Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftliche Begleitung des BMBF-Programms "Lernende Regionen - Förderung von Netzwerken"

30.11.2001


Konsortium unter Federführung des DIE nimmt Forschungsarbeiten auf

Wie gelingt die dauerhafte Vernetzung von regionalen Akteuren im Bereich lebenslanges Ler-nen? Tragen regionale Netzwerke zum Abbau von Bildungsbenachteiligungen bei? Welche Wir-kungen haben Netzwerkaktivitäten auf dem regionalen Arbeitsmarkt? Dies sind Fragen, die die jetzt am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) startende Begleituntersuchung zum Programm "Lernende Regionen - Förderung von Netzwerken" des Bundesministeriums für Bil-dung und Forschung zu beantworten hat.

Die Entwicklung regionaler Netzwerke als Bausteine Lernender Regionen hat gegenwärtig Hochkonjunktur. Davon zeugen eine Vielzahl bildungspolitischer Empfehlungen ebenso wie Maßnahmen und Modellversuche auf verschiedenen Ebenen, ein großes Spektrum praktischer Initiativen und Projekte und nicht zuletzt die aktuelle wissenschaftliche Diskussion.

Der Ansatz "Lernende Region"

Eingebettet in allgemeine Überlegungen zur Entwicklung der Lerngesellschaft hat der Ansatz "Lernende Region" eine explizit regionalentwicklungspolitische Stoßrichtung: Im Unterschied zu traditioneller zentralstaatlicher Regionalpolitik zum Ausgleich wirtschaftlicher und sozialer Ungleichheiten setzt er auf Mobilisierung und Nutzung der Potenziale regionaler Akteure. Selbstorganisiert und selbstverantwortlich soll so Regionalentwicklung von unten nach oben auf den Weg gebracht werden. Netzwerke regionaler Akteure als wesentliche Impulsgeber und Elemente lernender Regionen bieten dabei - so die Grundannahme - die besten Voraussetzungen für innovative Problemlösungen.
Auch Bildungspolitik im Interesse der Förderung lebenslangen Lernens setzt verstärkt auf diese Strategien. Demnach sollen regionale Bildungsnetzwerke aus Anbietern, Nachfragern und Interessierten insbesondere die Nutzung vorhandener Ressourcen verbessern, die Bildungsbereitschaft und -nachfrage stärken, Lernmöglichkeiten nutzerorientiert ausbauen und weiter entwickeln.

Allerdings ist das Konzept Lernende Region in der Praxis bisher noch nicht in breitem Umfang realisiert worden. Auch gilt es, eine Reihe offener Fragen zu beantworten, z. B. nach den Adressaten und der angestrebten Verknüpfung zwischen Bildungs- und Beschäftigungsbereich. Hier setzt das BMBF-Programm "Lernende Regionen" an.

Das Programm

Seit Mitte 2001 fördert das BMBF in Abstimmung mit den Ländern den Aufbau bildungsbereichs- und trägerübergreifender Netzwerke auf regionaler Ebene. Mitglieder der Netzwerke sind u. a. Schulen, Hochschulen, öffentliche und private (Weiter-)Bildungseinrichtungen, selbstorganisierte Lernergruppen, Lehrer/innen und Ausbilder/innen, Betriebe, Kammern, Gewerkschaften, Arbeitsämter und andere Kommunalverwaltungen, sozio-kulturelle Einrichtungen. Vor Ort sollen die Netzwerke ein Forum für innovative Maßnahmen sein und so zur Entwicklung einer regionalen Lernkultur beitragen. Arbeitsschwerpunkte liegen z. B. in den Bereichen Verzahnung und Durchlässigkeit der Bildungsbereiche, Verknüpfung verschiedener Politikfelder, Informations-, Beratungs- und Vermittlungsservice, Zertifizierung, Qualitätssicherung, Fortbildung des Personals und Neue Medien.

Bei Erfüllung der Programm-Kriterien erstreckt sich die Förderung auf eine Phase zum Aufbau des Netzwerks und zur Planung gemeinsamer Projekte und auf bis zu zwei Phasen der Umsetzung dieser Projekte. In dieser Zeit erhalten die Netzwerke eine degressiv angelegte finanzielle Förderung. Zudem werden Supportleistungen vor allem in Form von Beratung, Fortbildung und Möglichkeiten des Erfahrungsaustauschs durch den Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) und das Adolf-Grimme-Institut angeboten.
Gegenwärtig sind bundesweit 54 Netzwerke in das Programm einbezogen, Anfang 2002 sollen ca. 25 weitere hinzukommen.

Die wissenschaftliche Begleitung

Das Forschungsprojekt, das das eben skizzierte Programm wissenschaftlich begleitet, hat die Aufgabe, relevantes Handlungswissen bereit zu stellen und so die Programmsteuerung und -planung zu unterstützen. Dazu sind die Wirkungen des Programms in den einbezogenen Regionen ebenso zu analysieren wie Erfolgsfaktoren und -hindernisse für die Etablierung auf Dauer angelegter regionaler Netzwerke.
Von besonderem Belang sind daher folgende Fragestellungen, die gleichsam das Spektrum der zu bearbeitenden Untersuchungsfelder markieren.
Mit Blick auf die Kooperationsstrukturen ist zu klären, inwieweit die Netzwerkbildung gelingt und zur Verbesserung der regionalen Bildungsinfrastruktur beiträgt. In welcher Hinsicht die regionalen Bildungslandschaften und einzelne Netzwerkpartner mit innovativen Angeboten an Profil und Flexibilität gewinnen, ist ebenso zu fragen. Versteht man regionale Netzwerke als wichtige Instrumente zum Abbau von Zugangsbarrieren zu Bildung, so ist zu klären, welche und insbesondere welche neuen Adressaten von den Netzwerkaktivitäten erreicht werden. Ein wichtiges, mit dem Konzept des lebenslangen Lernens verbundenen Ziel ist der Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit. Insofern ist verstärkt auch den Beschäftigungswirkungen der regionalen Netzwerke nachzugehen. Und schließlich stellt sich die Frage, welche Transferpotenziale die Netzwerke entwickeln und welche Transferfunktionen sie innerhalb und außerhalb ihrer Regionen wahrnehmen - sind sie doch als wichtige "Agenten des Lernens" zu betrachten. Insgesamt gesehen geht es bei all diesen Komplexen insbesondere darum, den Einfluss der verschiedenen Programmelemente für die jeweils zu untersuchenden Entwicklungsprozesse herauszuarbeiten.
Methodisch stützt sich die Untersuchung auf verschiedene Module und Verfahren. Vorgesehen sind u. a. die Erfassung und Typologisierung aller beteiligten Netzwerke. Mit Hilfe von Befragungen der Kooperationspartner in den Netzwerken sollen Kooperationsstrukturen und aus Netzwerkaktivitäten hervorgegangene Projekte ermittelt werden. Tiefer gehende Einblicke in das Netzwerkgeschehen und wertvolle Aufschlüsse über Wirkungszusammenhänge und Faktoren nachhaltiger Kooperationsformen sollen qualitativ angelegte Fallstudien ausgewählter Netzwerke ermöglichen.

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Ekkehard Nuissl von Rein, Direktor des DIE, wird die Begleitforschung als Kooperationsprojekt durchgeführt, in dem vielschichtige Erfahrungen und Kompetenzen gebündelt werden. Mit dem DIE kooperieren das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, die Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, Arbeitsbereich Wirtschaftspädagogik / Betriebliche Aus- und Weiterbildung, und die Ludwig-Maximilians-Universität München, Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Bildungsforschung.

Wie das zugrunde liegende Programm ist auch die wissenschaftliche Begleitung der "Lernenden Regionen" gegenwärtig auf drei Jahre angelegt und wird durch das BMBF gefördert.

Weitere Informationen: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, Hansaallee 150, 60320 Frankfurt/M., Ingrid Ambos, Fon 069/ 95626-154, Fax 069/ 95626-174, E-Mail: ambos@die-frankfurt.de.


Das DIE gehört mit 78 anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (WGL). Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär. Sie sind von überregionaler Bedeutung, betreiben Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert

Christine Schumann M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.wgl.de

Weitere Berichte zu: Akteur BMBF-Programm Lernen Netzwerkaktivität Spektrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht „Fingerabdruck“ überführt Lebensmittelfälscher
29.11.2019 | Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

nachricht Tätowierungen entfernen mit Laser und Ultraschall - Forschungsprojekt entwickelt neues Verfahren
27.11.2019 | Technische Hochschule Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vulkan „F“ ist der Ursprung der schwimmenden Steine

09.12.2019 | Geowissenschaften

Magnetschwebetrennung in der Drogenfahndung - Analyse illegaler Substanzen in Pulver durch magnetische Levitation

09.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Luftverschmutzung: IASS legt erstes Emissionsinventar für Nepal vor

09.12.2019 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics