Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Bewohner der Arktis aus?

18.05.2017

Polarstern-Expedition untersucht Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Eis und Ozean und Effekte auf die Lebewelt

49 Atmosphären- und Wolkenforscher, Meereisphysiker, Meeresbiologen und Biogeochemiker starten am Mittwoch, den 24. Mai 2017 von Bremerhaven aus zu einer gemeinsamen Expedition Richtung Spitzbergen.


FS Polarstern verlässt am 24. Mai Bremerhaven und startet zur Arktis-Expedition.

Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks


Überreste abgestorbener Eisalgen, die sich am Grund eines Schmelztümpels abgelagert haben.

Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mar Fernández-Méndez

An Bord des Forschungsschiffes Polarstern vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) eint sie über alle Fachdisziplinen hinaus die Frage: Wie verändert sich das Klima der Arktis und wie wirkt sich das aus? Von Longyerbyen (Spitzbergen) aus starten parallel die AWI-Forschungsflugzeuge Polar 5 und Polar 6 zu Atmosphärenmessungen aus der Luft.

Das schrumpfende Meereis ist der am deutlichsten sichtbare Indikator für die rapide Erwärmung des Arktischen Ozeans. Waren in den 1980er Jahren noch über sieben Millionen Quadratkilometer der Arktis im Sommer von Meereis bedeckt, so lag seine minimale Ausdehnung in den vergangenen zehn Jahren überwiegend unter fünf Millionen Quadratkilometer.

Das Meereis ist daher ein zentrales Forschungsobjekt, zugleich aber auch ein wichtiger Standort für die geplanten Arbeiten nördlich von Spitzbergen: Das Forschungsschiff Polarstern wird an einer Eisscholle festmachen, auf der Atmosphärenforscher zwei Wochen lang kontinuierlich messen, wie sich der Energiehaushalt am Boden bei unterschiedlicher Bewölkung verändert. Damit wollen die Forscher offene Fragen zu den Rückkopplungsmechanismen zwischen Meereis, Wolken und Partikeln in der Luft klären, die zur Erwärmung in der Arktis beitragen.

„Unsere These ist, dass die typischen tiefen Wolken in der Arktis einen deutlichen Anteil daran haben, dass sich diese Region in den letzten Jahrzehnten mehr als doppelt so stark erwärmt hat wie der Rest der Erde. Dieses Phänomen wird ‚Arctic Amplification’ (arktische Verstärkung) genannt und kann in den globalen Klimamodellen bisher nicht berücksichtigt werden, da die Mechanismen nicht ausreichend verstanden sind“, erklärt Prof. Andreas Macke vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), der den ersten Fahrtabschnitt wissenschaftlich leiten wird.

Sein Projekt soll helfen, besser zu verstehen, welche Prozesse im Detail wie stark dafür sorgen, dass das Meereis in der Arktis so drastisch schrumpft. Die atmosphärischen Messungen an Bord der Polarstern werden dabei durch einen Fesselballon auf der Eisscholle, Flüge der AWI-Forschungsflugzeuge Polar 5 und Polar 6 sowie parallele Messungen an der AWIPEV-Station in Ny-Ålesund ergänzt, um ein möglichst vollständiges Bild der Prozesse in der Atmosphäre der Arktis zu erhalten, die letztlich auch das Wetter in Europa beeinflussen. [Weitere Infos zum DFG-geförderten Sonderforschungsbereich Transregio 172 „Arktische Klimaveränderungen“ finden Sie in dieser Pressemitteilung: http://www.awi.de/nc/ueber-uns/service/presse/pressemeldung/arktisches-klima-im-fokus.html]

Parallel zur Wolkenforschung finden während der Drift mit der Scholle meereisphysikalische, biologische und biogeochemische Messungen statt. Ein Fokus liegt bei dieser Frühsommer-Expedition auf den Lebensbedingungen zu Beginn der Schmelzperiode, wenn zwischen den Eisschollen offenes Wasser entsteht, das durch seine dunkle Farbe mehr Energie aufnimmt als die reflektierende helle Eisoberfläche. So kann mehr Licht durch das Eis gelangen und Kleinstalgen im Wasser als Energiequelle dienen. Dieses Phytoplankton bildet die Grundlage des arktischen Nahrungsnetzes, denn von ihm ernährt sich das Zooplankton, das wiederrum räuberischen Tieren wie Vögeln, Robben oder Eisbären als Futter dient.

„Wir interessieren uns besonders für den Polardorsch, denn er hat als Hauptnahrungsquelle für Robben und Vögel eine Schlüsselrolle im arktischen Ökosystem“, sagt Dr. Hauke Flores. Der Biologe vom Alfred-Wegener-Institut ist ab Bremerhaven an Bord und übernimmt nach kurzem Zwischenstopp am 21. Juni in Longyearbyen (Spitzbergen) die Leitung des zweiten Expeditionsabschnitts. Junge Polardorsche nutzen häufig den Lebensraum an der Unterseite des Meereises, der ihnen als Jagdrevier und Unterschlupf vor Räubern dient. Bedingt durch den Klimawandel vermindert sich die räumliche Ausdehnung des Untereis-Lebensraumes zusehends.

