Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsch-serbisches Archäologenteam stößt auf seltene Marmorskulptur einer Jagdszene

26.07.2010
Fragment im spätantiken Kaiserpalast Felix Romuliana/Ostserbien entdeckt

Die Fragmente, die bei Gamzigrad in Ostserbien gefunden wurden, zeigen einen Ausschnitt einer ehemals etwas unterlebensgrossen rundplastischen Darstellung des "Thrakischen Reiters" im Gestus des erfolgreichen Jägers.

Bei geomagnetischen Prospektionen im Umfeld der spätrömischen Palastanlage Felix Romuliana konnte ca. 30 m nördlich der eigentlichen Palastmauern ein Architekturkomplex lokalisiert worden, bei dem es sich wahrscheinlich um eine römische Villa rustica handelt, die in der aktuell laufenden Grabungskampagne archäologisch untersucht wird.

Bedingt durch die Hanglage und die langjährige Beackerung des Areals ist das Gebäude weitgehend zerstört. Umso überraschender, dass nicht nur einzelne farbige Mosaiksteinchen und Fragmente von einer marmornen Wandverkleidung in der Schuttschicht zu Tage kommen, sondern kaum 30 cm unter der Ackeroberfläche eine relativ gut erhaltene Marmorskulptur: Mehrere 50 cm große Figuren ruhen auf einer 1,10 x 0,33 m großen Standplatte. Von dem sich aufbäumenden Pferd sind noch die hinteren Hufe erhalten. Davor erscheint der Jagdhund, der einen Eber ins Hinterbein beisst. Den Eber hat bereits die Lanze des Jägers durchbohrt, und er bricht zusammen. Vergleichbare Darstellungen finden sich üblicherweise auf Reliefplatten aus den Provinzen aus dem Balkanraum und werden in das 2. und frühe 3. Jh. n. Chr. datiert. Rundplastische Darstellungen hingegen sind selten.

Die Arbeiten in Felix Romuliana
Die tetrarchischen Kaiser ließen sich an zahlreichen Orten im Römischen Reich neue Residenzstädte prachtvoll ausbauen. Die Anlagen von Spalato (Split, Kroatien) und Felix Romuliana nehmen dabei eine Sonderstellung ein. Hier dürfte es sich um Altersruhesitze für die abgedankten Kaiser gehandelt haben.

Felix Romuliana gehört zu den imposantesten spätantiken Palastanlagen. Die umwehrte Anlage liegt im heutigen Ostserbien unweit des modernen Dorfes Gamzigrad im Tal des Timok (in der Nähe der Provinzhauptstadt Zajeèar). In der Spätantike gehörte der Ort zur Provinz Dacia ripensis.

Seit 1953 wird die zunächst als römische Festung angesehene Anlage von serbischen Archäologen systematisch erforscht. Von 1970 bis 1996 wurden die Arbeiten von Dragoslav Srejoviæ geleitet, dem durch den Fund eines Architekturfragmentes mit der Inschrift Felix Romuliana und eines überlebensgroßen Porträtkopfes aus ägyptischem roten Porphyr die Identifizierung als Palast des Tetrarchen Galerius, des Mitkaisers und Schwiegersohnes von Kaiser Dioklitian (284-305 n.Chr.) gelang. Seit 2007 steht die Anlage, deren Umfassungsmauern noch bis zu 10 m hoch erhalten sind, auf der UNESCO-Welterbeliste.

Seit 2004 wird das Areal nun von einem deutsch-serbischen Team untersucht. Daran beteiligt sind auf serbischer Seite das Archäologische Institut Belgrad, der Archäologische Lehrstuhl der Philosophischen Fakultät an der Universität Belgrad, das Nationalinstitut in Zajeèar sowie auf deutscher Seite das Deutsche Archäologische Institut mit der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt/Main und dem Architekturreferat in Berlin.

Ein Ziel des deutsch-serbischen Gemeinschaftsprojektes ist eine Neuvermessung der Gesamtanlage als Grundlage für bauforscherische Untersuchungen der Entwicklung des Gesamtkomplexes, die auch eine weitere Untersuchung der Innenbebauung des Palastes und der Grabmonumente auf der nahegelegenen Magura-Höhe beinhalten.

Ein weiteres Ziel ist die Feststellung und Untersuchung von Siedlungsstrukturen im näheren Umfeld des Palastes. Hierfür werden außerhalb der ummauerten Anlage geophysikalische Prospektionen durchgeführt und durch archäologische Sondagegrabungen zur zeitlichen und funktionalen Bestimmung entdeckter Baustrukturen ergänzt.

Im Rahmen des Excellenzcluster Topoi der Berliner Universitäten, an dem auch das DAI beteiligt ist, wird zudem seit zwei Jahren das weitere Umfeld von Felix Romuliana mit archäologischen und geowissenschaftlichen Methoden erforscht. Es soll geklärt werden, warum der spätantike Palast in dieser auf den ersten Blick sehr abseits gelegenen Landschaft errichtet wurde.

Weitere Informationen zu den Arbeiten in Gamzigrad finden Sie auf der Projektseite unter www.dainst.org.

Als Ansprechpartnerinnen steht Ihnen Dr. Gerda Sommer-von Bülow (vonbuelow@rgk.dainst.de) und Prof. Dr.-Ing. Ulrike Wulf-Rheidt (uwr@dainst.de) gerne zur Verfügung.

Nicole Kehrer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dainst.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gebirge in Bewegung
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Künstliche Gletscher als Antwort auf den Klimawandel?
09.08.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Helfer bei der Zellreinigung

14.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Oberflächeneigenschaften für holzbasierte Werkstoffe

14.08.2018 | Materialwissenschaften

Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb

14.08.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics