Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch das Postamt ist gewandert - Potsdamer Geoökologen untersuchen die Rutschbewegung des Heumöser Hanges in den Vorarlberger Al

27.04.2007
In der Gemeinde Ebnit am Heumöser Hang in den Vorarlberger Alpen passiert Ungewöhnliches. Dort kann sich innerhalb von vier bis fünf Jahren die Scheune durchaus mehr als einen Meter vom Haus weg bewegen. Auch das Postamt ist nicht mehr dort, wo es einmal war.

Ursache für diese mobilen Immobilien ist die Kriechbewegung des Heumöser Hanges von bis zu zehn Zentimetern pro Jahr, die laut Ortsvorsteher Wilfried Peter seit mehr als 15 Jahren auftritt. Potsdamer Geoökologen um Juniorprofessor Erwin Zehe untersuchen dieses Phänomen seit 2006. Ihre Arbeit ist eingebunden in die einer Forschergruppe, zu der auch Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin und der Universität Stuttgart gehören.

Rutscht der gesamte Hangkörper auf dem Festgestein oder hat sich eine Gleitfuge gebildet? Und wenn ja, in welcher Tiefe? Welchen Einfluss haben die mehr als 2500 Millimeter Niederschlag pro Jahr, die im Sommer in Ereignissen bis zu 270 Millimetern pro Tag (ein Drittel des deutschen Jahresniederschlags) auf den Hang prasseln? Das sind Fragen, denen das Team nachgeht. Um ihrer Klärung näher zu kommen, wurde in Zusammenarbeit mit örtlichen Behörden ein umfassendes Beobachtungsnetz eingerichtet. Der Niederschlag, der Abfluss dreier Bäche sowie die Schüttung einer Quelle am Fuße des südwestlichen Teils werden kontinuierlich gemessen. Zusätzlich werden in zwei Bohrlöchern die Fluktuation des Grundwasserstands und die Verformung des Hangkörpers registriert. Weiterhin werden Kenngrößen wie die Durchlässigkeit der Böden und geotechnische Parameter ermittelt.

Erste Analysen haben gezeigt, dass die Hangbewegung nur in den Zeiträumen besonders stark ist, in denen sich Niederschlagsereignisse einer Menge von mehr als 30 Millimetern pro Tag anhäufen. Deshalb gehen die Wissenschaftler von der Hypothese aus, dass sich bei starken Niederschlägen ein so genanntes artesisches System bildet. Das bedeutet, im Südwestteil des Hanges baut sich ein Stauwasserkörper auf, der Anschluss an einen Grundwasserleiter im unteren Hangbereich findet. So eine zusammenhängende "Wassersäule" würde aufgrund der Höhendifferenz von circa 50 Metern immense Auftriebskräfte im unteren Hangbereich erzeugen und den Hang schwächen. Obwohl bereits Hinweise auf eine Scherzone in sieben bis acht Meter Tiefe vorliegen und die beobachteten Reaktionen der Quelle und der Grundwasserstand zur Idee des artesischen Systems passen, muss diese Vermutung aber noch weiter geprüft werden.

Interesse an den Untersuchungen haben dabei nicht nur die Wissenschaftler selbst, sondern auch die Bewohner der über 400 Jahre alten Gemeinde Ebnit. Sie müssen wissen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Heumöser Hang innerhalb der eigenen Lebensspanne versagt und ob sich dies vielleicht durch geotechnische Maßnahmen vermeiden lässt. Nur so können sie entscheiden, ob sie bleiben oder wegziehen.

Hinweis an die Redaktionen:
Für Fragen steht Ihnen Juniorprofessor Erwin Zehe im Institut für Geoökologie der Universität Potsdam unter Tel.: 0331/977-2675, -2018 und E-Mail: ezehe@uni-potsdam.de zur Verfügung. Diese Medieninformation ist auch unter http://www.uni-potsdam.de/pressmitt/2007/pm078_07.htm im Internet abrufbar.

Andrea Benthien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de

Weitere Berichte zu: Geoökologe Heumöser Vorarlberger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics