Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grund für Rheinhochwasser: Flussbegradigung und zunehmende Oberflächenversiegelung

06.01.2003


Vollgelaufene Keller, überspülte Promenaden, Millionenschäden an Häusern und Parkanlagen: Anwohner des Rheins haben momentan wieder zu leiden - wie in den letzten Jahrzehnten immer häufiger: Fast jedes Jahr nähern sich die Rheinhochwasser inzwischen kritischen Pegelständen; nur vierzehn Monate lagen zwischen den beiden letzten "Jahrhunderthochwassern" im Dezember 1993 und im Januar 1995. Den Grund dafür sieht Professor Dr. Jürgen Pohl vom Geographischen Institut der Universität Bonn vor allem in der Flussbegradigung und in der zunehmenden Oberflächenversiegelung; über den Einfluss der Klimaänderung ließen sich dagegen heute noch keine gesicherten Aussagen machen.



"In den letzten Jahrzehnten haben die Hochwassermeldungen zwar eindeutig zugenommen", erklärt Professor Dr. Jürgen Pohl. "Allerdings kennen wir aus der Zeit vor der Industrialisierung katastrophale Hochwasser mit wesentlich höheren Wasserständen - beispielsweise das von 1784, das um Meter über denen von 1993 und 1995 lag." Grund: Früher fror der Rhein im Winter regelmäßig zu; im Frühjahr konnten die Eisschollen dann Barrieren bilden, an denen sich das Wasser zu künstlichen Seen staute. Wenn diese Barrieren brachen, ergossen sich ungeheure Wassermassen talabwärts. "Aufgrund der gesteigerten Fließgeschwindigkeit und der Einleitung von - relativ warmem - Ab- und Kühlwasser sind diese ’Eishochwasser’ selten geworden. Zum letzten Mal ist der Rhein vor fünfzig Jahren zugefroren", erklärt Professor Pohl.



Dennoch seien gravierende Hochwasser häufiger als früher - unter anderem, weil die Flussbegradigung im Oberrheintal Deutschlands mächtigstem Strom natürliche Ausweichmöglichkeiten genommen habe. Auch die Nebenflüsse des Rheins sind vielfach für die Schiffahrt begradigt worden - "daher läuft das Wasser aus den Zuflüssen schneller in den Rhein; die kleinen Hochwasserwellen der Nebenflüsse können sich dort dann zu einer größeren Welle addieren." Die zunehmende Oberflächenversiegelung durch Straßen und Siedlungsbau sorge zudem dafür, dass weniger Wasser versickere, sondern vermehrt direkt in den Rhein fließe. "Vor allem die immer stärkere Bebauung der Auenbereiche verstärkt die Hochwassergefahr für die flussabwärts liegenden Anwohner."

Ob auch die Klimaänderung bei der Entstehung der Hochwasser eine Rolle spiele, sei noch nicht sicher. "Früher lag aber wahrscheinlich häufiger eine geschlossene Schneedecke in Mitteleuropa. Darüber bildete sich ein stabiles Kältehoch, das die atlantischen Tiefausläufer mit Schnee und Regen von Deutschland fernhielt." Im Grunde sei das Rheingebiet übrigens nicht besonders hochwasserträchtig. Die Bonner Geographen versuchen an seinem Beispiel zu verstehen, welche Faktoren zu einer Verstärkung der Hochwassergefahr führen und welche Rolle der Mensch dabei spielt.

Frank Luerweg | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Biber verändern das Gesicht der Arktis
16.07.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Drohnen zählen Tiere in Afrika
11.07.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics