Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geographen erstellten virtuelles Oberflächenrelief für Jena

12.10.2000


 Ein dreidimensionales, digitales Geländemodell des Saaletales von Zwätzen bis Lobeda haben Geographen der Friedrich-Schiller-Universität gemeinsam mit dem
Landschaftsarchitekturbüro Stock & Partner entwickelt. Diese ungewöhnliche Ansicht auf Jena und seine romantische Tallage dient aber nicht ästhetischen Zwecken, sondern steht im Zusammenhang mit dem Naturschutzgroßprojekt "Orchideenregion Jena". Das Team um Prof. Dr. Roland Mäusbacher und Dr. Martin Gude erstellte das Modell für eine Studie im Auftrag der Thüringer Landesanstalt für Geologie.

Dazu unternahmen die Wissenschaftler umfangreiche Geländeuntersuchungen und generierten die Grunddaten ihres Relief-Modells per EDV aus den Höhenlinien topographischer Karten. "Wir haben dabei mit einem Zehn-Meter-Raster gearbeitet", erläutert Dr. Martin Gude, "und das Ergebnis ist die genaueste Darstellung des Oberflächenreliefs von Jena, die es im Augenblick gibt." Das Modell dient der Planungsgemeinschaft des Naturschutzgroßprojekts, um möglichst behutsam in die Natur- und Landschaftsgestaltung einzugreifen, damit die wertvollen Orchideen-Reservate erhalten bleiben.

Die Muschelkalkformation des Saaletals mit ihrer typischen Trockenrasenvegetation bietet den seltenen Orchideen eine ideale Lebensgrundlage. Allerdings ist die Vegetation einem beständigen Wandel unterworfen. Schon im frühen Mittelalter wurden die ehemals bewaldeten Hänge abgeholzt und zum Beispiel als Weidegrund für Ziegen und Schafe, die Südhänge auch für den Weinbau genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben aber viele Bauern auf und ließen große Areale brachliegen. "

Allmählich setzt nun wieder eine Verbuschung und Verwaldung ein, die den Trockenrasen überwuchern und so viele Orchideenarten über kurz oder lang verdrängen", berichtet Gude. Deshalb wird im Rahmen des Naturschutzprojekts behutsam und gezielt mit der Axt angesetzt werden müssen. Allerdings sollen diese Maßnahmen sehr dezidiert geplant und vorbereitet werden, um keinen Schaden anzurichten. Denn dort, wo Wald und Buschwerk nötig sind, um Steinschläge und Hangrutsche zu verhindern, haben Holzfäller nichts zu suchen.

In dem Computermodell nun können die Wissenschaftler die Neigungswinkel und Gefälle exakt studieren, "so dass eventuelle Hanginstabilitäten vorauszusehen sind", erklärt Gude. In einem nächsten Schritt will das Team im Institut für Geographie sogar eine Satellitenkarte über das Relief legen und eine Computer-Animation erstellen. Gude: "Dann können wir uns sogar auf einen virtuellen Spaziergang durchs Saaletal begeben und jeden Winkel aus allen erdenklichen Perspektiven studieren."

Ansprechpartner:
Dr. Martin Gude
Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: 03641/948809; Fax: 03641/948 812
E-Mail: martin.gude@geogr.uni-jena.de

Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Wolfgang Hirsch
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931031
Fax: 03641/931032
E-Mail: roe@uni-jena.de

Dr. Wolfgang Hirsch | idw

Weitere Berichte zu: Geograph Oberflächenrelief Saaletal

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wissenschaftler entdecken neue Formen von Feldspat
02.06.2020 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

nachricht Aufwärts mit dem „Blasen-Taxi“: Mikroorganismen vom Meeresgrund mischen in der Wassersäule bei Methanumsatz mit
27.05.2020 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sehvermögen durch Gentherapie wiederherstellen

Neuer Ansatz zur Behandlung bislang unheilbarer Netzhautdegeneration

Menschen verlassen sich in erster Linie auf ihr Augenlicht. Der Verlust des Sehvermögens bedeutet, dass wir nicht mehr lesen, Gesichter erkennen oder...

Im Focus: Restoring vision by gene therapy

Latest scientific findings give hope for people with incurable retinal degeneration

Humans rely dominantly on their eyesight. Losing vision means not being able to read, recognize faces or find objects. Macular degeneration is one of the major...

Im Focus: Kleines Protein, große Wirkung

In Meningokokken spielt das unscheinbare Protein ProQ eine tragende Rolle. Zusammen mit RNA-Molekülen reguliert es Prozesse, die für die krankmachenden Eigenschaften der Bakterien von Bedeutung sind.

Meningokokken sind Bakterien, die lebensbedrohliche Hirnhautentzündungen und Sepsis auslösen können. Diese Krankheitserreger besitzen ein sehr kleines Protein,...

Im Focus: Small Protein, Big Impact

In meningococci, the RNA-binding protein ProQ plays a major role. Together with RNA molecules, it regulates processes that are important for pathogenic properties of the bacteria.

Meningococci are bacteria that can cause life-threatening meningitis and sepsis. These pathogens use a small protein with a large impact: The RNA-binding...

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Was Salz und Mensch verbindet

04.06.2020 | Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schutz der neuronalen Architektur

05.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Wie das Gehirn unser Sprechen kontrolliert - Beide Gehirnhälften leisten besonderen Beitrag zur Sprachkontrolle

05.06.2020 | Interdisziplinäre Forschung

Akute myeloische Leukämie: Größerer Entscheidungsspielraum bei Therapie-Start

05.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics