Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachhaltiges Wassermanagement für das Jordantal

24.06.2014

Der untere Jordan und seine Zuflüsse sind die Lebensadern für eine Region mit über 6 Millionen Einwohnern. Sauberes Trinkwasser wird dort immer knapper.

Unter der Federführung des KIT hat das internationale Projekt SMART Daten zusammengetragen, Konzepte entwickelt und Pilotanlagen initiiert, um die Wasserversorgung auch in Zukunft zu gewährleisten. Zum Ende der Projektlaufzeit stellt SMART die Ergebnisse in einem wissenschaftlichen Workshop am 26. Juni 2014 in Karlsruhe vor. Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen.


Die Trinkwasserquelle Hazzir versorgt Teile der Region Wadi Shueib. Die Gründe für Kontamination mit Nitraten und Fäkalien hat das Projekt SMART aufgedeckt.

Bild: SMART/KIT

„In den letzten vier Jahren haben wir begonnen die Forschungsergebnisse praktisch umzusetzen“, erklärt Nico Goldscheider vom KIT, der SMART koordiniert. Dazu wurden in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden Pilotanlagen geplant und installiert. Im Jordanischen Fuheis entstand eine Demonatrations-Anlage zur dezentralen Abwasseraufbereitung, deren Technik mittlerweile auch in mehreren lokalen Gemeinden verwendet wird. In Karame, Jordanien, liefert eine Entsalzungsanlage rund 200 Kubikmeter Trinkwasser und versorgt so etwa 650 Einwohner.

Des Weiteren erforscht SMART, wie durch Versickerungsbecken die seltenen, aber manchmal sehr heftigen Niederschläge im geologischen Untergrund gespeichert werden können. Diese „künstliche Grundwasserneubildung“ in natürlichen Speicherräumen schützt das Wasser vor Verdunstung. Die Wissenschaftler haben geeignete natürliche Speicher in Sedimenten und Gesteinen erkundet und Wasserkreisläufe kartiert. Dies ist auch die Basis, um Grundwasser vor der Kontamination mit ungefilterten Abwässern zu schützen und die Qualität des Grundwassers flächendeckend zu gewährleisten.

Der dramatische Wassermangel im unteren Jordantal hängt unter anderem mit der Bevölkerungsentwicklung zusammen. Das Klima im Einzugsgebiet zwischen See Genezareth und Totem Meer ist sehr trocken, gleichzeitig wächst die Bevölkerung rasant. „In Jordanien ist die Bevölkerung von etwa 500.000 Menschen im Jahr 1952 auf heute über sechs Millionen angewachsen, das bedeutet zehnmal mehr Menschen brauchen Trinkwasser“, erläutert Goldscheider.

Der Wasserbedarf überschreitet das verfügbare Wasserangebot um ein Vielfaches. „Eine sichtbare Folge ist der rapide Schwund des Toten Meeres – dessen Oberfläche sinkt pro Jahr um etwa einen Meter“. Am KIT sind neben Goldscheiders federführendem Lehrstuhl für Hydrogeologie weitere Institute und Wissenschaftler an SMART beteiligt. So befasst sich der Lehrstuhl für Wasserchemie am Engler-Bunte-Institut (EBI) mit der Entsalzung von Brackwasser.

Da das brackische Quell- oder Grundwasser weniger salzig als Meerwasser ist, lässt es sich mit geringerem Energieaufwand entsalzen. Da es auch im Landesinneren zu finden ist, muss das aufbereitete Wasser nicht weit transportiert werden, sondern kann dezentral zum Trinken und für die Landwirtschaft bereitgestellt werden.

Neben den technischen und wissenschaftlichen Meilensteinen war eine Informationskampagne Teil des SMART-Projektes. Durch die Einbindung von Bevölkerung, Behörden und Entscheidern in der Region sollten nachhaltige Lösungen initiiert werden. Technische Lösungen wurden in die nationalen Wasserstrategien und den sozio-ökonomischen Rahmen eingebunden. Mit einer Unterrichtsreihe über Wasser wurde bei rund 5000 Schülern in der Region ein Grundverständnis für ökologische Zusammenhänge gelegt. Techniker und Studenten wurden ausgebildet.

An der jetzt abgeschlossenen zweiten Phase (2010-2014) von SMART (Sustainable Management of Available Water Resources with Innovative Technologies) beteiligt waren unter anderem die Ben Gurion Universität des Negev, die Universität Tel Aviv, die palästinensische Al-Quds-Universität und die Jordanische Universität in Amman. An der Kooperation beteiligt sind außerdem Ministerien, Wasserversorgungsunternehmen und Behörden sowie lokale Entscheidungsträger.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierte diese Projektphase mit rund 9 Millionen Euro. „In Zukunft wollen wir dazu beitragen, dass die noch singulären Projekte flächendeckend greifen“, erläutert Goldscheider. Dazu ist eine dritte Phase des SMART-Projektes bereits beantragt.

Koordinaten der Veranstaltung:

Statusseminar SMART II

26. Juni 2014, 8.30-18:00 Uhr

Schlosshotel Karlsruhe, Bahnhofplatz 2

Webseite des SMART-Projekts:

http://www.iwrm-smart2.org

Weiterer Kontakt:
Kosta Schinarakis, Presse, Kommunikation und Marketing, Themenscout, Tel.: +49 721 608-41956, Fax: +49 721 608-43658, E-Mail:schinarakis@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter mehr als 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 500 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Weitere Informationen:

http://www.kit.edu/kit/pi_2014_15315.php

Monika Landgraf | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics