Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bodenerosionsatlas Hessen 2018

05.12.2018

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie hat den Bodenerosionsatlas Hessen 2018 veröffentlicht. Der Atlas weist Bereiche mit einem hohen Erosionsrisiko aus und unterstützt so Landwirte dabei, erosionsmindernde Maßnahmen zu planen. Für die Bauleitplanung dient er dazu, Standorte zu erkennen, für die zusätzliche Maßnahmen zum Schutz einer geplanten Bebauung nötig sind.

Bei ackerbaulicher Bodennutzung lässt sich Bodenerosion nicht vollständig vermeiden. Durch gezielte Maßnahmen kann sie aber auf ein vertretbares Maß begrenzt werden. Hierfür sind Kenntnisse über die Erosionsgefährdung der jeweiligen Flächen notwendig.


Der Erosionsatlas im BodenViewer Hessen

HLNUG

Zu diesem Zweck hat das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) schon 2013 einen Erosionsatlas herausgegeben, der nun in der 2. Auflage mit einer deutlich höheren Auflösung von 5 Meter unter https://www.hlnug.de/?id=8569 oder direkt im BodenViewer Hessen (http://bodenviewer.hessen.de) abrufbar ist.

Die Erstellung des Hessischen Erosionsatlasses erfolgte wie schon 2013 im Rahmen einer Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich (IBG-3: Agrosphäre, Dr. Björn Tetzlaff).

In Hessen gab es in diesem, wie auch in den letzten Jahren, zahlreiche massive Erosionsereignisse. Meist tauchen diese Ereignisse unter dem Titel Sturzflut in der Presse auf! Die Schlammmassen kommen in dessen im Regelfall von Boden der Ackerflächen in einem Einzugsgebiet.

Gerade die mit „Schlamm“ behafteten Sturzfluten führen zu vielerlei Schäden an Infrastruktur und Gebäuden.
Mitursächlich dafür sind extreme Niederschlagsereignisse, wie sie im Zeichen des Klimawandels noch häufiger zu erwarten sind.

Daneben spielt die Vergrößerung der Anbauparzellen und die Ausweitung des Maisanbaus eine wichtige Rolle. Die Erosionsproblematik wird oft erst bei direkter Betroffenheit wahrgenommen.

Der jährlich stattfindende schleichende Erosionsprozess, bliebt meist unbeachtet, obwohl er ein beträchtliches Ausmaß einnimmt. Die Bodenerosion verlagert in Hessen mehr als eine Million Tonnen Boden jährlich.

Weltweit geht man von einem Bodenverlust von etwa 24 Milliarden Tonnen pro Jahr aus. Von dem abgetragenen Material verbleibt etwa ein Drittel auf den Unterhängen der Felder. Ein weiteres Drittel wird in Bäche, Flüsse, Seen und vor allem in der Aue sedimentiert.

Ein weiterer großer Teil wird letztendlich über die Flüsse ins Meer transportiert. Das Bodensubstrat ist somit für die vielfältigen Bodenfunktionen der Erosionsstandorte verloren.

Der Erosionsatlas bietet Landwirten, Planern und allen Interessierten einen detaillierten Überblick zur teilschlagspezifischen Erosionsempfindlichkeit von Bewirtschaftungsflächen.

Hiermit lässt sich schnell erkennen, auf welchen Ackerschlägen ein hohes Erosionsrisiko vorhanden ist und wo erosionsfördernde Kulturen vermieden oder mit erosionshemmenden Maßnahmen begleitet werden sollten. Damit können gezielt erosionsmindernde Maßnahmen wie Zwischenfruchtanbau und Untersaaten oder Erosionsschutzstreifen geplant werden.

Erfahrene Berater und Fachpersonal aus dem Bereich Landwirtschaft, Gewässer- und Bodenschutz sowie der Flurbereinigung können mit dem Atlas rasch erkennen wo zusätzliche Maßnahmen zum Erosionsschutz erforderlich sind und gegebenenfalls betriebsspezifische Lösungen entwickeln.

Spezielle Maßnahmen wie die konservierende Bodenbearbeitung können dabei einen Beitrag leisten. Hierzu gibt es eine allgemeine Beratung durch den Landesbetrieb Landwirtschaft, vor allem im Rahmen des Gewässerschutzes, und spezifische Beratungsmöglichkeiten für Landwirte beispielsweise im Rahmen von Kooperationen und Verbänden.

Bodenerosion spielt aber auch für die Bauleitplanung eine zunehmend wichtige Rolle. In Ortsrandlage werden heute häufig Standorte bebaut, die früher mehr oder weniger bewusst als Puffer für Erosionsereignisse dienten.

Ob ein Standort gefährdet ist und gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen zum Schutz einer geplanten Bebauung nötig sind, kann aus den Daten des Erosionsatlas abgeleitet werden.

Der Bodenerosionsatlas bietet somit für Bürger, Bewirtschafter, Planer und Fachverwaltung vielfältige Einsatzmöglichkeiten und stellt ein zusätzliches Werkzeug für den Vorsorgenden Bodenschutz in Hessen dar.

Hintergrundinformationen:

In Hessen wird Bodenerosion vor allem durch Niederschlagswasser ausgelöst, während die Erosion durch Wind eine untergeordnete Rolle spielt. Die Hauptfaktoren, die zur Analyse der Bodenerosion durch Wasser betrachtet werden müssen, sind Klima, Topographie, Bodenzustand, Bodenbedeckung und Bodenbearbeitung.

Um die Erosionsgefährdung auf Ackerflächen zu bewerten und somit eine Grundlage zur gezielten Bekämpfung von Bodenerosion zu erhalten, gibt es unterschiedliche Modelle. Für den Bodenerosionsatlas wird ein allgemein anerkanntes Erosionsmodell, die sogenannte Allgemeine Bodenabtragsgleichung (ABAG), zur Ermittlung potenzieller Bodenabträge durch Wasser eingesetzt.

Hiermit lässt sich ein langjährig zu erwartender mittlerer, flächenhafter Bodenabtrag durch Regen abschätzen. Dabei werden die oben genannten Hauptfaktoren der Bodenerosion für die hessische Agrarlandschaft eingespeist, der langjährig zu erwartende, mittlere Bodenabtrag berechnet und in Erosionsgefährdungsklassen nach DIN 19708-2017 eingestuft.

Der Erosionsatlas zeigt drei Szenarien auf: Die Ermittlung der Erosionsgefährdung auf Grundlage der Fruchtfolge am Standort (Zeitreihe 2011 bis 2016) soll die regional typischen Verhältnisse des Bodenbedeckungsfaktors widerspiegeln.

Die Erosionsgefährdung bei einer Fruchtart mit geringem (Winterweizen) und hohem (Mais) Erosionsrisiko zeigen zusätzlich den starken Einfluss der Bodenbedeckung auf. Mit der Darstellung der einzelnen Erosionsfaktoren kann zusätzlich die spezifische Sensitivität einer Standortsituation nachvollzogen werden.

Weitere Informationen:

https://www.hlnug.de/?id=8569
http://bodenviewer.hessen.de

Dipl. Mathematiker Helmut Weinberger | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues aus der Kinderstube der Diamanten
18.06.2019 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Schwerefeldbestimmung der Erde so genau wie noch nie
13.06.2019 | Technische Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

Globalisierung und Klimawandel sind zwei der großen Herausforderungen für die Luftfahrt. Der »European Flightpath 2050 – Europe’s Vision for Aviation« der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation sieht für Europa eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit einer angemessenen Mobilität der Fluggäste, Sicherheit und Umweltschutz vor. Dazu müssen sich Design, Fertigung und Systemintegration weiterentwickeln. Einen vielversprechenden Ansatz bietet eine wissenschaftliche Kooperation in Aachen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Lehrstuhl für Digital Additive Production DAP der RWTH Aachen entwickeln zurzeit eine...

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Im Focus: MPSD-Team entdeckt lichtinduzierte Ferroelektrizität in Strontiumtitanat

Mit Licht lassen sich Materialeigenschaften nicht nur messen, sondern auch verändern. Besonders interessant sind dabei Fälle, in denen eine fundamentale Eigenschaft eines Materials verändert werden kann, wie z.B. die Fähigkeit, Strom zu leiten oder Informationen in einem magnetischen Zustand zu speichern. Ein Team um Andrea Cavalleri vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie in Hamburg, hat nun Lichtimpulse aus dem Terahertz-Frequenzspektrum benutzt, um ein nicht-ferroelektrisches Material in ein ferroelektrisches umzuwandeln.

Ferroelektrizität ist ein Zustand, in dem die Atome im Kristallgitter eine bestimmte Richtung "aufzeigen" und dadurch eine makroskopische elektrische...

Im Focus: MPSD team discovers light-induced ferroelectricity in strontium titanate

Light can be used not only to measure materials’ properties, but also to change them. Especially interesting are those cases in which the function of a material can be modified, such as its ability to conduct electricity or to store information in its magnetic state. A team led by Andrea Cavalleri from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg used terahertz frequency light pulses to transform a non-ferroelectric material into a ferroelectric one.

Ferroelectricity is a state in which the constituent lattice “looks” in one specific direction, forming a macroscopic electrical polarisation. The ability to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

KI meets Training

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Saubere Lunge dank Laserprozessabsaugung

18.06.2019 | Maschinenbau

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Ionenkanal mit Türsteher: Calcium-Ionen blockieren Kanalöffnung in Abhängigkeit vom pH-Wert

18.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics