestimmte Viruserkrankungen oder andere Faktoren sein. Die Erkrankten dieses Diabetestyps (sog. Typ 1-Diabetes) müssen regelmäßig Insulin injiziert bekommen. Bei Diabetikern des Typs 2 (früher als „Altersdiabetes“ bezeichnet) sind andere, nicht-immunologische Ursachen ausschlaggebend. Auch hier kommt es zu einem Verlust der Beta-Zellen mit einer ungenügenden Insulinproduktion, zudem wird das Insulin vom Körper schlecht verarbeitet. Die bisher verfügbaren Therapien (z. B. Sulfonylharnstoffe) wirken häufig zu Beginn der Erkrankung gut. Sie sind aber nicht in der Lage, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und daher meistens mittelfristig nicht effektiv genug. „Deshalb erwarten Therapeuten wie Patienten neue Diabetesmedikamente, die stärker an der Ursache der Erkrankung ansetzen, unproblematisch in der Anwendung sind und mit vertretbaren Nebenwirkungen auskommen“, sagt Schneider.

[Bildmaterial steht im Internet zum Download zur Verfügung unter der Adresse:
http://www.bergmannsheil.de/index.php?id=157&L=0&info_ID=275]

Über das Bergmannsheil

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil - Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - repräsentiert den Strukturwandel im Ruhrgebiet wie kein anderes Krankenhaus: 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung von verunglückten Bergleuten gegründet, zählt es heute zu den modernsten und leistungsfähigsten Akutkliniken der Maximalversorgung. In 22 Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 622 Betten werden jährlich rund 19.000 Patienten stationär und ca. 60.000 ambulant behandelt. Mehr als die Hälfte der Patienten kommen aus dem überregionalen Einzugsbereich.

PD Dr. Stephan Schneider
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Medizinische Klinik I - Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/302-3469
E-Mail: stephan.schneider@bergmannsheil.de

PD Dr. Stephan Schneider | Berufsgenossenschaftliches Unive
Weitere Informationen:
http://www.bergmannsheil.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Essigsäure steuert Immunzellen für eine präzise orchestrierte Abwehr
05.08.2020 | Universität Basel

nachricht Den Ursachen von schwarzem Hautkrebs auf der Spur
04.08.2020 | Deutsche Krebshilfe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics