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Warum steigt der Meeresspiegel?

14.11.2001


Polarflugzeuge starten erstmals ab Bremerhaven in die Antarktis

Am 15. November 2001 um 8 Uhr werden die beiden Flugzeuge des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), Polar2 und Polar4, zum erstenmal von Bremerhaven-Luneort aus zu ihrem Einsatz in die Antarktis aufbrechen. Ziel der Mission sind Messungen der Eisdicke in ausgewählten Gebieten, um zu klären, ob die Eismenge in der Antarktis abnimmt und damit der Meeresspiegel steigt. Ein weiterer Programmpunkt sind Messungen des Magnet- und des Schwerefeldes der Erde. Auch die logistische Unterstützung der Forschungsprojekte in diesem unzugänglichen Gebiet gehört zu den Aufgaben der Flugzeuge.

Das Eis auf dem antarktischen Kontinent ist ständig in Bewegung: Es fließt zum Meer, Schnee fällt von oben nach und wird zu neuem Eis, das im Laufe von Jahren unter neuem Schnee versinkt und in Richtung Meer fließt. Dort bricht es ab, folgt als Eisberg den Strömungen in den Ozeanen und schmilzt. Ob insgesamt mehr Eis aus der Antarktis abfließt als neu entsteht und somit eventuell der Meeresspiegel steigt, das wollen die Forscher von SEAL (Sea Level Change), einem Projekt der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, wissen. Zu diesem Zweck werden sie an ganz bestimmten Stellen die Eisdicke per Radar messen. Diese Zahlen werden dann in Modellrechnungen eingehen und Antworten geben. Gegenwärtig ergeben diese Rechnungen, dass bei zunehmender Erderwärmung die Menge des Eises in der Antarktis eher zunimmt. Dadurch wird einem Anstieg des Meeresspiegels entgegengewirkt.
Weitere Messungen der Flugzeuge sind Teil des europäischen Projektes EPICA (European Project for Ice Coring in Antarctica). Sie liefern Parameter für das theoretische Verständnis des antarktischen Eisschildes und damit auch für die Interpretation der tiefen Eisbohrkerne, die auf der Kohnen-Station und auf der Station Dome Charlie in der Ostantarktis (gegenüber Australien) gewonnen werden. Mathematische Modelle, die am Alfred-Wegener-Institut berechnet wurden, können mit diesen neuen Daten bestätigt oder modifiziert werden. Zutreffende Modelle sind sehr wichtig, um die Eisbohrkerne richtig interpretieren zu können.
Um Messungen von Satelliten zu ergänzen, werden die Flugzeuge auf einer ausgesuchten Testfläche außer der Eisdicke auch das Schwerefeld der Erde an dieser Stelle und ihr Magnetfeld messen. Diese werden mit den Satellitendaten verglichen und ergeben dann ein genaues Bild der Erdkruste und der Massenbilanz des Eises an dieser Stelle. Auf diese Weise kann auch bestimmt werden, wie die Landschaft unter dem ewigen Eis im Dronning Maud Land beschaffen ist.

Die Flugzeuge und ihre Besatzungen reisen wie gewohnt über Südamerika und die britischen Stationen Rothera (Antarktische Halbinsel) und Halley (Brunt Ice Shelf) zunächst zur Neumayer-Station. Dort werden sie am 10. Dezember eintreffen. Hier ist die Basis für die Messflüge. Zu den Aufgaben der Flugzeuge gehört es auch, beispielsweise die erbohrten Eiskerne von der Kohnen-Station, die etwa 500 Kilometer im Innern des Landes liegt, zur Neumayer-Station zu transportieren, von wo aus sie per Schiff weiter nach Bremerhaven gebracht werden.
Bislang waren die Flugzeuge in Braunschweig und Oberpfaffenhofen stationiert. Damit in Zukunft eine noch engere Verzahnung zwischen den Wissenschaftlern des AWI und dem wissenschaftlichen Flugzeugbetrieb stattfinden kann, sollen die Flugzeuge nun dauerhaft in Luneort stationiert sein. Dazu wird ein Wartungsbetrieb eingerichtet und ein Bürohaus neu gebaut.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird in dieser Saison erstmals den gesamten Flugbetrieb übernehmen und stellt auch die Piloten. Die Firma Optimare sichert die Betreuung der wissenschaftlichen Ausrüstung.

Dipl.-Ing. Margarete Pauls | idw

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