„Wir werden die räumliche Verteilung des Polardorsches, seiner Nahrungsgrundlagen, seiner Fressfeinde und anderer Umweltparameter simultan beproben. So können wir die Überlebensfähigkeit der Fische und der von ihnen abhängigen Warmblüter einschätzen und Aussagen über ihre Empfindlichkeit gegenüber dem Klimawandel treffen“, so Hauke Flores.

„Neben den aktuellen Beobachtungen freue ich mich besonders auf den Austausch mit den Wissenschaftlern aller Fachdisziplinen. Denn an Bord haben wir Arktisinteressierte die einmalige Gelegenheit, uns über lange Zeit intensiv über unsere Forschungsthemen auszutauschen“, so sein Ausblick auf die kommenden zwei Monate bis zum Expeditionsende Mitte Juli im norwegischen Tromsø.

Im Anschluss an diese Expedition nutzen AWI-Tiefseeforscher und Kollegen die Polarstern für biologische und ozeanographische Langzeituntersuchungen im sogenannten AWI-Hausgarten. In der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen sind Mitglieder der Helmholtz-Allianz ROBEX im August und September unterwegs, um unter anderem den Tiefsee-Roboter Tramper nach einem Jahr Arktiseinsatz zu bergen. Die letzte diesjährige Arktis-Expedition führt ab Mitte September nach Ostgrönland, wo Ozeanographen und Glaziologen gemeinsam den Mechanismen schmelzender Gletscher auf den Grund gehen. Die Polarstern wird Mitte Oktober in ihrem Heimathafen Bremerhaven zurückerwartet.

Hinweise für Redaktionen:

Druckbare Bilder finden Sie in der Online-Version dieser Pressemitteilung unter: http://www.awi.de/nc/ueber-uns/service/presse/pressemeldung/wie-wirkt-sich-der-klimawandel-auf-die-bewohner-der-arktis-aus.html

Ihre Ansprechpartnerin in der Abteilung Kommunikation und Medien ist Dr. Folke Mehrtens (Tel.: 0471 4831-2007; E-Mail: Folke.Mehrtens(at)awi.de).

Das Forschungsschiff Polarstern wird mit dem Mittagshochwasser am 24.05.2017 gegen 12:00 Uhr in Bremerhaven auslaufen.

Wenn Sie zwecks Berichterstattung auf das Werftgelände bzw. auf das Schiff möchten, melden Sie sich bitte bis spätestens Montag, 22.05. um 12:00 Uhr an bei Folke Mehrtens (Tel.: 0471 4831-2007; E-Mail: Folke.Mehrtens(at)awi.de).

Das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Ralf Röchert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht So schnell erwärmen sich die Dauerfrostböden der Welt
16.01.2019 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Mit Satelliten den Eisverlust von Gletschern messen
15.01.2019 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultra ultrasound to transform new tech

World first experiments on sensor that may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles

The new sensor - capable of detecting vibrations of living cells - may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles.

Im Focus: Fliegende optische Katzen für die Quantenkommunikation

Gleichzeitig tot und lebendig? Max-Planck-Forscher realisieren im Labor Erwin Schrödingers paradoxes Gedankenexperiment mithilfe eines verschränkten Atom-Licht-Zustands.

Bereits 1935 formulierte Erwin Schrödinger die paradoxen Eigenschaften der Quantenphysik in einem Gedankenexperiment über eine Katze, die gleichzeitig tot und...

Im Focus: Flying Optical Cats for Quantum Communication

Dead and alive at the same time? Researchers at the Max Planck Institute of Quantum Optics have implemented Erwin Schrödinger’s paradoxical gedanken experiment employing an entangled atom-light state.

In 1935 Erwin Schrödinger formulated a thought experiment designed to capture the paradoxical nature of quantum physics. The crucial element of this gedanken...

Im Focus: Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken den biologisch abbaubaren Rohstoff nun mit zusätzlichen Fähigkeiten, um Implantate für Knorpelerkrankungen mittels 3-D-Druck fertigen zu können.

Alles beginnt mit einem Ohr. Empa-Forscher Michael Hausmann entfernt das Objekt in Form eines menschlichen Ohrs aus dem 3-D-Drucker und erklärt: «Nanocellulose...

Im Focus: Nanocellulose for novel implants: Ears from the 3D-printer

Cellulose obtained from wood has amazing material properties. Empa researchers are now equipping the biodegradable material with additional functionalities to produce implants for cartilage diseases using 3D printing.

It all starts with an ear. Empa researcher Michael Hausmann removes the object shaped like a human ear from the 3D printer and explains:

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungen

Erstmalig in Nürnberg: Tagung „HR-Trends 2019“

17.01.2019 | Veranstaltungen

Wie Daten und Künstliche Intelligenz die Produktion optimieren

16.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leistungsschub für alle Omicron Laser

17.01.2019 | Messenachrichten

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Mit Blutgefäßen aus Stammzellen gegen Volkskrankheit Diabetes

17.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics