Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mars-Mission vertraut auf künstliche Intelligenz

02.05.2008
Kommunikationstool spart Ressourcen und verhindert Datenverlust

Für einen effizienteren und zuverlässigeren Download von Missionsdaten des Mars-Orbiters "Mars Express" hat die ESA neuerdings ein KI-System (Künstliche Intelligenz) im Einsatz. Davor musste die Zeitplanung der Mars-Kommunikation mithilfe von Menschen gesteuerter Software erfolgen.

"Das ist mühsam und zeitraubend. Es konnte auch nicht den gelegentlichen Verlust wertvoller wissenschaftlicher Daten verhindern", beschreibt Alessandro Donati, Leiter des Advanced Mission Concepts and Technologies Office im European Space Operations Centre (ESOC) der ESA. Das KI-Tool konnte Abhilfe schaffen und ist laut Experten ein Wegbereiter für den Einsatz von KI-Systemen in der Raumfahrt.

Die Planung des Downloads von Daten des Mars Express ist eine komplexe Aufgabe mit vielen Variablen. Die Orientierung des Raumfahrzeugs, die Verfügbarkeit der Bodenstation, Verbindungs-Bandbreiten und die Menge der gesammelten Daten zählen zu den Faktoren, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Da die im Raumfahrzeug lokal verfügbare Speicherkapazität begrenzt ist, droht ein unwiederbringlicher Verlust wertvoller Daten, falls diese vor einem Download zur Erde durch neue Messungen überschrieben werden. All diese Variablen berücksichtigt das "Mars Express AI Tool" (MEXAR2), wenn es Daten-Downloads plant. Die genutzten KI-Techniken seien ähnlich jenen, die für die Terminplanung und Optimierungsaufgaben etwa bei Fluglinien oder großen Bauprojekten zum Einsatz kämen, so das ESOC.

... mehr zu:
»ESA »KI-System »MEXAR2

Am KI-System für Mars Express wurde seit 2005 am italienischen Institute for Cognitive Science and Technology geforscht. Das Ergebnis MEXAR2 konnte sich inzwischen in der Praxis beweisen. "Mit MEXAR2 wurde der Verlust von gespeicherten Datenpaketen weitgehend eliminiert", meint Fred Jansen, Mission Manager für Mars Express bei der ESA. Der Arbeitsaufwand für die Erstellung der Download-Pläne sei um 50 Prozent gesunken, heißt es aus dem ESOC. Durch die Optimierung der für Mars Express verwendeten Bandbreite beim irdischen Datenempfang sei auch mehr Zeit der Bodenstation für andere Missionen verfügbar. Aufgrund des erwiesenen Erfolges von MEXAR2 werde nun an der Anwendung der KI-Konzepte für andere Aufgaben gearbeitet. Ein Beispiel ist das Projekt "RAXEM" für die Optimierung der Kommunikation in die umgekehrte Richtung, von der Erde zu Mars Express.

MEXAR2 sei ein Wegbereiter für KI im Bereich der Raumfahrt, betont Ari Kristinn Jónsson, Computerwissenschaftler an der Universität Reykjavík http://www.ru.is/?pageid=722 . Noch seien bei ESA, NASA und anderen Agenturen sehr wenige echte KI-Tools im Einsatz. Ihre Vorteile in der Raumforschung wären aber längst bekannt. "Intelligente Entscheidungsfindungs-Möglichkeiten an Bord von Raumfahrzeugen zu haben, wird die Erforschung viel kosteneffizienter machen und Missionen ermöglichen, die mehr bieten und weniger kosten", so Jónsson. Er erwarte, dass KI-Systeme in 20 Jahren eine etablierte Kerntechnologie im operativen Bereich von Raummissionen sein werden. Es würde sich um allgemeine KI-Tools handeln, die an einzelne Missionen angepasst werden. "Die KI-Fähigkeiten werden derart sein, dass Verantwortung und Kontrolle flexibel zwischen Technikern am Boden und Computern im Raumfahrzeug verschoben werden können", prognostiziert der Experte.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.esa.int

Weitere Berichte zu: ESA KI-System MEXAR2

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Loopings der Bakterien: Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Göttingen analysiert Fortbewegung

Das magnetotaktische Bakterium Magnetococcus marinus schwimmt mit Hilfe von zwei Bündeln von Geißeln. Außerdem besitzen die Bakterienzellen eine Art intrazelluläre Kompassnadel und können daher mit einem Magnetfeld gesteuert werden. Sie werden deshalb als biologisches Modell für Mikroroboter benutzt. Ein internationales Team der Universität Göttingen, des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam und der CEA Cadarache (Frankreich) hat nun aufgeklärt, wie sich diese Bakterien bewegen und deren Schwimmgeschwindigkeit bestimmt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift eLife erschienen.

Die Forscherinnen und Forscher nutzten eine Kombination von neuen experimentellen Methoden und Computersimulationen: Sie verfolgten die Bewegung der...

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schiffsexpedition bringt Licht ins Innere der Erde

24.02.2020 | Geowissenschaften

Elektronenbeugung zeigt winzige Kristalle in neuem Licht

24.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Antikörper als Therapiealternative bei Tumoren am Hör- und Gleichgewichtsnerv?

24.02.2020 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics