Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

AMORE 2001: Mainzer Max-Planck-Forscher suchen Vulkane im Eismeer

24.07.2001


Geplante Route der Forschungsschiffe


Am 31. Juli wird eine internationale Arktisexpedition mit dem Forschungsschiff "Polarstern" vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und dem neuen US-amerikanischen Forschungseisbrecher "Healy" aufbrechen, um den bis jetzt kaum erforschten Gakkel-Rücken, eine besondere Meeresbodenspreizung und Gebiet aktiven Vulkanismus, zu erkunden. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz werden dabei die petrologischen und geochemischen Untersuchungen auf der "Polarstern" koordinieren.

Die Erdkruste, die unter dem Meer liegt, wird Jahr für Jahr durch massiven submarinen Vulkanismus neu gebildet. Jährlich entstehen entlang des 75.000 Kilometer langen mittelozeanischen Rückens mehr als 20 Kubikkilometer neue Ozeankruste, ein Vorgang, der eine Schlüsselrolle in der globalen Plattentektonik spielt. Das Magma entsteht wenn der feste Erdmantel unter dem Ozeanrücken teilweise aufschmilzt. Das flüssige, glutheiße Basaltmagma steigt empor und bricht als neue Kruste am Meeresboden aus. Der Gakkel-Rücken (s. Abbildung) - die Fortsetzung des mittelatlantischen Rückens im Nordpolarmeer - ist, mit etwa einem Zentimeter pro Jahr, der sich am langsamsten spreizende ozeanische Rücken der Erde. Theoretische Modelle sagen deswegen ein extrem geringes Aufschmelzen des Erdmantels unter diesem basaltischen Rücken voraus. Das ist keine Folge der arktischen Kälte, sondern der sehr langsamen Auseinanderspreizung des arktischen Meeresbodens. Dieses geringe Aufschmelzen ist von wissenschaftlicher Bedeutung, weil die dadurch entstandenen Magmen eine wichtige Komponente in allen Vulkanmagmen der Erde darstellen. Jedoch sind sie extrem schwierig isoliert zu beobachten Das Ziel dieser Expedition ist es, Magmen aus geringfügiger Aufschmelzung und deren Residuen, sogenannte Peridotite, am Gakkel-Rücken zu suchen.

Bisherige Erkenntnisse über den Gakkel-Rücken stammen von einer einzigartigen Kooperation zwischen US-Militär und Zivilforscher. Seit 1996 nutzen amerikanische Forscher Atom-U-Boote der US-Marine, um wissenschaftliche Messungen am Boden des Nordpolarmeers durchzuführen. 1999 entdeckten deutsche Seismologen Hinweise auf aktive Vulkanausbrüche am Gakkel-Rücken, die von den amerikanischen Kollegen kurz darauf bestätigt wurden. Die ersten Basaltproben aus diesem Gebiet, die über die Jahre zufällig (in fehlgeschlagenen Sedimentkernungen) geborgen wurden, deuten den erwarteten sehr geringen Aufschmelzgrad des Erdmantels an. "Den endgültigen Beweis soll uns diese Expedition liefern", meint Dr. Jonathan Snow von der Abteilung Geochemie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie.

Die zehnwöchige Arktiskampagne unter dem Acronym AMORE 2001 (Arctic Mid-Ocean Ridge Expedition) wird im norwegischen Tromsø starten. Die beiden Eisbrecher werden über 60 deutsche und amerikanische Wissenschaftler bis in die direkte Nähe des geographischen Nordpols bringen. Die Schiffe werden im Konvoi arbeiten, um sich gegenseitig bei den geophysikalischen Arbeiten und Gesteinsbeprobungen aus dem über 4000 Meter tief liegenden Ozeanboden zu unterstützen. Unter den Bedingungen einer fast geschlossenen Eisdecke stellen diese Arbeiten eine große Herausforderung für Wissenschaftler und Besatzungen dar. Die beteiligten Wissenschaftler kommen von namhaften Forschungseinrichtungen wie z.B. dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, den Universitäten Bremen und Kiel, der Woods Hole Oceanographic Institution und dem Lamont-Doherty Earth Observatory an der Columbia University. Dr. Jonathan Snow vom Max-Planck-Institut für Chemie leitet die Arbeitsgruppe Petrologie auf der "Polarstern", ein Team von etwa 20 Mitarbeitern aus verschiedenen deutschen Forschungseinrichtungen.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

PD Dr. Jonathan Snow
Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz
Tel.:06131/305-202
Fax: 06131/371-051
E-Mail: jesnow@mpch-mainz.mpg.de

Dr. Mirjana Kotowski | idw
Weitere Informationen:
http:///www.mpch-mainz.mpg.de/~geo/Arctic/index.html

Weitere Berichte zu: AMORE Erdmantel Gakkel-Rücken

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Was unter dem Yellowstone-Vulkan passiert
17.10.2019 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Eine Festung aus Eis und Schnee
04.10.2019 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

Verletzungen des Sprunggelenks immer ärztlich abklären lassen

16.10.2019 | Veranstaltungen

Digitalisierung trifft Energiewende

15.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Dehnbare Elektronik: Neues Verfahren vereinfacht Herstellung funktionaler Prototypen

17.10.2019 | Materialwissenschaften

Lumineszierende Gläser als Basis neuer Leuchtstoffe zur Optimierung von LED

17.10.2019 | Physik Astronomie

Dank Hochfrequenz wird Kommunikation ins All möglich

17.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics