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Operationssaal der Zukunft: Mannheimer Forscher analysieren und optimieren Abläufe im OP-Management

22.01.2007
Interdisziplinäres Team aus Medizinern, Informatikern und Wirtschaftswissenschaftlern des Universitätsklinikums und der Universität Mannheim arbeitet in einem umfangreichen Forschungsprojekt an einer flexiblen und patiengerechten Auslastung von Operationssälen

Operationen in Krankenhäusern sind ebenso sensible wie hoch komplexe Abläufe und verlangen ein leistungsstarkes Management. In dem interdisziplinären Forschungsprojekt "Operationssaal 2010" des Landes Baden-Württemberg, haben das Universitätsklinikum Mannheim und die Universität Mannheim die Prozesse in deutschen OP-Sälen genauer unter die Lupe genommen.

Das Ziel: die Verbesserung der Aufbau- und Ablauforganisation in Krankenhäusern mit dem Schwerpunkt Operationsbereich. In den von ihnen durchgeführten Studien kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die zentralen Probleme im OP-Management durch die wesentlichen Verfahren und Methoden nicht gelöst werden können. Auf Basis dieser Ergebnisse haben sie ein Konzept erarbeitet, wie die Zuteilung von OP-Sälen flexibler und patientengerechter erfolgt und die Auslastung der Räumlichkeiten wie auch ihrer Ausstattung optimiert werden kann.

"Wir haben im Rahmen einer Erhebung zum OP-Management auf dem Deutschen Anästhesiekongress festgestellt, dass die wesentlichen Probleme im OP-Bereich durch die bestehenden Verfahren und Methoden des OP-Managements nicht erfasst werden", so die Projektleiter Prof. Dr. Dr. Hans-Joachim Bender (Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum Mannheim), Prof. Dr. Essameddin Badreddin (Lehrstuhl für Automation an der Universität Mannheim), Prof. Dr. Armin Heinzl (Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik I an der Universität Mannheim). "Positive Effekte sind zwar durch die eindeutigen Weisungsstrukturen im OP-Bereich erkennbar, jedoch konnten die dringendsten Probleme, die durch schwankende Behandlungsdauern, Notfälle, aufwändige Vor- und Nachbereitungen von Patienten sowie einer Überbuchung von OP-Plänen entstehen, durch ein OP-Management derzeit nur unzureichend behoben werden", so das Mannheimer Wissenschaftlerteam. "Dies hatte beispielsweise zur Folge, dass der am Vortag aufgestellte OP-Plan in der Regel nur in zwei Drittel aller Fälle eingehalten werden konnte und im Durchschnitt rund 15 Prozent der geplanten Operationen abgesagt werden mussten."

Diese Ergebnisse gaben Anlass zu einer genauen Erhebung, Beschreibung und Analyse der Abläufe im OP-Bereich des Universitätsklinikums Mannheim. In einer Feldstudie wurde der gesamte Operationsablauf über einen Zeitraum von mehreren Wochen aufgenommen und in Simulationsmodellen abgebildet. Diese Simulationsmodelle erlaubten es, Veränderungen der Abläufe, der Personalausstattung und der Raumaufteilung vorzunehmen und zu bewerten, ohne in den aktuellen OP-Ablauf eingreifen zu müssen. Das Klinikpersonal aus allen im OP tätigen Berufgruppen wurde regelmäßig eingebunden, um die Gültigkeit der Modelle sicherzustellen.

Im Rahmen dieser Simulationsexperimente wurden wichtige Steuerungspunkte identifiziert. "Diese erlauben dem OP-Management, auf unvorhergesehene Änderungen besser zu reagieren und so die identifizierten Schwachstellen des bisherigen OP-Managements zu reduzieren", erklären Bender, Badreddin und Heinzl. Definiert wurden außerdem Gestaltungsvarianten für standardisierte Operationssäle und Steuerungskonzepte, die eine starre Zuordnung von Operationssälen zu bestimmten Fachabteilungen im Krankenhaus aufbrechen. "Die Ausstattung und Zuteilung der Operationssäle soll sich damit stärker an den Anforderungen der Patienten ausrichten und abteilungsübergreifend erfolgen. Durch diese flexiblere, patientenorientierte Zuteilung der Operationssäle kann nicht nur die Auslastung des OP-Bereiches erheblich gesteigert, sondern auch auf unnötig mehrfach vorgehaltene, aber nicht verwendete OP-Ausstattung verzichtet werden", so das Forscherteam.

Um das OP-Management mit dem notwendigen informationstechnischen Rüstzeug für ein solches OP-Konzept auszustatten, werden in diesem Projekt bereits die Grundlagen für ein entsprechendes Informationssystem gelegt. Die Mannheimer Forschungsgruppe kann dabei auf umfangreiche Erfahrungen aus früheren erfolgreichen Projekten zur Planung und Steuerung von Krankenhausprozessen zurückgreifen.

Eine Publikationsliste zu dem Themenkomplex ist auf Anfrage erhältlich.

Ralf Bürkle | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de/

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