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Selbstbestimmt essen, schneller gesunden?

22.09.2006
Oberarzt Dr. Niels Teich von der Universität Leipzig erforscht, ob sich die Therapie der milden Bauchspeicheldrüsenentzündung ändern sollte. Dafür ehrt ihn die Novartis-Stiftung mit einem Stipendium

Die akute Bauchspeicheldrüsen-Entzündung kann tödlich enden: Der Körper gerät unter Schock, der Kreislauf versagt. Dann besteht große Lebensgefahr. Allerdings unterscheiden Mediziner zwischen dieser bedrohlichen, aber seltenen schweren Form der "Pankreatitis" und der wesentlich häufigeren leichten Form. Ob in der Therapie der milden Form die rasche Umstellung von künstlicher auf "normale" Ernährung Komplikationen vermeiden kann, will Dr. Niels Teich vom Universitätsklinikum Leipzig klären. Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung unterstützt den Internisten jetzt mit einem Graduierten-Stipendium.

Egal ob leichte und schwere Variante: Pankreatitis-Patienten leiden unter heftigen Schmerzen im Oberbauch, die oft in Schulter oder Rücken ausstrahlen. Ihnen ist übel, sie erbrechen, sie entwickeln einen Darmstillstand und verlieren große Mengen Flüssigkeit in den Bauchraum. Eine Ultraschall-Untersuchung und die Bestimmung eines bestimmten Enzymwerts führen meist zur Diagnose. Dann gab es bis vor kurzem nur eines: Nulldiät und Stopp jeglicher Verdauung, um das entzündete Organ zu schonen. Das bedeutete: künstliche Ernährung über das Blut.

"Früher haben wir oft zwei bis drei Wochen lang künstlich ernährt", erklärt der Stiftungsstipendiat. Dann aber deuteten klinische Versuche mit schwerkranken Patienten an, dass sich umso weniger Komplikationen entwickelten, je rascher sie auf die so genannte enterale Ernährung über eine Darm-Sonde umgestellt wurden. Denn "die Darmschleimhaut ernährt sich von innen", sagt Teich. Ohne direkte Nahrungszufuhr verdünnt sie sich binnen weniger Tage. Das kann zusätzliche Probleme heraufbeschwören. Denn über die immer dünnere Schleimhaut können Bakterien in das Blut und die ohnehin angeschlagene Bauchspeicheldrüse einwandern und das dortige Gewebe weiter zerstören.

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Bei einer eindeutig schweren Pankreatitis haben mehrere Patienten-Studien die Resultate bestätigt. "Hier stellen wir so schnell wie möglich, meist schon nach ein bis zwei Tagen von künstlicher auf enterale Ernährung um", erklärt Teich. Dadurch sinkt die Zahl der Infektionen und der erforderlichen Operationen. Zudem können die Patienten rascher nach Hause entlassen werden.

Nicht entschieden hingegen ist die Lage für die sehr häufige milde Form der Bauchspeicheldrüsen-Entzündung. Die Frage: Verhindert die rasche Umstellung auch in diesen Fällen Schmerzen und Komplikationen? Und verkürzt sie den Klinikaufenthalt? Klarheit soll eine neue Studien mit 250 Patienten bringen, an der bislang acht deutsche Zentren beteiligt sind - unter anderem auch die Medizinische Klinik und Poliklinik II der Leipziger Universität. Bei einer Gruppe der Patienten beginnt erst dann normale Kostaufbau, wenn sich die Bauchspeicheldrüsen-Werte weitgehend normalisiert haben. In der anderen Studiengruppe entscheiden die Patienten selbst, wann sie wieder feste Nahrung zu sich nehmen wollen. Erste Ergebnisse erwartet Niels Teich in 2007. Dann könnte feststehen, ob "schneller und selbstbestimmt essen" auch "schneller und reibungsloser genesen" bedeutet.

Über die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung

Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung in Nürnberg gehört zu den ältesten und größten Unternehmensstiftungen im medizinischen Bereich in Deutschland. Die Stiftung verfügt über ein Stammkapital von 12 Millionen Euro. Die Förderaktivitäten werden aus den Zinserträgen dieses Kapitals bestritten und belaufen sich gegenwärtig auf jährlich etwa 650.000 Euro. Der Hauptteil der Fördermittel fließt in die Unterstützung von Forschungsprojekten, des weiteren finanziert die Stiftung Graduiertenstipendien an zehn deutschen Universitäten zur Förderung besonders qualifizierter junger Wissenschaftler. In zweijährigem Turnus veranstaltet die Stiftung interdisziplinäre Symposien zu Themen aus der medizinischen Grundlagenforschung.

Mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln will - und kann - die Stiftung staatliche Förderung nicht ersetzen, vielmehr will sie sie dort ergänzen, wo es notwendig, sinnvoll und möglich erscheint. Sie ist deshalb bestrebt, ihre bereits über 35 Jahre währende gute Zusammenarbeit mit den Forschungseinrichtungen in Deutschland auch zukünftig erfolgreich fortzuführen.

Über Novartis

Die Novartis AG (NYSE: NVS) ist ein weltweit führendes Unternehmen, das Medikamente zum Schutz der Gesundheit, zur Behandlung von Krankheiten und zur Verbesserung des Wohlbefindens anbietet. Es ist unser Ziel, innovative Produkte zu entdecken, zu entwickeln und erfolgreich zu vermarkten, um Krankheiten zu behandeln, Leiden zu lindern und die Lebensqualität kranker Menschen zu verbessern. Novartis ist das einzige Unternehmen, das sowohl bei patentgeschützten Medikamenten als auch bei Generika eine Führungsposition einnimmt. Wir stärken gezielt unser Medikamentenportfolio, das auf strategische Wachstumsbereiche für innovative Arzneimittel, qualitativ hochwertige und kostengünstige Generika, Humanimpfstoffe und führende rezeptfreie Medikamente zur Selbstmedikation ausgerichtet ist. Im Jahr 2005 erzielte der Konzern einen Nettoumsatz von USD 32,2 Milliarden und einen Reingewinn von USD 6,1 Milliarden. Der Konzern investierte rund USD 4,8 Milliarden in Forschung und Entwicklung. Novartis hat ihren Sitz in Basel (Schweiz). Die Novartis Konzerngesellschaften beschäftigen rund 96 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 140 Ländern.

Herlinde Schneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.novartis.com

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