Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Digitale Helfer für Schwerhörige

02.08.2010
Jeder fünfte Deutsche ist schwerhörig. Betroffene sind in ihrem Privat- und Arbeitsleben beeinträchtigt – etwa beim Telefonieren. Forscher haben jetzt eine digitale Lösung parat, die den Hörverlust zumindest teilweise kompensieren kann. Künftig soll das System in Geräte wie Telefonanlagen oder Handys integriert werden.

»Wie bitte? Können Sie lauter sprechen? Ich habe Sie nicht verstanden.« Etwa 13 Millionen Deutsche hören nicht gut. Und das ist nicht unbedingt eine Frage des Alters. Nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbunds sind rund 19 Prozent der über 14-Jährigen hörbeeinträchtigt.

In der Gruppe der über 65-Jährigen ist schon jeder Zweite schwerhörig. Vor allem zwischen 40 und 50 Jahren nimmt das Hörvermögen ab. Viele Betroffene geben an, die Beeinträchtigung schränke ihre Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz ein. Die meisten Schwierigkeiten entstünden bei der Kommunikation. Besonders problematisch sei das Telefonieren – etwa über das Internet (Voice over IP). Dabei wird das Telefonat über Computernetzwerke mittels des Internetprotokolls geführt. Oft erschweren Störgeräusche und akustische Echos das Gespräch.

Für schwerhörige Menschen ist das besonders problematisch. Sie können diese Möglichkeit des Internets nur sehr eingeschränkt nutzen. Sie müssen die Lautstärke hochregeln, um überhaupt folgen zu können. Dadurch verstärken sich aber auch die Hintergrundgeräusche. Ohnehin schon laute Signalanteile werden bei weiterer Verstärkung schnell unangenehm.

Um dem entgegenzuwirken, haben sich die Entwickler des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg eine digitale Lösung einfallen lassen. In dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie BMWi geförderten Projekt »Sprachverbesserte Telefonie« arbeiten sie an Algorithmen, die üblicherweise in Hörgeräten verwendet werden und die den Hörverlust zumindest teilweise kompensieren können. Der Trick: Jeder Schwerhörige hat ganz individuelle Frequenzen, die ihm Schwierigkeiten bereiten. »Angepasst an den einzelnen Benutzer werden leise Signale verstärkt, laute Signale bleiben jedoch unverändert, da sie sonst als unangenehm laut empfunden würden«, erklärt Dipl.-Ing. Stefan Goetze von der Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie am IDMT. Zusätzlich erkennt das System das Hintergrundrauschen und reduziert es auf ein Minimum. Dadurch bietet es nicht nur Menschen Vorteile, die Probleme beim Hören haben. Im Fall eines Anrufs aus einer lauten Umgebung, wie einem Großraumbüro, profi tieren auch normal hörende Personen von der Signalverarbeitung. Das System kann für jeden Anruf so eingestellt werden, dass ein gleichmäßiges, gut verständliches Klangbild entsteht.

»Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass der Nutzer die Algorithmen selbst bedienerfreundlich anpassen kann. Besonders für Senioren sollten einfache Methoden zur Anpassung gefunden werden. Bei einem Test-Telefon haben wir das durch ein spezielles Display gelöst. Zwei Audiosignale mit unterschiedlichem Klang werden durch Blumen visualisiert. Per Druck auf die Blumen können die Senioren den gewünschten Klang regeln. So stellen sich die Algorithmenparameter automatisch auf das individuelle Hörvermögen des Nutzer ein«, erläutert Goetze.

Die Algorithmen lassen sich in alle Audiogeräte integrieren. Die Wissenschaftler haben bereits einen Ipod Touch, eine Telefonanlage, ein Videokonferenzsystem sowie einen Fernseher damit ausgestattet. Die Geräte liegen derzeit als Demonstratoren vor. »Erste Produkte könnten voraussichtlich in zwei Jahren erhältlich sein«, sagt Goetze. »Wenn unsere Technologie erst einmal in Consumergeräte eingebaut ist, sind Betroffene nicht mehr permanent auf ihr Hörgerät angewiesen.« Auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin vom 3. bis 8. September dieses Jahres zeigen die Forscher ein Videokonferenzsystem, in das ihre Algorithmen installiert sind (Halle 8.1, Stand 4)

Stefan Goetze | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/08/digitale-helfer-fuer-schwerhoerige.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Mixed Reality für die Industrie: Hochschulen und Industrieunternehmen entwickeln gemeinsam
10.12.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Testen sicherheitsrelevanter Hardware: Ingenieure zeigen, nicht alle Fehler beeinflussen Software
10.12.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartige Lasertechnik für chemische Sensoren in Mikrochip-Größe

Von „Frequenzkämmen“ spricht man bei speziellem Laserlicht, das sich optimal für chemische Sensoren eignet. Eine revolutionäre Technik der TU Wien erzeugt dieses Licht nun viel einfacher und robuster als bisher.

Ein gewöhnlicher Laser hat genau eine Farbe. Alle Photonen, die er abstrahlt, haben genau dieselbe Wellenlänge. Es gibt allerdings auch Laser, deren Licht...

Im Focus: Topological material switched off and on for the first time

Key advance for future topological transistors

Over the last decade, there has been much excitement about the discovery, recognised by the Nobel Prize in Physics only two years ago, that there are two types...

Im Focus: Neue Methode verpasst Mikroskop einen Auflösungsschub

Verspiegelte Objektträger ermöglichen jetzt deutlich schärfere Bilder / 20fach bessere Auflösung als ein gewöhnliches Lichtmikroskop - Zwei Forschungsteams der Universität Würzburg haben dem Hochleistungs-Lichtmikroskop einen Auflösungsschub verpasst. Dazu bedampften sie den Glasträger, auf dem das beobachtete Objekt liegt, mit maßgeschneiderten biokompatiblen Nanoschichten, die einen „Spiegeleffekt“ bewirken. Mit dieser einfachen Methode konnten sie die Bildauflösung signifikant erhöhen und einzelne Molekülkomplexe auflösen, die sich mit einem normalen Lichtmikroskop nicht abbilden lassen. Die Studie wurde in der NATURE Zeitschrift „Light: Science and Applications“ veröffentlicht.

Die Schärfe von Lichtmikroskopen ist aus physikalischen Gründen begrenzt: Strukturen, die näher beieinander liegen als 0,2 tausendstel Millimeter, verschwimmen...

Im Focus: Supercomputer ohne Abwärme

Konstanzer Physiker eröffnen die Möglichkeit, Supraleiter zur Informationsübertragung einzusetzen

Konventionell betrachtet sind Magnetismus und der widerstandsfreie Fluss elektrischen Stroms („Supraleitung“) konkurrierende Phänomene, die nicht zusammen in...

Im Focus: Drei Nervenzellen reichen, um eine Fliege zu steuern

Uns wirft so schnell nichts um. Eine Fruchtfliege kann dagegen schon ein kleiner Windstoß vom Kurs abbringen. Drei große Nervenzellen in jeder Hälfte des Fliegenhirns reichen jedoch aus, um die Fliege mit Hilfe visueller Signale wieder auf Kurs zu bringen.

Bewegen wir uns vorwärts, zieht die Umwelt in die entgegengesetzte Richtung an unseren Augen vorbei. Drehen wir uns, verschiebt sich das Bild der Umwelt im...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Januar und Februar 2019

11.12.2018 | Veranstaltungen

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungen

Fachforum über intelligente Datenanalyse

10.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuartige Lasertechnik für chemische Sensoren in Mikrochip-Größe

11.12.2018 | Physik Astronomie

Besser Bohren – Neues Nanokomposit stabilisiert Bohrflüssigkeiten

11.12.2018 | Geowissenschaften

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Januar und Februar 2019

11.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics