Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sächsische Experten unterstützen Rohstoff-Suche in Grönland

10.08.2016

Bei der Erkundung von Zink-Lagerstätten in Westgrönland ist die Expertise des Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) gefragt. Wissenschaftler des Instituts, das zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf gehört, setzen Drohnen in Kombination mit weiteren Erkundungsmethoden ein. Das Ziel ist es, hoch aufgelöste geologische Karten der Erdoberfläche von zwei etwa 15 Quadratkilometer großen Gebieten zu erstellen.

Der Ingenieur Robert Zimmermann tauscht ab 9. August für zwei Wochen seinen Arbeitsplatz am Freiberger Helmholtz-Institut mit der Kabine eines Schiffes vor der Küste Westgrönlands. Er gehört dort zu einem kleinen internationalen Team, das dem Geologischen Dienst von Dänemark und Grönland (GEUS) sowie dem grönländischen Ministerium für Mineralische Rohstoffe zu einem besseren Bild des Rohstoffpotenzials in Grönland verhelfen soll. Dafür hat Zimmermann diverse Messsysteme im Gepäck, die zum Teil von einer Drohne aus betrieben werden.


Die Abteilung Erkundung am Freiberger Helmholtz-Institut setzt bei ihrer Arbeit Drohnen ein.

HZDR

Die Technik kommt im westgrönländischen Karrat-Gebiet zum Einsatz. Größere Vorkommen des Rohstoffs Zink werden dort vermutet, wobei im südlichen Karrat-Gebiet, im Bereich Maarmorilik, bereits Zink-Bergbau betrieben wurde. Das Rohstoffpotenzial ist im Groben also bekannt, nun soll es aber genauer lokalisiert und eingeschätzt werden. Dafür nutzt der Geologische Dienst GEUS das Know-how der deutschen Experten.

Robert Zimmermann ist in der Abteilung „Erkundung“, die Dr. Richard Gloaguen leitet, für die Messtechnik sowie für die Datenaufnahme verantwortlich. Die Aufmerksamkeit des geologischen Dienstes konnte die Gruppe bei einer Veranstaltung des europäischen Rohstoffnetzwerkes EIT RawMaterials in Kopenhagen auf sich ziehen. Gloaguen hatte dort die Arbeit seines Teams vorgestellt. Europaweit ist die Gruppe des französischen Forschers eine der wenigen, die unbemannte Luftfahrtsysteme bzw. Drohnen für die geologische Erkundung in Kombination mit diversen Messmethoden einsetzt.

Sanfte Erkundung

Die Forscher sind in der Lage, geologische Daten mit unterschiedlichen Auflösungen und von unterschiedlichen Sensoren zu einem Gesamtmodell zu verknüpfen, um damit das Potenzial von Rohstoff-Lagerstätten einzuschätzen. Dafür müssen sie nicht in den Untergrund eindringen. „Das ist unsere Stärke“, so Gloaguen. Sein Team ist dafür häufig im Ausland unterwegs, vor kurzem erst in Namibia und Spanien. Nun bringt es seine Expertise in Grönland ein.

Von ihrer Basisstation auf dem Schiff aus gelangen Robert Zimmermann und der Rest der Expeditionsteilnehmer per Hubschrauber oder Boot zu den Erkundungsgebieten. „Wir gehen von außen nach innen vor“, erklärt Zimmermann. „Viele Lagerstätten sind von sogenannten Alterations- oder Umwandlungszonen umgeben. Darin dominieren unterschiedlichste Alterationsminerale, das sind hauptsächlich verschiedene silizium- oder schwefelhaltige Verbindungen. Indem wir zunächst diese Minerale in der Umgebung der Lagerstätten nachweisen, können wir Rückschlüsse auf mögliche Zinkvorkommen ziehen.“

Die Forscher setzen dafür zwei Hyperspektralkameras, ein Röntgen-Fluoreszenz-Spektrometer und ein Reflektanz-Spektrometer ein. Damit messen sie die spektralen Eigenschaften der Mineralien, aus denen die Gesteine bestehen. Jedes Gestein zeigt charakteristische Spektren, wenn es von Sonnenlicht oder Röntgenstrahlung beschienen wird. „Aus diesen Informationen können wir ein einheitliches Bild von der Verteilung der Alterationsminerale erstellen. Zusammen mit unseren geologischen Kenntnissen können wir dann bestimmen, wo der gesuchte Rohstoff Zink angereichert ist“, so Zimmermann weiter.

Weniger Proben und Kosten

„Bei dieser Art von geologischer Erkundung sind letztendlich weniger Gesteinsproben notwendig als sonst, was wiederum den Aufwand im Labor sowie die Kosten senkt“, so Abteilungsleiter Gloaguen. „Weiterhin erlauben diese Methoden auch Informationen über schwer zugängliche Bereiche. Dann liegt es in der Hand des Geologischen Dienstes GEUS, die Daten potenziellen Investoren zur Verfügung zu stellen. Aber auch die von uns entwickelten Erkundungstechnologien könnten für die Industrie von Interesse sein.“ Die Forschungsreise nach Grönland wollen die Helmholtz-Experten auch dazu nutzen, ihren eigenen Forschungsansatz weiterzuentwickeln. Nach der Aufnahme der Daten vor Ort in Grönland wird im September eine GEUS-Mitarbeiterin am Freiberger Helmholtz-Institut arbeiten, um die Messungen gemeinsam auszuwerten.

Der Geologische Dienst GEUS geht von einer großen Vielfalt an Rohstofflagerstätten in Grönland aus. Das westgrönländische Karrat-Gebiet zählt laut GEUS zu den bekanntesten Zinkvorkommen der Insel. Diese Erze werden heute hauptsächlich in der Volksrepublik China, Australien, Peru, Indien, den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada gefördert. Das Metall wird vor allem als Korrosionsschutz für Stahl- und Eisenteile verwendet. Es kommt außerdem in Batterien zum Einsatz sowie im Bauwesen.

Weitere Informationen:
Dr. Richard Gloaguen
Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie am HZDR
Tel.: +49 351 260 – 4424 | E-Mail: r.gloaguen@hzdr.de

Dr. Diogo Rosa
Geologischer Dienst von Dänemark und Grönland (GEUS) | Petrology and Economic Geology
Projektleiter „Nordzink”
Tel.: +45 9133 – 3859 | E-Mail: dro@geus.dk

Medienkontakt:
Anja Weigl | Pressereferentin
Tel.: +49 351 260 – 4427| E-Mail: a.weigl@hzdr.de
Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie | Chemnitzer Straße 40 | 09599 Freiberg | www.hzdr.de/hif

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) forscht auf den Gebieten Energie, Gesundheit und Materie. Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Das HZDR hat vier Standorte (Dresden, Leipzig, Freiberg, Grenoble) und beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiter – davon etwa 500 Wissenschaftler inklusive 150 Doktoranden.

Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) hat das Ziel, innovative Technologien für die Wirtschaft zu entwickeln, um mineralische und metallhaltige Rohstoffe effizienter bereitzustellen und zu nutzen sowie umweltfreundlich zu recyceln. Es wurde 2011 gegründet, gehört zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und kooperiert eng mit der TU Bergakademie Freiberg.

Weitere Informationen:

https://www.hzdr.de/presse/groenland

Dr. Christine Bohnet | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Es war wirklich der Asteroid
22.10.2019 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Permafrostregion setzt mehr und mehr CO2 frei
22.10.2019 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hohlraum vermittelt starke Wechselwirkung zwischen Licht und Materie

Forschern ist es gelungen, mithilfe eines mikroskopischen Hohlraumes eine effiziente quantenmechanische Licht-Materie-Schnittstelle zu schaffen. Darin wird ein einzelnes Photon bis zu zehn Mal von einem künstlichen Atom ausgesandt und wieder absorbiert. Das eröffnet neue Perspektiven für die Quantentechnologie, berichten Physiker der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift «Nature».

Die Quantenphysik beschreibt Photonen als Lichtteilchen. Will man ein einzelnes Photon mit einem einzelnen Atom interagieren lassen, stellt dies aufgrund der...

Im Focus: A cavity leads to a strong interaction between light and matter

Researchers have succeeded in creating an efficient quantum-mechanical light-matter interface using a microscopic cavity. Within this cavity, a single photon is emitted and absorbed up to 10 times by an artificial atom. This opens up new prospects for quantum technology, report physicists at the University of Basel and Ruhr-University Bochum in the journal Nature.

Quantum physics describes photons as light particles. Achieving an interaction between a single photon and a single atom is a huge challenge due to the tiny...

Im Focus: Freiburger Forschenden gelingt die erste Synthese eines kationischen Tetraederclusters in Lösung

Hauptgruppenatome kommen oft in kleinen Clustern vor, die neutral, negativ oder positiv geladen sein können. Das bekannteste neutrale sogenannte Tetraedercluster ist der weiße Phosphor (P4), aber darüber hinaus sind weitere Tetraeder als Substanz isolierbar. Es handelt sich um Moleküle aus vier Atomen, deren räumliche Anordnung einem Tetraeder aus gleichseitigen Dreiecken entspricht. Bisher waren neben mindestens sechs neutralen Versionen wie As4 oder AsP3 eine Vielzahl von negativ geladenen Tetraedern wie In2Sb22– bekannt, jedoch keine kationischen, also positiv geladenen Varianten.

Ein Team um Prof. Dr. Ingo Krossing vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg ist es gelungen, diese positiv geladenen...

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

13. Aachener Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung – »Collaborate to Innovate: Making the Net Work«

22.10.2019 | Veranstaltungen

Serienfertigung von XXL-Produkten: Expertentreffen in Hannover

22.10.2019 | Veranstaltungen

Digitales-Krankenhaus – wo bleibt der Mensch?

21.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

13. Aachener Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung – »Collaborate to Innovate: Making the Net Work«

22.10.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Studenten entwickeln einen Koffer, der automatisch auf Schritt und Tritt folgt

22.10.2019 | Innovative Produkte

Chemikern der Universität Münster gelingt Herstellung neuartiger Lewis-Supersäuren auf Phosphor-Basis

22.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics