Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaforscher sagen für die Zukunft noch mehr heiße Sommer voraus

14.08.2003


Es ist zwar klar, dass einige besonders warme Monate noch kein Beleg für einen Klimawandel sind. «Aber der diesjährige Sommer liegt im Trend», sagte Prof. Christian Schönwiese vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Frankfurt. «Ich erwarte in den nächsten Jahrzehnten häufiger heiße Sommer für Deutschland mit jeweils noch höheren Temperaturen als in diesem Jahr.»



Das Hochwasser im vergangenem Jahr und die monatelange Trockenheit sind für Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung weitere Indizien für den bereits ablaufenden Klimawandel. Witterungsturbulenzen wie diese seien normal bei einem Klima-Umbruch. Noch sei allerdings unklar, ob der Sommer im weltweiten Durchschnitt wirklich extrem heiß war oder ob dies nur eine eurozentrische Sicht ist. Die weltweiten Daten seien noch nicht zusammengerechnet.



Fest steht für Gerstengarbe jedoch: Die Anzahl der bemerkenswerten Wetterereignisse hat zugenommen. «Innerhalb der letzten 50 Jahre hat sich weltweit die Zahl der Extremereignisse mehr als vervierfacht», sagte Gerstengarbe mit Verweis auf Daten der Versicherung Münchener Rück. «Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Klimawandel zurückzuführen, denn ein Klima, das sich ändert, wird instabiler und dann häufen sich die Extreme.» Ein langer kalter Winter wäre da ebenfalls kein Widerspruch.

Hinweise auf den Klimawandel gibt es genug. Die Durchschnittstemperaturen sind gestiegen. Die Vegetationsperiode hat sich laut Gerstengarbe im vergangenen Jahrhundert um zwei Wochen verlängert. «Sie beginnt eine Woche früher und hört eine Woche später auf.» Doch der Klimawandel gehört zur Erdgeschichte mit ihren vielen Wechseln aus Eis- und Warmzeiten. Ist der derzeitige Klimawandel wirklich außergewöhnlich stark und noch dazu menschengemacht?

Langfristige Abweichungen in der Umlaufbahn der Erde um die Sonne, die Eis- und Warmzeiten verursachen, können nach Aussagen der beiden Klimaforscher nicht allein für den raschen Temperaturanstieg verantwortlich gemacht werden. Dieser Wechsel geschehe in Temperaturzyklen von mehreren zehntausend Jahren.

Auch die Sonnenaktivität hat einen Einfluss. Längerfristige Schwankungen verändern das Erdklima, wie Horst Balthasar vom Astrophysikalischen Institut Potsdam erläutert. Bis vor 20 Jahren seien die Sonnenaktivität und die Temperatur-Kurve der Erde relativ parallel verlaufen. «Seitdem geht die Erdtemperatur schneller hoch, als sie es entsprechend der Sonnenaktivität tun sollte», sagt Balthasar. Ursache sei im Wesentlichen der Ausstoß der Treibhausgase.

Die Berechnungen von Schönwiese deuten in eine ähnliche Richtung: Die Treibhausgase haben in den vergangen 100 Jahren weltweit rechnerisch einen Anstieg von 1 Grad Celsius verursacht. Beobachtet wurden aber nur 0,7 Grad, weil Vulkanausbrüche und der steigende Ausstoß an Schwefeldioxid von 1945 bis zu den 70er Jahren einen kühlenden Effekt hatten. Seitdem es bessere Filteranlagen für Kohlekraftwerke gibt, hat der Ausstoß an Schwefeldioxid deutlich abgenommen. «Daher hat sich der Temperaturanstieg in den letzten zwei Jahrzehnten beschleunigt», sagt Schönwiese. Die Sonnenaktivität könne für bis zu 0,2 Grad des weltweiten Temperaturanstiegs verantwortlich sein.

«Zwei Drittel der Erwärmung sind mit Sicherheit menschengemacht», sagt Gerstengarbe. «Der Rest geht auf natürliche Ursachen zurück.» Gegen die Klima-Erwärmung seien zwei Strategien nötig: Den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren und sich anzupassen. «Das Klimaschutzprotokoll von Kyoto ist nur der Anfang», betont Gerstengarbe. Erst müssten die USA und Russland noch mit ins Boot steigen und dann wesentlich stärkere Reduktionen der Treibhausgase vereinbart werden. Auch in Deutschland sieht Gerstengarbe noch viel Sparpotenzial. «Ein Deutscher verbraucht so viel Energie wie zwei Japaner.»

Zugleich müssten Anpassungsstrategien entwickelt werden. Der Anbau von Pflanzen müsste sich nach den regionalen klimatischen Bedingungen und den Böden richten und nicht nach der Vergabe von EU-Subventionen. «Es ist Unsinn, Mais in Gebieten mit Wasserknappheit anzubauen.»

| pro-physik.de
Weitere Informationen:
http://www.pro-physik.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

nachricht Schwarzer Kohlenstoff altert in Böden und Flüssen vor dem Transport ins Meer
10.07.2018 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics