Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wozu zehn Maßbänder gut sind

08.05.2006


Sportwissenschaftler der TU Chemnitz entwickeln einen neuartigen Koordinationstest für Kinder

Wie testet man hinreichend genau die Koordinationsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen? "Für den Koordinationstest für Kinder, der am Institut für Sportwissenschaft der TU Chemnitz entwickelt wird und dessen Ergebnisse auch der wissenschaftlichen Überprüfung standhalten, benötigen wir beispielsweise eine Sprossenwand, fünf Turnmatten, eine Rolle Klebeband, sechs Klopapierrollen, 18 Karteikarten und zehn Maßbänder", berichtet Beate Prätorius, die an der TU Chemnitz promoviert. Die Stipendiatin der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung beschäftigt sich bereits seit 2001 forschungsseitig mit den koordinativen Fähigkeiten von Kindern. So fand sie heraus, dass vor allem Jungen und Mädchen aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten zunehmend Bewegungsdefizite aufweisen. Beim Test von über 2.000 Kindern im Alter zwischen fünf und dreizehn Jahren stellte Prätorius jedoch auch fest, dass der in Deutschland weit verbreitete herkömmliche Körperkoordinationstest für Kinder "KTK" nur eingeschränkt zur Analyse der koordinativen Fähigkeiten geeignet ist. "Dieser Test beansprucht einen zu hohen Anteil an Ausdauer- und Kraftfähigkeit. Das ist aus unserer Sicht für einen Koordinationstest unbefriedigend. Ein übergewichtiges Kind, das nicht über ein Hindernis springen kann, versagt aus Kraftgründen. Diese Defitite können durch die Koordination nicht kompensiert werden", erläutert die Promovendin ihre Kritik am bisherigen Standardtest.

So entwickelt sie jetzt einen neuen Test, der die koordinativen Fähigkeiten weitestgehend unabhängig von Kraft und Kondition prüft. "So sollen beispielsweise Grundschullehrer künftig mit einfachen Mitteln die koordinative Leistungsfähigkeit ihrer Schüler einschätzen können, um daraus gegebenenfalls Fördermaßnahmen abzuleiten", umschreibt Prätorius das Ziel ihres Ansatzes. Die für den Test benötigten Mittel sind entweder standardmäßig in jeder Turnhalle vorhanden oder können mit geringen finanziellen Aufwand beschafft werden.

Die Chemnitzer Bewegungswissenschaftlerin beschreibt wie beispielsweise die Reaktionsfähigkeit getestet wird: "Ein Kind steht mit dem Rücken zu zwei an einer Sprossenwand aufgestellten Langbänken. Auf ein Zeichen hin dreht es sich so schnell wie möglich um und versucht, einen zwischen den Bänken herunterrollenden Ball zu stoppen. Die erzielten Ergebnisse werden von uns aufgenommen. Dann prüfen wir mit naturwissenschaftlichen, speziell biomechanischen Messmethoden, ob diese Übung die angesprochenen koordinativen Fähigkeiten auch real nachbildet." Für jede Übung werden im Anschluss Punkte vergeben, anhand derer man die Fähigkeiten des Kindes klassifizieren kann. Derzeit wird der Test am Institut für Sportwissenschaften der TU Chemnitz validiert.

Die Promotionsstipendiatin plant aber auch schon weiter. "Sobald der Koordinationstest hundertprozentig steht, soll ein Ausdauer- und Krafttest ergänzt werden", berichtet Prätorius. Gemeinsam mit Forschern der Professur Sportpädagogik/-didaktik werden darauf aufbauend Handreichungen entwickelt, die einfache Anleitungen geben, wie man den festgestellten Schwächen eines Kindes entgegenwirken kann. Denn die Konsequenzen koordinativer Probleme können nicht nur auf medizinischer Ebene weitreichend sein. "Den Körper und seine Reaktionen aufgrund mangelnder Bewegungserfahrungen und mangelnder koordinativer Fähigkeiten nicht genau einschätzen zu können, führt in vielen Fällen bei Kindern zu Unsicherheit und fehlendem Selbstbewusstsein. Dies wiederum kann zu sozialem Rückzug und im schlimmsten Fall zu psychosozialen Störungen beitragen", skizziert Prätorius.

Weitere Informationen erteilt Beate Prätorius, Telefon (03 71) 5 31 - 29 45, E-Mail beate.praetorius@phil.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Berichte zu: Koordinationstest

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics