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Wirkung von Lithium genetisch bedingt - Aussicht auf maßgeschneiderte Therapie gegen Depression

10.12.2007
Warum sprechen manche Patienten besser auf Lithium an als andere? Eine neue Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin zeigt, dass eine bestimmte Genvariation den Erfolg der Lithiumtherapie begünstigt.

Die Studie*, die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Biological Psychiatry erschienen ist, wurde mit 81 akut depressiven Patienten durchgeführt, bei denen Antidepressiva nicht ausreichend wirken.

In einem Zeitraum von bis zu acht Wochen erhielten sie zusätzlich Lithium, das nicht als Antidepressivum gilt, jedoch auch stimmungsausgleichend wirkt und vor allem bei manisch-depressiver Störung eingesetzt wird. Zudem wurde bei diesen Patienten das Gen, das für das Enzym Glycogen Synthase 3-beta (GSK3B) zuständig ist, untersucht. Weist dieses eine Variation auf, sprechen die Studienteilnehmer nach vier Wochen mit rund 56 Prozent signifikant besser auf die Lithiumtherapie an als jene ohne diese Veränderung. Von ihnen reagierten im gleichen Zeitraum nur 31 Prozent positiv auf das Lithium.

Das Gen GSK3B hatten die Forscher nicht zufällig im Blick: Für seine Bedeutung für die psychische Gesundheit gibt es immer mehr Hinweise. Es codiert das Enzym GSK3B, das von Lithium gehemmt wird. Dieser Mechanismus führt dazu, dass vermehrt Proteine gebildet werden, die das Überleben und die Entwicklung der Nervenzellen sichern. Auch unsere "innere Uhr", die im Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen steht, wird davon beeinflusst.

Lithiumsalze werden zur Milderung und Verhütung depressiver und manisch-depressiver Episoden eingesetzt. In Deutschland leiden derzeit rund vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Bei etwa zwei Dritteln der Patienten, die ein Antidepressivum erhalten, ist die Wirkung nicht ausreichend gut. Die Lithiumzugabe ist hier eine gut etablierte Strategie, die aus Angst vor Nebenwirkungen häufig aber nicht eingesetzt wird.

"Bei optimaler Dosis kann Lithium Patienten mit Gemütserkrankungen sehr gut helfen. Außerdem ist es meist besser verträglich als angenommen", erklärt Studienleiter Dr. Mazda Adli von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte. "Ein Gentest könnte in Zukunft vorhersagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Lithium dem Patienten hilft. So können wir zukünftig eine maßgeschneiderte Therapie für jeden einzelnen Patienten entwickeln." Daher startet die Charité unter Federführung von Dr. Adli gerade eine Folgestudie in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn und dem US-amerikanischen National Institute of Mental Health, die die bisherigen Ergebnisse bestätigen und weitere genetische Faktoren identifizieren soll.

* Adli et al: Response to Lithium Augmentation in Depression is Associated with the Glycogen Synthase Kinase 3-Beta -50T/C Single Nucleotide Polymorphism.

Kontakt:
Dr. Mazda Adli
Leiter der Arbeitsgruppe Affektive Störungen
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie CCM
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Tel.: 030 - 450 517 146
mazda.adli@charite.de

Kerstin Endele | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

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