Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Altersgerechte Psychotherapie für Jugendliche nach Gewalterfahrungen

18.09.2012
Sexueller Missbrauch und andere körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche sind Taten, die nicht nur äußerlich sichtbar verletzen, sondern häufig schwere psychische Erkrankungen nach sich ziehen. Insbesondere leiden die Opfer oft an einer sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die professionell behandelt werden muss.
Bei Erwachsenen hat sich bei einer PTBS die sogenannte traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie als besonders erfolgreich erwiesen. „Bei Jugendlichen mit PTBS nach Gewalterfahrungen hingegen wird diese Therapieform bislang wenig angewendet. In der Forschung gibt es außerdem für diese Altersgruppe bislang nur sehr wenige Studien, die sich mit dem Erfolg dieser Therapie befassen“, erklärt Prof. Dr. Rita Rosner, Inhaberin des Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU).

Unter ihrer Leitung wird ein Team aus Wissenschaftlern der Universitäten Hamburg, Frankfurt/Main, Bielefeld, Regensburg, der FU Berlin sowie dem Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in den nächsten drei Jahren an einer altergerechten Psychotherapie für junge Patienten im Alter von 14 bis 21 Jahren forschen. Der Projektverbund wird vom Bundesforschungsministerium mit 1,4 Millionen Euro gefördert, von denen rund eine Million auf die KU entfällt.

„Wir gehen davon aus, dass weder bestehende Behandlungsansätze für die Behandlung von Kindern mit Posttraumatischer Belastungsstörung noch Manuale für die Behandlung von Erwachsenen automatisch geeignet sind, um Jugendliche und junge Erwachsene adäquat zu behandeln“, erklärt Rosner. Ziel des Hauptprojektes ist es daher, die kognitive Verhaltenstherapie an die altersbedingte Entwicklung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen anzupassen und zu untersuchen, welchen Erfolg sie im Vergleich zur herkömmlichen Behandlung hat.

„Dabei gilt es, Besonderheiten dieses Lebensalters – wie zum Beispiel rapide und intensive Stimmungswechsel, die beginnende Ablösung von der Familie, das Finden eines Sexualpartners – bei der Behandlung zu berücksichtigen. In drei Zentren (Frankfurt, Berlin sowie an der noch im Aufbau befindlichen psychotherapeutischen Hochschulambulanz der KU in Ingolstadt) werden im Rahmen der Studie junge Patienten mit der entwicklungsangepassten, kognitiven Verhaltenstherapie sowie eine Vergleichgruppe herkömmlich behandelt werden.

Diese kognitive Verhaltenstherapie besteht aus drei Behandlungsphasen: Am Anfang steht ein Training, in welchem die Patienten lernen, wie sie traumarelevante starke negative Emotionen aushalten können, ohne mit Suizidgedanken, Selbstverletzungen oder Drogenkonsum zu reagieren. In der zweiten Phase erarbeiten die Patienten mit dem Therapeuten, auf welche Weise das Trauma ihr Leben beeinflusst hat und wie Kognitionen, Emotionen und Verhalten sich hierbei gegenseitig beeinflussen. Die dritte Phase beinhaltet ein Training zur Bewältigung von typischen Entwicklungsaufgaben (Erlangen eines Schulabschlusses, Abschluss einer Berufsausbildung, Ablösung von der Familie, Wahl eines Partners).

„Weiterhin gehen wir in der eigentlichen Phase der Traumabearbeitung sehr intensiv mit bis zu fünf Therapiestunden in der Woche vor. Ziel ist, dass die Behandlung nicht länger als vier Monate dauert, was den vielen Anforderungen für dieses Lebensalter – wie Schule und Ausbildung – Rechnung trägt“, erklärt Rosner.

Die weiteren Unterprojekte der beteiligten Partner befassen sich neben der konkreten Therapie u.a. mit der Fragestellung, welche finanziellen Effekte eine erfolgreiche Behandlung auf das Gesundheitssystem hat, bzw. mit Themen aus der neurologischen und epigenetischen Grundlagenforschung. So gibt es zwar bereits einige Erkenntnisse über neurobiologische Veränderungen bei Menschen mit Misshandlungserfahrungen, jedoch bieten bisherige Forschungsergebnisse keine Möglichkeit, zwischen Menschen zu unterscheiden, die psychisch krank wurden oder nicht. Da nur ein Teil der misshandelten Kinder eine Posttraumatische Belastungsstörung ausbildet, ist derzeit nicht klar, ob diese neurobiologischen Veränderungen eine Rolle dabei spielen, dass eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickelt wird und ob sich diese Veränderungen im Falle einer erfolgreichen Psychotherapie zurückbilden.

Hinweis an Medienvertreter: Für Fragen zu diesem Projekt können Sie sich wenden an Prof. Dr. Rita Rosner (Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, rita.rosner@ku.de).

Constantin Schulte Strathaus | idw
Weitere Informationen:
http://www.ku.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore
19.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics