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Wie Taiga und Tundra das Weltklima beeinflussen - Forscher untersuchen Klimawandel in Sibirien

14.01.2002


Die meisten Wissenschaftler sind sich einig: Das Klima ändert sich, es wird langsam wärmer. Aber immer noch fehlt es an genauen Daten, viele Vorhersagen beruhen auf Modellen und Berechnungen.

Zumindest für ein Gebiet, das für das Weltklima wichtig, aber bisher nur unzureichend erforscht ist, soll sich dies in Kürze ändern: Sibirien. Die riesigen Wälder und Sümpfe von Tundra und Taiga reagieren nämlich besonders empfindlich auf einen Wechsel des Klimas. Die Europäische Union hat deshalb das Klimaforschungsprogramm "Siberia II" angeschoben und dafür 4,3 Millionen Euro locker gemacht. 14 Forschungsinstitute aus Westeuropa und Russland sind daran beteiligt. Die Federführung des Projekts liegt bei der Jenaer Geoinformatikerin und Expertin für Fernerkundung Prof. Christiane Schmullius, deren Forschergruppe mit rund 500.000 Euro unterstützt wird.

Ein hochkarätig besetztes Arbeitstreffen im Institut für Geographie der Jenaer Uni, Löbdergraben 32, 2. Stock, leitet das Programm vom 16. bis 18. Januar ein. Dabei stellen die beteiligten Forscher ihr Vorhaben in Einzelheiten vor und diskutieren darüber. Für den 18. Januar um 16 Uhr ist die Öffentlichkeit eingeladen, sich bei einer feierlichen Eröffnung in der Aula der Uni über das Projekt zu informieren.

Das Projekt "Siberia II" ist auf vorerst dreieinhalb Jahre angelegt. Die Forscher untersuchen ein Gebiet von zwei Millionen Quadratkilometern - dem sechsfachen der Größe der Bundesrepublik. Dabei helfen ihnen neben zahlreichen Bodenstationen auch ein Dutzend geowissenschaftliche Satelliten der europäischen, der amerikanischen und der japanischen Weltraumbehörde. Die Satelliten dienen dazu, erst einmal genaue Karten der Landnutzung und des Pflanzenwuchses zu erstellen. In einem zweiten Schritt werden dann alle zehn Tage die jahreszeitlichen Veränderungen festgestellt. Im Winter etwa kommt der Stoffwechsel der Pflanzen nahezu zum Erliegen, es werden keine organischen Stoffe mehr aufgebaut und auch kein Kohlenstoff aus der Luft mehr verbraucht. Dafür wirft jedoch der Schnee das Sonnenlicht zurück und heizt so die Luft auf. Schmilzt der Schnee im Frühjahr, so führt dies oft zu Überschwemmungen - viele Mikroorganismen sind von der Luft abgeschlossen und bilden dann Methan, das ebenfalls zu den Treibhausgasen gehört.

Bekannt sind diese Vorgänge schon länger, doch zum ersten Mal werden die Berechnungen und Modelle gründlich an der Wirklichkeit überprüft. Um die Flut der Daten von Satelliten und Messstationen zu bewältigen und auszuwerten, sind aufwändige Rechenverfahren und leistungsfähige Computer nötig. Einmal erarbeitet, lassen sich diese Verfahren auch auf Messwerte aus anderen Teilen der Erde anwenden.
Das Siberia-II-Programm hat eine eigene Internetseite:  http://www.geogr.uni-jena.de/~c9scch/fern/projekte/sib2/sibweb/index.htm
(in der internationalen Wissenschaftssprache Englisch).

Auf die Forschungen der Jenaer Geoinformatiker ist mittlerweile auch das Fernsehen aufmerksam geworden. So berichtet 3Sat am Mittwoch, dem 16. Januar, um 18.30 Uhr in seinem Wissenschaftsmagazin "nano" über das Siberia-II-Programm. Bereits am Dienstag, dem 15., und zusätzlich am Freitag, dem 18. Januar, informiert das MDR-Fernsehen in seinem "Thüringen-Journal" (jeweils um 19 Uhr) über das Forschungsvorhaben. Der "nano"-Beitrag wird am Donnerstag, dem 17. 1. um 9.45 Uhr auf 3sat, um 11.30 Uhr im MDR-TV, um 13.00 Uhr im Südwestfernsehen (SWR) und um 17.00 im Fernsehprogramm des Westdeutschen Rundfunks (WDR) wiederholt - auch wer keinen Videorecorder hat, sollte also mindestens eine der Sendungen sehen können.

Weitere Informationen: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Chemisch-Geowissenschaftliche Fakultät, Professur für Fernerkundung in der Geoinformatik, Löbdergraben 32, 07743 Jena, Prof. Dr. Christiane Schmullius, 03641/948877, Fax 03641/948852, E-Mail: c.schmullius@geogr.uni-jena.de

Hubert J. Gieß | idw

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