Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Montanregion Erzgebirge

20.04.2001


TU Bergakademie Freiberg will Aufnahme der Kulturlandschaft in Welterbeliste der UNESCO erreichen

Auf Antrag Sachsens hat die Kultusministerkonferenz der Länder die "Montanregion Erzgebirge" auf die deutsche Auswahlliste zur Nominierung von UNESCO Welterbestätten gesetzt. In einer Vorstudie, die das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst an der TU Bergakademie Freiberg in Auftrag gab, soll eine Projektgruppe unter Leitung von Helmuth Albrecht, Professor für Technikgeschichte und Industriearchäologie, Voraussetzungen und erforderliche Schritte für die Ausarbeitung des Antrages zur Nominierung der Natur- und Kulturlandschaft als UNESCO Welterbe klären.

Gegenwärtig sind 690 Kultur- und Naturerbestätten aus 122 Ländern aller Kontinente als UNESCO Welterbe anerkannt. Dabei handelt es sich um 529 die dem Kulturerbe, 138 die dem Naturerbe und 23 die beiden zuzuordnen sind. Die Mehrzahl der Objekte befindet sich in Europa. Mit künftigen Nominierungen sollen die Ungleichgewichte durch entsprechende Auswahl überwunden werden.

Die Projektgruppe an der TU Bergakademie Freiberg sieht diese veränderte Schwerpunktsetzung als Chance. Die Montanregion Erzgebirge mit ihren Bergrevieren ist ein Naturraum, in dem auf Grund der geologischen Voraussetzungen über 800 Jahre Bergbau umging. Hier wurden die gewonnenen Rohstoffe aufbereitet, verhüttet und weiter verarbeitet. Das Montanwesen hat die Landschaft beispielsweise durch Halden, Pingen und Wasserbauwerke geformt. Die Spuren der Produktionstätigkeit sind durch zahlreiche Sachzeugen über und unter Tage bewahrt. Bergmännische Siedlungen sind in den Dörfern erkennbar. Das Montanwesen hat zu materiellem und kulturellem Reichtum in den Bergstädten geführt, was an prächtigen Bürgerhäusern und bedeutenden Hallenkirchen sichtbar wird. Es war Grundlage einer stabilen Landesherrschaft. Das ausgereifte Bergrecht der älteren Periode wurde vielfach auf andere europäische Bergbaugebiete übertragen. Durch die landesherrliche Bergverwaltung erfolgte nicht nur eine administrative Lenkung. Von hier gingen Impulse zur Hebung des Bergbaus, der Verbesserung der Aufbereitung sowie der metallurgischen Verfahren aus. Diese Aufgaben wurden ab 1765 von der Bergakademie Freiberg durch die Entwicklung der Montanwissenschaften im Zusammenwirken mit der Praxis wahrgenommen. Die dabei erbrachten Leistungen haben weltweit Anwendung und Anerkennung gefunden. Archive und Sammlungen dokumentieren die Entwicklungen und bilden mit den wissenschaftlichen Bibliotheken eine Grundlage für weitere Forschungen. Darüber hinaus entstand im Erzgebirge spezifisches bergmännisches Brauchtum und eine reiche Volkskultur.

"Das alles zeichnet die Region als kulturgeschichtlich wertvoll und in der räumlichen Geschlossenheit, geschichtlichen Kontinuität und mit dem prägenden Wirtschaftszweig als einmalig aus", so Prof. Helmuth Albrecht. "Hinzu kommt, dass an dieser Montanregion historisch Sachsen und Böhmen/Deutschland und Tschechien Anteil haben und traditionelle Verbindungen bestanden und bestehen. Da gerade solche Objekte, die das ’gemeinsame Werk von Natur und Mensch’ darstellen, bisher bei den Welterbestätten unterrepräsentiert sind, lohnen sich die Anstrengungen, das Geschaffene und bisher Bewahrte nicht nur national unter Schutz zu stellen."

Unter Beachtung der Nominierungskriterien ist im Rahmen der Vorstudie und vor allem bei der Ausarbeitung der Antragsunterlagen eine strenge Auswahl der Objekte in den einzelnen Bergrevieren zu treffen. Wichtig ist, dass die bedeutenden Silberbergbaureviere ebenso wie die Zinnabbaugebiete, die bergmännische Wasserwirtschaft, die Aufbereitung, das Hüttenwesen und die Bergbaulandschaften mit herausragenden Einzelobjekten und Ensembles vertreten sind. Das gilt für Zeugnisse der gesamten Bergbauperiode bis in die jüngste Vergangenheit. Ebenso sollen einmalige sakrale und profane Bau- und Kunstwerke besonders in den Bergstädten einbezogen werden. Für alle diese Objekte muss bereits eine denkmalpflegerische Unterschutzstellung existieren und die denkmalgerechte Erhaltung gesichert sein.

Der von der Anerkennung als Weltkulturerbe ausgehende werbende Effekt kommt dann den Revieren und dem Erzgebirge insgesamt zu Gute. Das wird sich im Aufschwung des Tourismus durch Erhöhung des Bekanntheitsgrades ebenso niederschlagen wie in einer generellen Aufwertung der Region und Imagegewinn. Es sind über den Tourismus hinausgehende beschäftigungspolitische Wirkungen zu erwarten.


Kontakt:
Institut für Wissenschafts- und Technikgeschichte
der TU Bergakademie Freiberg.
Prof. Helmuth Albrecht
03731/39-2826 
halbrech@iwtg.tu-freiberg.de

Katrin Apenburg | idw

Weitere Berichte zu: Bergstadt Erzgebirge Montanregion UNESCO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics