Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit dem Forschungsflugzeug ins ewige Eis - Meteorologen starten Messkampagne

20.03.2019

Während in Deutschland allmählich der Frühling Einzug hält, brechen Forscher der Universität Leipzig und des Alfred-Wegener-Instituts in die Arktis auf, um der Klimaerwärmung auf den Grund zu gehen. Im Fokus ihrer Kampagne Arctic aircraft campaign Arctic Boundary Layer Fluxes (AFLUX) sind tiefliegende Wolken am Rand der Meereisfläche und deren Rückkopplung mit bodennahen Prozessen über dem Meereis.

Knapp fünf Wochen lang werden die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, der Universität Clermont-Ferrand in Frankreich sowie der Universitäten Köln und Leipzig von Spitzbergen aus zu einer Reihe von Messflügen aufbrechen.


Polar 5 - Polarflieger des Alfred-Wegener-Instituts in der Arktis.

Foto: Dr. André Ehrlich/Universität Leipzig

Die AFLUX-Kampagne ist die dritte in einer Serie von drei großen Expeditionen mit dem Polarflugzeug im Rahmen unserer Arktisforschung“, sagt Prof. Dr. Manfred Wendisch vom Institut für Meteorologie der Universität Leipzig. Er ist zugleich Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereiches (SFB) Transregio 172 „Arktische Klimaveränderung“.

Im SFB-Forschungsverbund sollen Klimaentwicklungen in der Arktis über längere Zeiträume und mit verschiedenen Methoden beobachtet werden. Die Verlässlichkeit von Modellen zur Vorhersage der Erwärmung weltweit und speziell in der Arktis soll so weiterentwickelt werden. Viele Faktoren, die das Klima dieser Region beeinflussen und so zur überdurchschnittlichen Erwärmung beitragen, sind jedoch noch nicht vollständig verstanden.

Die Messkampagne AFLUX wird von Dr. Christof Lüpkes vom Alfred-Wegener-Institut geleitet. Im Fokus stehen Wolken, die direkt über dem Meereis liegen, und ihre Rolle hinsichtlich der arktischen Erwärmung.

„Vor zwei Jahren gab es bereits eine große Messkampagne, dort sind aber noch Fragen offengeblieben. Dieses Mal konzentrieren wir uns ganz gezielt auf die Energieflüsse in der arktischen Grenzschicht“, erklärt Lüpkes. Dr. André Ehrlich von der Universität Leipzig fügt hinzu: "Die Randgebiete der arktischen Eisfläche werden sich in Zukunft, bei einem weiteren Abschmelzen des Meereises, ausdehnen.

Genau diese Regionen haben jedoch einen sehr starken Einfluss auf Wolken und dadurch auf den Energiehaushalt der Arktis.“ So können sich nach aktuellen Erkenntnissen Wolken, die über die Meereiskante strömen – abhängig von der Verteilung und Dichte der Eisschollen – in nur wenigen Stunden deutlich ändern.

Aufgrund fehlender Messdaten sind diese Effekte in aktuellen Klimamodellen leider noch unzureichend beschrieben. Genau hier sollen die Messungen von AFLUX helfen, um gezielt die Prozesse in den Randgebieten des Meereises zu untersuchen.

AFLUX stellt für die Wissenschaftler den Endspurt der ersten Förderperiode des SFB dar. Wendisch erläutert: „Die erste Phase war hauptsächlich lokal, also räumlich begrenzt orientiert. In der zweiten Phase wollen wir unseren Fokus auf regionale Einflüsse und Ursachen, die nicht vor Ort liegen, erweitern. Wir freuen uns auf zwei weitere große Highlights, die MOSAiC-Expedition und HALO-(AC)³.“ Bei HALO-(AC)³ sollen mit Hilfe des deutschen Forschungsflugzeugs HALO vor allem arktische Kaltluftausbrüche und Warmluft-Vorstöße in die Arktis untersucht werden, denn möglicherweise besteht ein Zusammenhang dieser Kaltluftausbrüche aus der inneren Arktis mit den derzeitigen milden Wintern in Mitteleuropa.

Auf der MOSAiC-Expedition, die im September startet, wird der deutsche Eisbrecher Polarstern in die Arktis aufbrechen und ein Jahr lang fest eingefroren im arktischen Eis durch das Nordpolarmeer driften. Insgesamt werden 600 Menschen aus 17 Ländern teilnehmen. Geleitet wird die größte Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. André Ehrlich
Leipziger Instituts für Meteorologie (LIM)
Telefon: +49 341 97-32874
E-Mail: a.ehrlich@uni-leipzig.de


Prof. Dr. Manfred Wendisch
Leipziger Institut für Meteorologie (LIM)
Telefon: +49 341 97-32851
E-Mail: m.wendisch@uni-leipzig.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-leipzig.de/~meteo

http://www.ac3-tr.de/overview/observations/aflux-2019/

http://www.mosaic-expedition.org/

Susann Huster | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Messmethode zur Datierung von Gletschereis
23.04.2019 | Universität Heidelberg

nachricht Was die Schwerkraft der Erde über den Klimawandel verrät
16.04.2019 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenmaterie fest und supraflüssig zugleich

Forscher um Francesca Ferlaino an der Universität Innsbruck und an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften haben in dipolaren Quantengasen aus Erbium- und Dysprosiumatomen suprasolide Zustände beobachtet. Im Dysprosiumgas ist dieser exotische Materiezustand außerordentlich langlebig, was die Tür für eingehendere Untersuchungen weit aufstößt.

Suprasolidität ist ein paradoxer Zustand, in dem die Materie sowohl supraflüssige als auch kristalline Eigenschaften besitzt. Die Teilchen sind wie in einem...

Im Focus: Quantum gas turns supersolid

Researchers led by Francesca Ferlaino from the University of Innsbruck and the Austrian Academy of Sciences report in Physical Review X on the observation of supersolid behavior in dipolar quantum gases of erbium and dysprosium. In the dysprosium gas these properties are unprecedentedly long-lived. This sets the stage for future investigations into the nature of this exotic phase of matter.

Supersolidity is a paradoxical state where the matter is both crystallized and superfluid. Predicted 50 years ago, such a counter-intuitive phase, featuring...

Im Focus: Explosion on Jupiter-sized star 10 times more powerful than ever seen on our sun

A stellar flare 10 times more powerful than anything seen on our sun has burst from an ultracool star almost the same size as Jupiter

  • Coolest and smallest star to produce a superflare found
  • Star is a tenth of the radius of our Sun
  • Researchers led by University of Warwick could only see...

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Künstliche Intelligenz verbessert Stromübertragung

24.04.2019 | Informationstechnologie

Individuelle Implantate sollen Regeneration ermöglichen

24.04.2019 | Medizintechnik

Im Labyrinth offenbaren Bakterien ihre Individualität

23.04.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics