Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Archive der Vergangenheit

13.05.2002


Ein transdisziplinäres Projekt zu Wissenstransfers zwischen Archäologie, Philosophie und Künsten

Wer heute den Begriff "Archäologie" hört, wird zunächst an die aktuellen Großausstellungen zum Thema denken, an das wieder erstarkte Troja und die ebenfalls wieder aufgekeimte Diskussion um die griechische Klassik im Berliner Martin-Gropius-Bau. Dass die Archäologie seit ihren Anfängen in andere Bereiche des Wissens ausstrahlt wie kaum eine zweite Disziplin, ist die These des Forschungsprojektes "Archive der Vergangenheit". Es untersucht die vielfältigen Transferbewegungen zwischen Archäologie, Philosophie und Künsten.

Von Kant bis Foucault reicht das Register derjenigen Philosophen, die auf archäologische Anleihen zurück gegriffen haben, um ihr Misstrauen gegenüber herkömmlichen Geschichtserzählungen zu artikulieren. Medien- und technikhistorische "archäologische" Forschungsprojekte schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Die Facharchäologien sind an diesem wissenschaftlichen "Boom des Archäologischen" kaum beteiligt. Selbstbewusst generieren sie nach wie vor aus nichtschriftlichen Daten Geschichtserzählungen. "Archäologie" als ein Schlüsselbegriff wird in verschiedenen Wissenschaftsbereichen widersprüchlich, wenn nicht konträr besetzt. Die Aktualität des Archäologischen außerhalb der Wissenschaften zeigt sich in öffentlichkeitswirksamen Ausstellungen sowie in Film- und Software-Produkten. Hier tritt Archäologie als Vermittlerin des unmittelbaren Erlebnisses übersichtlicher Zustände oder eindeutiger Abläufe auf.
Der Blick auf die unterschiedlichen Facetten des Archäologie-Booms weist darauf hin, dass Vergangenheit in wachsendem Maße an diejenigen Techniken und Institutionen angeschlossen wahrgenommen wird, die entsprechendes Wissen erzeugen, aufzeichnen und wieder verteilen. Neben die allgemeine Rückwendung zur Geschichte tritt vermehrt das Bewusstsein ihrer materiellen Niederlegung und Speicherung. Techniken und Medien, Speicher und Archive werden dabei selbst zu Produzenten kulturellen Wissens um die Vergangenheit. Wenn aber das Archiv das Archivierte mitbestimmt, dann muss jede Information und jedes Wissen aus diesem Archiv über diese Agentur mitinformieren.

Dieser Einsicht stellt sich das Forschungsprojekt "Archive der Vergangenheit" im Institut für Kultur- und Kunstwissenschaften, das am 1. März 2002 seine Arbeit aufnahm. Es wird über eine Laufzeit von drei Jahren durch die Volkswagen-Stiftung im Rahmen ihres Förderprogramms "Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften" mit 500.000 Euro gefördert. "Archive der Vergangenheit" arbeitet in zehn Teilprojekten, das Themenspektrum reicht von der "Philosophischen Archäologie" Kants von 1793 über den Einsatz der Fotografie in der Archäologie bis hin zur Rudolf Virchow, der die Hinterlassenschaft vergangener Zeiten bekanntlich in Abfallbehältern in der Dorotheenstraße sichtete. Um die Art und Weise archäologischer Wissensgewinnung und -vermittlung anschaulich zu machen, wird im Rahmen des Projektes - zum ersten Mal überhaupt - ein Befund mehrerer übereinander gelagerter Erdschichten in eine virtuelle Realität überführt.

Informationen: Dr. Stefan Altekamp, Tel. (030) 2093-2040, stefan.altekamp@culture.hu-berlin.de

Heike Zappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.archive-der-vergangenheit.de

Weitere Berichte zu: Archiv Archäologie Archäologisch Geschichtserzählung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt
25.05.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Nanopartikel aus Kläranlagen - vorläufige Entwarnung
02.05.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics