Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Grenzen von elektronischen Wahlen

17.07.2007
Für demokratische Wahlen werden in einigen Staaten bereits elektronische Wahlsysteme eingesetzt. Diese haben jedoch scharfe Kritiker, da sie angeblich leicht zu manipulieren sind. Einer der prominentesten Gegner ist Rop Gongrijp, der unter großem Aufsehen die niederländischen Wahlmaschinen kurz vor den Parlamentswahlen im November 2006 geknackt hatte.

Er wird an einer Tagung vom 29. Juli bis 3. August im Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik (IBFI) auf Schloss Dagstuhl teilnehmen. Dort werden Wissenschaftler und Industrievertreter aus den USA und Europa diskutieren, wie man elektronische Wahlsysteme sicherer machen kann. Einer der Organisatoren der Tagung erhielt für seine Forschungen auf dem Gebiet der Kryptographie den Turing Award, der auch als "Nobelpreis für Informatik" bezeichnet wird.

Bei den elektronischen Wahlen spielen nicht nur technische, sondern auch politische und gesellschaftliche Aspekte eine wichtige Rolle. So hat die Art der Stimmabgabe auch einen Einfluss auf das Wahlverhalten und die Wahlbeteiligung. Der Wähler wiederum hat ein Interesse an der einfachen Bedienung von Wahlcomputern, will aber auch in seiner Privatsphäre geschützt werden und sicher sein, dass seine Wahl korrekt erfasst und gezählt wird. Doch diese Vorgaben werfen viele Fragen auf: Welche Wahlcomputer werden zugelassen, wie werden sie getestet? Wer stellt sicher, dass die geprüfte und zertifizierte Software auch in jedem Wahllokal auf einem Computer verfügbar ist? Wer überwacht, dass keiner an den Wahlcomputern herumschrauben kann, während sie zwischen verschiedenen Wahlen gelagert werden? Die Tagung auf Schloss Dagstuhl bringt Forscher und Praktiker zusammen, um den Stand der Technik zu analysieren und Erfahrungen im Umgang mit elektronischen Wahlsystemen auszutauschen.

Neben der Sicherheit von Wahlcomputern kommt es bei elektronischen Wahlen auch auf die Übertragungswege der Daten an, die nicht manipuliert werden dürfen. Moderne Verschlüsselungstechniken bieten dafür viele Möglichkeiten, stoßen aber auch an Grenzen, wenn zum Beispiel Vorschriften nicht beachtet werden oder Hacker in das System eindringen. Ein Problem ist außerdem die Anonymität der Wähler, der bei der Stimmabgabe über das Internet seine Daten auf die Reise schickt, er darf aber als Absender nicht zu erkennen sein. Zugleich muss man nachprüfen können, ob seine Stimme auch tatsächlich abgegeben wurde. Für solche anonymen Verfahren müssen die Informatiker noch etliche praktische, aber auch theoretische Nüsse knacken.

Einige Kritiker der bisherigen Systeme schlagen Mischformen vor, bei denen jeder Wähler bei Knopfdruck auch noch einen Wahlzettel aus Papier hinterlässt. Bei Betrugsverdacht kann dann einfacher nachgezählt werden. Mit diesem Verfahren bleibt der Vorteil von elektronischen Wahlen erhalten, nämlich dass man schneller auszählen und das Ergebnis bekannt geben kann. Fraglich ist jedoch, ob diese aufwändigeren Mischformen den Steuerzahler günstiger kommen als die bisher von Hand ausgezählten Wahlen. Die Kosten werden außerdem auch dadurch in die Höhe getrieben, dass sich das Wahlrecht von Staat zu Staat stark unterscheidet. Das erschwert es den Unternehmen, Standards festzulegen und das gleiche System international zu vermarkten.

Die meisten Teilnehmer bei der Tagung auf Schloss Dagstuhl werden aus den USA, Großbritannien, Frankreich und den Benelux-Staaten anreisen. Organisiert wurde die Tagung von den Wissenschaftlern David Chaum von der Katholieke Universiteit Leuven (Belgien), Miroslaw Kutylowski von der TU Wroclaw (Polen), Ronald L. Rivest vom MIT ? Cambridge (USA) und Peter Ryan von der University of Newcastle (Großbritannien). Ronald L. Rivest erhielt im Jahr 2002 den international renommierten Turing Award, der auch als "Nobelpreis für Informatik" bezeichnet wird.

Hintergrund:
Schloss Dagstuhl lädt das ganze Jahr über Wissenschaftler aus aller Welt ins nördliche Saarland ein, um über neueste Forschungsergebnisse in der Informatik zu diskutieren. Rund 3.000 Informatiker von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und aus der Industrie nehmen jährlich an den wissenschaftlichen Veranstaltungen in Dagstuhl teil. Seit 2005 gehört Schloss Dagstuhl zur Leibniz-Gemeinschaft, in der führende außeruniversitäre Forschungsinstitute und wissenschaftliche Serviceeinrichtungen in Deutschland vertreten sind.
Hinweis für Journalisten:
Wir vermitteln gerne Interviews mit Mitarbeitern und Tagungsteilnehmern von Schloss Dagstuhl.

Für Reportagen und Filmaufnahmen wenden Sie sich bitte an die Geschäftsstelle von Schloss Dagstuhl:

Dr. Roswitha Bardohl
Tel. (0681) 302-3847
Email: presse@dagstuhl.de
oder an das Kompetenzzentrum Informatik der Universität des Saarlandes:
Friederike Meyer zu Tittingdorf
Tel. (0681) 302-58099
Email: presse@cs.uni-sb.de

Dr. Roswitha Bardohl | idw
Weitere Informationen:
http://www.dagstuhl.de
http://www.dagstuhl.de/07311
http://www.dagstuhl.de/ueber-dagstuhl/presse/downloads/

Weitere Berichte zu: Informatik Mischform Stimmabgabe Wahlcomputern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Platooning in der Logistikbranche: Weltweit erster Praxiseinsatz vernetzter Lkw-Kolonnen auf der A9
25.06.2018 | Hochschule Fresenius

nachricht Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa
25.06.2018 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

Stellarator-Rekord für Fusionsprodukt / Erste Bestätigung für Optimierung

Höhere Temperaturen und Dichten des Plasmas, längere Pulse und den weltweiten Stellarator-Rekord für das Fusionsprodukt hat Wendelstein 7-X in der...

Im Focus: Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

Bei der Entwicklung innovativer Superrechner-Architekturen ist Europa dabei, die Führung zu übernehmen. Leuchtendes Beispiel hierfür ist der neue Höchstleistungsrechner, der in diesen Tagen am Jülicher Supercomputing Centre (JSC) an den Start geht. JUWELS ist ein Meilenstein hin zu einer neuen Generation von hochflexiblen modularen Supercomputern, die auf ein erweitertes Aufgabenspektrum abzielen – von Big-Data-Anwendungen bis hin zu rechenaufwändigen Simulationen. Allein mit seinem ersten Modul qualifizierte er sich als Nummer 1 der deutschen Rechner für die TOP500-Liste der schnellsten Computer der Welt, die heute erschienen ist.

Das System wird im Rahmen des von Bund und Sitzländern getragenen Gauß Centre for Supercomputing finanziert und eingesetzt.

Im Focus: Superconducting vortices quantize ordinary metal

Russian researchers together with their French colleagues discovered that a genuine feature of superconductors -- quantum Abrikosov vortices of supercurrent -- can also exist in an ordinary nonsuperconducting metal put into contact with a superconductor. The observation of these vortices provides direct evidence of induced quantum coherence. The pioneering experimental observation was supported by a first-ever numerical model that describes the induced vortices in finer detail.

These fundamental results, published in the journal Nature Communications, enable a better understanding and description of the processes occurring at the...

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungen

Wheat Initiative holt Weizenforscher aus aller Welt an einen Tisch

25.06.2018 | Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

25.06.2018 | Physik Astronomie

Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

25.06.2018 | Informationstechnologie

Leuchtfeuer in der Produktion

25.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics