Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Körper heilt Demenz selbst

16.09.2004


Experimenteller Versuch mit Proteinen der körpereigenen Infektionsabwehr



Wissenschaftler haben sich die körpereigene Abwehr gegen Infektionen für eine neuartige Demenzbehandlung zu Nutze gemacht. Ein Forschungsteam von der Friedrich-Wilhelms Universität in Bonn hat Proteine beziehungsweise Antikörper verwendet, die von Menschen normalerweise gegen Infektionen produziert werden. Fünf Alzheimer-Patienten, die mit dem experimentellen Impfstoff behandelt wurden, zeigten in Tests signifikante Verbesserungen. Die Wissenschaftler bezeichneten die Ergebnisse als vielversprechend, obwohl noch weitere Untersuchungen notwendig seien.



Menschen mit Alzheimer haben so genannte Amyloid-Ablagerungen im Gehirn, die aus einem Protein namens Beta-Peptid bestehen. Diese Ablagerungen verschlechtern sich zunehmends und schädigen das Gehirngewebe, was zur Demenz führt. Die Wissenschaftler suchten nach Methoden, um die Aktivität des Beta-Peptids zu hemmen und den Aufbau von Amyloid-Ablagerungen durch die Verabreichung eines Impfstoffs zu verhindern. Richard Dodel und seine Kollegen glauben nun, dass sie einen erfolgreichen Ansatz für diesen Prozess entwickelt haben, wobei sie sich das körpereigene Abwehrsystem des Menschen zu Nutze machen.

Wenn der Körper einer Krankheit oder Infektion ausgesetzt ist, produziert er ein komplexes Molekül-Protein, Antikörper genannt. Die Forscher isolierten die Antikörper gegen das Beta-Peptid und injizierten sie für ein halbes Jahr monatlich Patienten im frühen Alzheimer-Stadium. Um die Effekte der experimentellen Behandlung zu beobachten, maßen die Wissenschaftler die Levels von Beta-Peptid in der Zerebrospinalflüssigkeit zu Beginn und am Ende der Studie. Außerdem testeten sie die Gehirnfunktion der Patienten hinsichtlich des Gedächtnisses, das ja von der Demenz nachhaltig beeinträchtigt wird. Nach Ablauf der sechs Monate waren die Niveaus vom Beta-Peptid in der Zerebrospinalflüssigkeit um 30 Prozent gefallen, während sie im Blut um 233 Prozent in die Höhe schnellten, woraus die Forscher schlossen, dass die Behandlung ihre Wirkung zeigte.

Obwohl sich die kognitive Funktion des Gehirns bei vier Patienten nur leicht verbesserte, wurde der Zustand nicht schlechter, wie man normalerweise nach sechs Monaten erwarten könnte. Auch bei mentalen Aufgaben erzielten drei Patienten bessere Ergebnisse, die zwei anderen blieben konstant. Die Forscher sagten, obwohl man aus einer Studie mit nur fünf Patienten keine definitiven Schlüssen ziehen kann, würden ihre Erkenntnisse weitere detaillierte Untersuchungen auf diesem Gebiet rechtfertigen. Keiner der fünf Patienten zeigte beeinträchtigende Nebenwirkungen.

Marietta Gross | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Antikörper Beta-Peptid Demenz Infektion Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Heilende Wirkung von Radon
14.01.2019 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Braunalgenextrakt als neuer therapeutischer Ansatz bei Lungenhochdruck
14.01.2019 | Deutsches Zentrum für Lungenforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ten-year anniversary of the Neumayer Station III

The scientific and political community alike stress the importance of German Antarctic research

Joint Press Release from the BMBF and AWI

The Antarctic is a frigid continent south of the Antarctic Circle, where researchers are the only inhabitants. Despite the hostile conditions, here the Alfred...

Im Focus: Ultra ultrasound to transform new tech

World first experiments on sensor that may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles

The new sensor - capable of detecting vibrations of living cells - may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles.

Im Focus: Fliegende optische Katzen für die Quantenkommunikation

Gleichzeitig tot und lebendig? Max-Planck-Forscher realisieren im Labor Erwin Schrödingers paradoxes Gedankenexperiment mithilfe eines verschränkten Atom-Licht-Zustands.

Bereits 1935 formulierte Erwin Schrödinger die paradoxen Eigenschaften der Quantenphysik in einem Gedankenexperiment über eine Katze, die gleichzeitig tot und...

Im Focus: Flying Optical Cats for Quantum Communication

Dead and alive at the same time? Researchers at the Max Planck Institute of Quantum Optics have implemented Erwin Schrödinger’s paradoxical gedanken experiment employing an entangled atom-light state.

In 1935 Erwin Schrödinger formulated a thought experiment designed to capture the paradoxical nature of quantum physics. The crucial element of this gedanken...

Im Focus: Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken den biologisch abbaubaren Rohstoff nun mit zusätzlichen Fähigkeiten, um Implantate für Knorpelerkrankungen mittels 3-D-Druck fertigen zu können.

Alles beginnt mit einem Ohr. Empa-Forscher Michael Hausmann entfernt das Objekt in Form eines menschlichen Ohrs aus dem 3-D-Drucker und erklärt: «Nanocellulose...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Smarte Sensorik für Mobilität und Produktion 4.0 am 07. Februar 2019 in Oldenburg

18.01.2019 | Veranstaltungen

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungen

Erstmalig in Nürnberg: Tagung „HR-Trends 2019“

17.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zeitwirtschafts- und Einsatzplanungsprozesse effizient und transparent gestalten mit dem Workforce Management System der GFOS

18.01.2019 | Unternehmensmeldung

Der Schlaue Klaus erlaubt keine Fehler

18.01.2019 | Informationstechnologie

Neues Verfahren zur Grundwassersanierung: Mit Eisenoxid gegen hochgiftige Stoffe

18.01.2019 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics