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Strategien zur besseren Behandlung von Depressionen bewähren sich

03.11.2006
Erste vielversprechende Ergebnisse für das Forschungsprojekt "PRoMPT" vermeldet das Institut für Allgemeinmedizin nach einem Jahr Laufzeit. Frankfurts Städtische Bühnen helfen bei der Aufklärungsarbeit

Nach WHO-Prognosen wird im Jahr 2020 die Depression nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Ursache für dauerhafte Beeinträchtigungen sein.*

In Deutschland leiden epidemiologischen Untersuchungen zufolge fünf bis sechs Millionen Bundesbürger pro Jahr an Depression, die Zahl der Betroffenen steigt. Nicht nur Klassiker der Literatur und Kunst wie Georg Büchners Novelle "Lenz" zeichnen früh ein genaues Bild der als "Melancholie" oder "Schwermut" bezeichneten Krankheit. Heute schenken immer mehr Medien der Depression Raum für ausführliche Berichterstattung. Dennoch werden die Krankheitszeichen der Depression bei vielen Betroffenen spät oder gar nicht erkannt; Schätzungen gehen von einer Dunkelziffer von bis zu 50 Prozent aus, trotz eines hierzulande umfangreichen medizinischen und psychologischen Versorgungsangebots. Gründe hierfür sind unter anderem die anhaltende Tabuisierung seelischer Leiden und die komplexe Symptomatik der Depression, die sich neben seelischen Störungen auch in rein körperlichen Symptomen äußern kann. Deshalb startete das Institut für Allgemeinmedizin am Frankfurter Universitätsklinikum im Mai 2005 das Forschungsprojekt PRoMPT (PRimary care Monitoring for depressive Patients' Trial), um neue Strategien zur besseren Behandlung von Depression zu erproben - mit ersten positiven Ergebnissen. Die Städtischen Bühnen Frankfurts unterstützen das Projekt durch Aufklärungsarbeit.

Case Management als Konzeptansatz: tragende Rolle für Hausärzte und Arzthelferinnen

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"Depression ist eine Krankheit und kein Schicksal. Sie kann also erfolgreich behandelt werden", erklärt Professor Dr. Ferdinand M. Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Frankfurter Universitätsklinikum. Mit PRoMPT, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, erprobt das Institut für Allgemeinmedizin in 76 hessischen Hausarztpraxen mit 609 Patienten, wie die Behandlung von Menschen mit Depressionen verbessert werden kann. Die Hausärztinnen und -ärzte sind für die meisten Patienten erste Anlaufstelle und Vertrauensperson in einem. Diese Schlüsselfunktion soll für die Betreuung depressiver Menschen wieder mehr in den Vordergrund rücken. Im PRoMPT-Projekt, das im Sommer 2007 beendet sein wird, setzen sich erstmals Hausärzte gemeinsam mit speziell trainierten Arzthelferinnen für eine gezielte Betreuung von Patienten mit Depression ein. Für ihre Aufgabe vom Institut für Allgemeinmedizin speziell ausgebildet, begleiten die Arzthelferinnen den Depressionspatienten für ein Jahr aktiv bei der medizinischen Betreuung nach einem vorgegebenen Schema und in enger Absprache mit dem Arzt. Als Instrument dient ihnen ein vorgezeichnetes Programm nach dem Prinzip des Case Management, dessen Ablauf sich in vier Stufen aufteilt: Die Arzthelferin nimmt regelmäßig telefonisch Kontakt mit dem Patienten auf und erfragt sein Befinden mit zwölf Fragen der Depressions-Monitoring-Liste (DeMOL). Anschließend bewertet sie den Befund mit Hilfe eines so genannten "Ampelschemas". Auf dessen Basis besprechen sie und der Arzt gemeinsam das weitere Vorgehen. "Die ersten, vorläufigen Ergebnisse der Studie sind vielversprechend. Die Patienten beschreiben eine deutliche, nachweisbare Verbesserung der Symptomatik", bestätigt Dr. Jochen Gensichen vom Institut für Allgemeinmedizin und Leiter des PRoMPT-Forschungsprojekts.

Effektives Case Management: situationsorientiert und kontinuierlich behandeln

Die verstärkte Konzentration der Erstversorgung von Depression auf die Hausarztpraxen erfolgte auch auf Empfehlung des Sachverständigenrats für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR). Dieser bestätigte 2004, dass in Deutschland nur "ein geringer Teil der Menschen mit psychischen Störungen eine moderne und adäquate Behandlung erhält".* Case Management ist ein situationsorientiertes und kontinuierliches Behandlungskonzept, das eine bewährte Strategie kontinuierlicher Begleitung effektiv auf den hausärztlichen Bereich überträgt. Hierzu gehört, dass die Arzthelferinnen als Case Managerinnen regelmäßig und systematisch die individuellen Patientenbedürfnisse erheben, der Arzt mit dem Patienten gemeinsam Therapieziele festlegt und die Behandlung interdisziplinär umsetzt. Die Behandlungsergebnisse werden kontinuierlich beobachtet, so dass der Hausarzt, je nach Fall gegebenenfalls in enger Kooperation mit Spezialisten (Psychiatern, Psychotherapeuten), rechtzeitig notwendige Maßnahmen veranlassen kann. Ein Vorteil dieses systematischen und langfristigen Vorgehens liegt in der frühzeitigen Erfassung depressionstypischer Symptome schon durch den Hausarzt. "Psychische Erkrankungen wie Depressionen können sich in Form körperlicher, sogar rheumaähnlicher Symptome wie Knie-, Hüftgelenks oder Rückenschmerzen bemerkbar machen - der Patient erkennt das nicht unbedingt", erklärt Dr. Gensichen. So kommt dem Hausarzt als erste Anlaufstelle und Vertrauensperson bei der Erkennung von Depressionen eine Schlüsselfunktion zu.

Das PRoMPT-Projekt richtet sich insgesamt gegen den Widerspruch aus vorhandenen umfangreichen Versorgungsangeboten und der Zahl unbehandelter Depressionen. "Wir wollen es Menschen mit Depression erleichtern, Hilfe in Anspruch zu nehmen; Betroffene und Angehörige sollten sich nicht schamvoll zurückziehen und Verschlimmerungen bis hin zum Suizid in Kauf nehmen", begründen Professor Gerlach und Bernd Fülle, Geschäftsführender Intendant der Städtischen Bühnen Frankfurt, die Kooperation. Sie unterstützen das Projekt, indem sie den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der beteiligten Hausarztpraxen, sie motivierend und ihnen danksagend für ihr Engagement, den Zugang zu Veranstaltungen der Städtischen Bühnen erleichtern und durch Einführungen und eine Besichtigung der Bühne bereichern.

* J. Gensichen, M. Beyer, N. Schwäbe, F. M. Gerlach, Hausärztliche Begleitung von Patienten mit Depression durch Case Management - Ein BMBF-Projekt, in: Z Allg Med 2004; 80: 1-5; doi: 10.1055/s-2004-832426

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach, MPH
Institut für Allgemeinmedizin
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/Main
Fon (0 69) 63 01 - 56 87
Fax (0 69) 63 01 - 64 28
E-Mail gerlach@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de
Internet www.allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de
www.prompt-projekt.de
Dipl.-Volksw. Bernd Fülle
Geschäftsführender Intenadant
Städtische Bühnen Frankfurt am Main GmbH
Fon (069) 212 - 48652
Fax (069) 212 - 30974
E-Mail bernd.fuelle@buehnen-frankfurt.de
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
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