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Neue 3D-Hightech-Navigation ermöglicht schonende Entfernung von Gehirntumoren und präzise Implantation von Wirbelsäulenschrauben

08.06.2005


Erster Patient aus Rostock wurde erfolgreich operiert



Ein Operationsteam der Neurochirurgischen Klinik an der Universität Greifswald hat diese Woche zum ersten Mal zur Behandlung eines Patienten aus Rostock das neue 3D-Hightech-Navigationssystem VectorVision der Firma BrainLAB eingesetzt. Einem 39-jährigen Rostocker wurde erfolgreich endoskopisch eine Zyste im Gehirn entfernt. Die 500.000 Euro teure dreidimensionale operative Computersteuerung ermöglicht einen schonenden und äußerst präzisen Eingriff in sensiblen Gehirnregionen. Das medizinische Großgerät wurde im Rahmen der Ersteinrichtung der 1. Baustufe des Klinikneubaus je zur Hälfte von Bund und Land finanziert. Die Klinik, die als eine der wenigen Neurochirurgischen Zentren auch auf Kopfoperationen am Wachpatienten spezialisiert ist, konnte mit der modernen Navigationstechnologie der neuesten Generation ihren hoch spezialisierten technischen Ausstattungsstandard nochmals erheblich verbessern.



Jeden Tag wird in Deutschland bei mehr als 20 Patienten ein Gehirntumor festgestellt. Für die Betroffenen ist diese Diagnose ein schwerer persönlicher Einschnitt. Noch immer ist die operative Entfernung die häufigste Behandlungsweise für Gehirntumore. Eine Gehirnoperation bedeutet für den Patienten ein nicht unerhebliches Risiko, da wichtige Strukturen verletzt werden und Folgeschäden eintreten können. Durch die Entwicklung bildgestützter Navigationssysteme können Chirurgen heute Tumore durch eine vergleichsweise kleine Öffnung im Schädel exakt erreichen, oft vollständig entfernen und dabei funktionell wichtige Gehirnregionen umgehen. Dadurch wird das Risiko neurologischer Ausfälle, wie beispielsweise Lähmungen, Gefühls- oder Gedächtnisstörungen für den Patienten erheblich gesenkt. Da der Eingriff außerdem so minimal wie möglich gehalten werden kann, verkürzt sich die Genesungszeit der Patienten im Vergleich zur herkömmlichen Operation ohne Navigationstechnologie. In den meisten Fällen kann der Patient die Klinik nach einigen Tagen verlassen und sein gewohntes Leben wieder aufnehmen.

"Mit dem neuen Navigationssystem können wir Patienten mit Gehirntumoren mit größerer Präzision als bisher behandeln und die mit dem Eingriff verbundenen Komplikationsrisiken wesentlich reduzieren", erläuterte der Leiter der Neurochirurgie, Prof. Henry Schroeder. Das bildgestützte Navigationssystem von BrainLAB stelle auf dem Gebiet der computergestützten Chirurgie den neuesten Stand der Technik dar. "Mit seiner Hilfe lassen sich beliebige Punkte im Gehirn wie Tumore oder Zysten millimetergenau lokalisieren und dreidimensional darstellen, um sie im Anschluss durch minimal-invasive Eingriffe chirurgisch zu entfernen."

Vor dem Eingriff werden mit Computer- oder Kernspintomografie aktuelle Aufnahmen von Kopf und Gehirn des Patienten gemacht. Mit Hilfe dieser Bilddaten entsteht eine dreidimensionale "Landkarte" des Gehirns. Die 3D-Bilder erlauben eine detaillierte Planung und Opti¬mierung des neurochirurgischen Eingriffs. Am Computer kann der Chirurg vor dem Eingriff den optimalen Zugang zum Tumor festlegen und dabei kritische Strukturen wie Sehnerv oder Hirnstamm umgehen. Insbesondere bei kleinen Tumoren in der weißen Hirnsubstanz, in der es keine anatomischen Landmarken gibt, ist die navigatorische Zugangsplanung unerläßlich, um die Tumore punktgenau zu erreichen. Da Tumorgrenzen mit bloßem Auge häufig nicht gut erkannt werden können, ist es für den Spezialisten äußerst hilfreich, dass er während der Operation am Bildschirm die Führung seiner Operations¬instrumente direkt verfolgen kann. Um dies zu ermöglichen, gleicht das System VectorVision die vorhandene 3D-Darstellung des Gehirns laufend über Infrarot-Kameras mit der Patientenanatomie ab, überwacht die Lage des Patienten relativ zur Position der Instrumente und aktualisiert die Bilder in Echtzeit. Der Operateur sieht dadurch genau, wo er sich im Gehirn befindet und kann so den Tumor möglichst schonend entfernen.

Das Navigationssystem soll interdisziplinär in der Schädelbasischirurgie, die in enger Kooperation zwischen Neurochirurgie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie durchgeführt wird, sowie der Wirbelsäulenchirurgie, die in Zusammenarbeit zwischen Neurochirurgie und Unfallchirurgie erfolgt, genutzt werden.

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-greifswald.de
http://www.brainlab.com

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