Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Waldgesundheit und globaler Wandel

21.08.2015

Ein Drittel unserer Erdoberfläche ist von Wäldern bedeckt. Sie versorgen uns mit dem Rohstoff Holz, liefern sauberes Trinkwasser, produzieren Sauerstoff und speichern Kohlenstoff. Wälder sind zudem wichtige Regulatoren des globalen Klimas, denn sie führen das Wasser zurück in die Atmosphäre. In einem Review-Artikel im renommierten Fachjournal Science fassen Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena und vom Woods Hole Research Center, USA, die internationalen Forschungsergebnisse zum Zustand der Wälder im Zusammenhang mit dem Klimawandel zusammen.

Seit vorindustrieller Zeit sind die Waldflächen um etwa 15% geschrumpft. Der aktuelle Rückgang liegt bei ungefähr 0,3% pro Jahr, da die Rodungsflächen die nachwachsenden Gebiete und Aufforstungsflächen bei weitem übersteigen.


Landschaft in Kalifornien nach einem Feuer

S. Trumbore

Das entspricht alle drei Jahre einer Fläche von Deutschland. Hinzu kommt, dass Wälder durch weitere, weniger sichtbare Einflüsse des Menschen bedroht werden. Dazu zählen Jagd, selektive Holzernte, eingeschleppte Schädlinge, Luftverschmutzung und Klimawandel.

„Einige Wälder können sich schnell erholen, innerhalb von Jahren oder Jahrzehnten, aber andere werden Jahrhunderte brauchen, um den Zustand vor diesen Einflüssen wieder zu erreichen. Viele schädliche Einflüsse werden sich direkt auf Eigenschaften und Funktionen der Wälder auswirken, die für uns nützlich oder gar notwendig sind“, sagt Susan Trumbore, Leitautorin der Studie.

Änderungen des Waldzustands werden oft stellvertretend für den Gesundheitszustand angesehen. Jedoch ist der Begriff Gesundheit eigentlich nur für einzelne Bäume klar umgrenzt – als Abwesenheit von Schäden und Krankheiten.

Obwohl viele Länder regelmäßige Waldzustandserhebungen durchführen, ringen Wissenschaftler seit vielen Jahren um brauchbare Definitionen zur Gesundheit des Waldes. Beispielsweise kann ein erhöhtes Baumsterben einen schlechten Gesundheitszustand eines Bestands widerspiegeln, andererseits spielen absterbende Bäume auch eine wichtige Rolle in der Waldverjüngung und im Nährstoffkreislauf, als Teil der normalen Waldfunktionen.

„Für größere Waldgebiete sind Waldschadenserhebungen sehr schwierig; es fehlt an objektiven Kriterien für die Festlegung, was „normal“ ist“, betont Paulo Brando, Koautor der Veröffentlichung.

Berichte über ein weltweit zunehmendes Baumsterben sind alarmierend, doch fehlen geeignete Methoden, um herauszufinden, wie groß das Problem tatsächlich ist und wo die Ursachen des Baumsterbens liegen. Satellitenaufnahmen können Änderungen der globalen Waldflächen erfassen, nicht jedoch das Absterben einzelner Bäume.

In Inventurparzellen von gewöhnlich 400 bis 2000 Quadratmetern hingegen kann der Zustand einzelner Bäume erfasst werden, allerdings unter großem Aufwand. Die meisten Länder, die zu den globalen Erhebungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beitragen, betreiben solche Inventurparzellen.

Da die zugrunde liegenden Erfassungsprotokolle jedoch nicht standardisiert sind, ist es schwer, Tendenzen im Baumsterben über Grenzen hinweg zu erkennen. Neue Laser- Methoden (LiDAR – light detection and ranging) ermöglichen mittlerweile, die Lücke zwischen Inventurparzellen und Satellitenbildern zu schließen.

“Hat man erst einmal Mortalitätsbrennpunkte ausgemacht, bedarf es intensiver Forschung, um die Wirkungsmechanismen zu verstehen.“ sagt Henrik Hartmann, Ko-Autor der Publikation. Experimente mit einzelnen Bäumen sowie mit gesamten Ökosystemen, eingebettet in ein Überwachungsnetzwerk zum Waldzustand, sind nötig, um abschätzen zu können, welche Bäume am stärksten gefährdet sind und wie stark die Regerationsfähigkeit der Wälder betroffen ist. „Ohne dieses Verständnis werden wir den Verlauf komplexer Reaktionen des Waldes auf verschiedenste Schadensfaktoren auf globaler Ebene nicht vorhersehen können.“

„Die Wälder überstanden eine Reihe verschiedenster Umweltveränderungen in den Jahrmillionen ihrer bisherigen Existenz. Vermutlich werden sie sich auch gegenüber dem anthropogenen Klimawandel als widerstandsfähig beweisen, aber der Mensch sollte sich trotzdem Gedanken über den Waldzustand machen. Letzten Endes können die Wälder ohne uns überleben, aber wir nicht ohne sie.“ unterstreicht Susan Trumbore.

Kontakte

Susan Trumbore
Max Planck Institute for Biogeochemistry
trumbore @bgc-jena.mpg.de

Henrik Hartmann
Max Planck Institute for Biogeochemistry
hhart@bgc-jena.mpg.de

Paulo Brando
Woods Hole Research Center, USA
pbrando@whrc.org

Weitere Informationen:

http://www.bgc-jena.mpg.de - Max-Planck Institut für Biogeochemie
http://www.sciencemag.org/content/349/6250/814.abstract - zur Science Veröffentlichung

Susanne Héjja | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wie viel Schutt liegt auf Gletschern?
09.11.2018 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht CO₂-Uhr des MCC auf neusten Stand gebracht
09.11.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Im Focus: Datensicherheit: Aufbruch in die Quantentechnologie

Den Datenverkehr noch schneller und abhörsicher machen: Darauf zielt ein neues Verbundprojekt ab, an dem Physiker der Uni Würzburg beteiligt sind. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 14,8 Millionen Euro.

Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, umso mehr gewinnen Datensicherheit und sichere Kommunikation an Bedeutung. Für diese Ziele ist die...

Im Focus: A Leap Into Quantum Technology

Faster and secure data communication: This is the goal of a new joint project involving physicists from the University of Würzburg. The German Federal Ministry of Education and Research funds the project with 14.8 million euro.

In our digital world data security and secure communication are becoming more and more important. Quantum communication is a promising approach to achieve...

Im Focus: Research icebreaker Polarstern begins the Antarctic season

What does it look like below the ice shelf of the calved massive iceberg A68?

On Saturday, 10 November 2018, the research icebreaker Polarstern will leave its homeport of Bremerhaven, bound for Cape Town, South Africa.

Im Focus: Forschungsschiff Polarstern startet Antarktissaison

Wie sieht es unter dem Schelfeis des abgebrochenen Riesen-Eisbergs A68 aus?

Am Samstag, den 10. November 2018 verlässt das Forschungsschiff Polarstern seinen Heimathafen Bremerhaven Richtung Kapstadt, Südafrika.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

Profilierte Ausblicke auf die Mobilität von morgen

12.11.2018 | Veranstaltungen

Mehrwegbecher-System für Darmstadt: Prototyp-Präsentation am Freitag, 16. November, 11 Uhr

09.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Reparaturdefekt führt zu Chaos im Erbgut

12.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Rekorde bei Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen durch verbesserten Lichteinfang

12.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics