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Forschungszentrum für Hochpräzisionsbestrahlung und intraoperative Navigationstechniken eröffnet

29.09.2005


Das mit den neusten Geräten ausgestattete "Forschungszentrum für Hochpräzisionsbestrahlung und intraoperative Navigationstechniken" am Tübinger Uniklinikum dient der Weiterentwicklung und dem Einsatz neuer Generationen von strahlentherapeutischen Geräten, der Erprobung neuer Navigationsmethoden zur strahlentherapeutischen Behandlung und der Anwendung der intraoperativen Bestrahlung. Neue Techniken in der Strahlentherapie werden dort einerseits weiter erforscht und andererseits einem größeren Patientenkreis als bisher angeboten werden. Einer der dort neu installierten Linearbeschleuniger für die intensitätsmodulierte Strahlenbehandlung (IMRT) verfügt über einen integrierten Computertomografen, es gibt einen unter OP-Bedingungen betreibbaren Raum mit Linearbeschleuniger für die intraoperative Radiotherapie (IORT) und einen Navigations- und Forschungs-Operationsraum mit integriertem Kernspintomografen (MRT, geplante Inbetriebnahme 2006).



Am Mittwoch, den 28. September 2005 wurde am Tübinger Universitätsklinikum der Neubau des Forschungszentrums für Hochpräzisionsbestrahlung und Intraoperative Navigationstechniken (FHN) offiziell eröffnet. Das Zentrum für Hochpräzisions- und intraoperative Bestrahlung mit der räumlichen Zusammenfassung von IMRT*, IORT* und spezieller Bestrahlungsplanungs-Computertomografie(CT) und der daran angegliederten speziellen Forschungsabteilung ist nahezu einmalig im europäischen Raum (das nächste annähernd vergleichbare Zentrum befindet sich in Amsterdam). Die Tübinger Radioonkologie mit ihrer universitären Forschung gehört damit zu den führenden Einrichtungen für Krebsbehandlung weit über Deutschlands Grenzen hinaus.



"Mit dem neuen Forschungszentrum für Hochpräzisionsbestrahlung und intraoperative Navigationstechniken des Tübinger Universitätsklinikums können neue Techniken in der Strahlentherapie einerseits weiter erforscht und andererseits einem größeren Patientenkreis als bisher angeboten werden" so Prof. Michael Bamberg, leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Tübingen.

Das gilt vor allem für die intensitätsmodulierte Radiotherapie IMRT, die eine präzisere Bestrahlung von Tumoren mit weniger Nebenwirkungen auf das gesunde Gewebe ermöglicht. Endgültige Ergebnisse werden hier u. a. von den Langzeitbeobachtungen erwartet. In Tübingen wurden seit der Einführung der IMRT-Technik in den letzten 2,5 Jahren rund 200 Patienten bestrahlt, mit steigender Tendenz. Die ausgewählten Fälle, vor allem Patienten, die mit der normalen Methode nicht oder nur schwierig bestrahlt werden konnten, verteilten sich dabei auf unterschiedliche Tumorarten. Zum Vergleich: einer normalen Strahlenbehandlung wurden 2005 an der Radioonkologischen Uniklinik rund 2000 Patienten unterzogen.

Ein neuer Schwerpunkt wird ab 2006 die intraoperative Bestrahlung sein, bei der das betroffene Organ während der Operation bestrahlt werden kann, womit einige Tumorarten wirksamer vernichtet werden können.

Baudaten und Raumplanung

Für das Zentrum wurde ein ansprechendes Gebäude mit begrünten Dachflächen und einem grünen Innenhof in unmittelbarer Nachbarschaft der CRONA-Kliniken des Universitätsklinikums Tübingen auf dem Schnarrenberg errichtet, ebenengleich und über einen Verbindungsgang an den Zentral-OP angebunden. Dabei wurde Wert darauf gelegt, das Haus mit viel Tageslicht und hellen und freundlichen Innenräumen zu gestalten.

Kern der Anlage sind zwei Bestrahlungsräume und ein (derzeit noch im Endausbau befindlicher) Forschungs- und Navigations-OP. Dazu kommen Untersuchungs- und Arztdiensträume und Diensträume für Forschungsgruppen:

o Raum mit einem Linearbeschleuniger für die intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) mit integrierten Computertomograf (CT)
o Raum mit Computertomograf (CT) für die Bestrahlungsplanung
o Raum mit Linearbeschleuniger für die intraoperative Radiotherapie (IORT)
o Navigations- und Forschungs-Operationsraum mit integriertem Kernspintomografen (MRT), geplante Inbetriebnahme 2006.

Der Forschungs-OP wird künftig direkt an den Zentral-OP-Bereich anschließen und zusammen mit dem Raum für intraoperative Bestrahlung unter OP-Bedingungen arbeiten.

Mit dem ’’Forschungszentrum für Hochpräzisionsbestrahlung und intraoperative Navigationstechniken’’ stehen dem Universitätsklinikum damit hoch qualifizierte Räume für die Forschung und Patientenbehandlung zur Verfügung.
Die Baukosten für das neue Forschungszentrum betrugen 7,3 Mio €, die Einrichtungskosten 4,7 Mio € (ohne Forschungs-OP).
Insgesamt werden 808 qm Nutzfläche angeboten.
Das Klinikum hat den Landesanteil aus den Baukosten übernommen.
Die Bauzeit (November 2003 bis Juni 2005) betrug rund 20 Monate.

Strahlentherapie
60 Prozent der krebskranken Patienten erhalten heute eine Strahlentherapie

Aufgrund der aktuellen Entwicklung in der heutigen Medizin gewinnt der Einsatz strahlentherapeutischer Behandlungsmethoden in der Krebstherapie immer mehr an Gewicht. Schon heute stehen die Krebserkrankungen nach den Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems an zweiter Stelle der Häufigkeitsstatistik. Aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland ist von einer weiteren Zunahme von bösartigen Tumoren auszugehen.

Nach den operativen Verfahren stellt die Strahlentherapie die wirksamste Behandlungsform dar. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 350.000 Menschen an Krebs, von denen in ihrem Krankheitsverlauf 60 Prozent einer Strahlenbehandlung zugeführt werden. Heute können ca. 45 Prozent aller Krebspatienten geheilt werden, bei denen die Strahlentherapie mit über 50 Prozent beteiligt ist.

Durch Verbesserungen in der Bestrahlungsplanung und in der Durchführung der Strahlentherapie können die Nebenwirkungen entscheidend gesenkt und die Lebensqualität der Tumorpatienten deutlich verbessert werden. Neue Therapieverfahren und moderne bild- und datenverarbeitende Technologien werden zu einer noch effizienteren und gleichzeitig nebenwirkungsarmen Krebstherapie führen.

Einsatzmöglichkeiten modernster Bestrahlungstechniken

o * intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT)

Die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) ermöglicht eine optimale Dosisverteilung im Tumor, so dass das umgebende Gewebe noch besser geschont werden kann. Dabei wird das Bestrahlungsfeld in viele kleine Teilbereiche zerlegt, welche Punkt für Punkt mit unterschiedlicher Intensität bestrahlt werden. Auf diese Weise kann die Strahlendosis im Tumorgewebe entsprechend seiner Kontur konzentriert und strahlensensibles gesundes Gewebe millimetergenau "abgedunkelt" werden. Der Computer berechnet mit Hilfe einer speziellen Software die bestmögliche Dosisverteilung der Strahlen im Tumor. Das bedeutet, dass man zum einen bei bestimmten Fällen die Strahlendosis im Tumor erhöhen kann, zum anderen kann man damit selbst bei ungünstig gelegenen Tumoren in Bereiche vordringen, die vorher undenkbar waren. Neue, in Tübingen entwickelte Berechnungsarten beziehen dabei Gewebestruktur und Lageveränderungen der Organe (z.B. Lungenbewegungen beim Atmen) in die Behandlung mit ein.
Speziell Tumoren der Kopf-Halsregion (rückenmarksnahe Lokalisationen), Tumoren der Prostata (bei Nähe zum Enddarm) und Tumoren der Schädelbasis mit Nähe zu den Sehnerven sind die vorrangigen Indikationen für die IMRT. Radioonkologen arbeiten dazu am Tübinger Uniklinikum eng mit den Spezialisten für Radiologische Diagnostik, Neuroradiologie und Nuklearmedizin zusammen.

o systemische Strahlentherapie (SRT)

Die Systemische Strahlentherapie (SRT) wird bei verschiedenen Krebserkrankungen wie Leukämie, Plasmozytomen, aber auch chronischen Erkrankungen eingesetzt. Es handelt sich dabei um Ganzkörper- oder Teilkörperbestrahlungen, die bei Behandlungen der Hämato-Onkologie, der Pädiatrischen Onkologie, der Kinderneurologie und der Dermatologie zum Einsatz kommen.

o * intraoperative Strahlentherapie (IORT)

Bei der intraoperativen Strahlentherapie werden Bestrahlungen mit einem Linearbeschleuniger an operativ geöffneten Patienten durchgeführt. Die IORT ist eine neue Option in Tübingen, in der großer Forschungs- und Behandlungsbedarf, vor allem in den Bereichen der Allgemeinen Chirurgie, der Gynäkologie, der Urologie, der Orthopädie und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie besteht.

Möglichkeiten und Funktion des Forschungs-OP

Chirurgisch besteht für die intraoperative Bestrahlung ein großer Forschungs- und Behandlungsbedarf, vor allem in den Bereichen der Allgemeinen Chirurgie, der Gynäkologie, der Urologie, der Orthopädie und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Die neue Einrichtung ermöglicht es, Bestrahlungen mit einem Linearbeschleuniger an operativ geöffneten Patienten durchzuführen.

Der operative Eingriff kann einerseits in den normalen Operationsräumen im Uniklinikum stattfinden. Für den Transport der Patienten zum Linearbeschleuniger gibt es einen direkten Verbindungsgang zwischen der Operationsabteilung der CRONA-Kliniken und dem Forschungszentrum. Alternativ wird im Forschungszentrum der neue Forschungs-Operationsraum angeboten, in dem Operationen für die intraoperative Bestrahlung durchgeführt werden können, insbesondere, wenn Transporte über längere Wege nicht möglich sind.

Der Operationsraum ist noch im Endausbau, er wird 2006 in Betrieb gehen.

Der Forschungs-OPs wird auch bei der Entwicklung und Erprobung neuer Techniken der Navigation eingesetzt werden, ebenso wie zur Erforschung von neuen operativen Methoden, Geräten und Ausrüstungen.

Dazu soll er u.a. mit einem Magnetresonanz-Tomografen (MRT) zum Einsatz während der Operation ausgestattet werden.

Der Einsatz der Magnetresonanz-Tomografie (MRT) im OP - eine derzeit noch in der Entwicklung befindliche Methode - soll in diesem OP für die Anforderungen unterschiedlicher chirurgischer Fachbereiche weiterentwickelt und eingesetzt werden. Der MRT ermöglicht dem Operateur z.B. bei Tumoroperationen eine exaktere Kontrolle der Abgrenzung zwischen Tumor und gesundem Gewebe, ohne dass der Patient wie bisher in externe Untersuchungsräume transportiert werden muss.

(Zur Eröffnung des Forschungs-Operationsraums für intraoperative Bestrahlung wird das Uniklinikum 2006 einen separaten Pressetermin anbieten.)

Ansprechpartner für weitere Informationen

Medizinische Anwendung und Forschung
Universitätsklinikum Tübingen
Radioonkologische Klinik
Dr. Claus Belka
Hoppe-Seyler-Str.3, Tübingen
Tel: 0 70 71/29-8 48 61
eMail: claus.belka@uni-tuebingen.de

Bau & Architektur
Thomas Strittmatter
Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen
Schnarrenbergstraße 1, 72076 Tübingen
Tel: 0 70 71/29-7 90 05, Fax: 29-29 11 oder 29-7 91 99
eMail: Thomas.Strittmatter@vbatue.fv.bwl.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

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