Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zellbiologie - Stabil geteilt

12.04.2019

LMU-Forscher haben ein neues Protein entdeckt, das bei der korrekten Zellteilung eine entscheidende Rolle spielt.

Die Zellteilung ist ein elementarer Prozess des Lebens, bei dem aus einer Mutterzelle zwei Tochterzellen entstehen. Dabei werden die Chomosomen der Mutterzelle von einem Spindelapparat getrennt, der in tierischen Zellen von zwei Spindelpolen, den Zentrosomen, aufgebaut wird. Fehlerhafte Teilungen haben gravierende Konsequenzen und verursachen schwere Erkrankungen.


C. elegans Embryo während der Zellteilung. Mit funktionellem PCMD-1 bildet sich der Spindelapparat aus (links). Mit defektem PCMD-1 kann sich der Spindelapparat nicht aufbauen (rechts). (Magenta: SPD-5 Proteinmatrix am Zentrosom, grün: Chromosomen, schwarz: Mikrotubuli).

Bild: Mikeladze-Dvali

Wie die Zellteilung auf Ebene der Zentrosomen reguliert wird, steht im Mittelpunkt der Forschung von Dr. Tamara Mikeladze-Dvali vom Biozentrum der LMU. Mit ihrem Team hat die Biologin nun ein Protein identifiziert, das für den korrekten Aufbau des Spindelapparats eine essenzielle Bedeutung hat. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Current Biology.

Ein Zentrosom besteht aus einem Paar zylinderförmiger Zentriolen, die in eine Proteinmatrix eingebettet sind. In der Mutterzelle befindet sich das Zentrosom meist mittig in der Nähe des Zellkerns.

Vor der Teilung wird es dupliziert, anschließend werden Spindelfasern gebildet, welche die zwei Zentrosomen in entgegengesetzte Bereiche der Zelle schieben – als Pole der Spindel.

Anschließend werden die Chromosomen von den Spindelfasern, die aus den Polen ausstrahlen, auseinandergezogen. Um den dabei wirkenden Zellteilungskräften Widerstand leisten zu können, müssen die Zentrosomen extrem robust sein.

Welche Faktoren dabei eine wichtige Rolle spielen, hat Tamara Mikeladze-Dvali mit ihrem Team anhand von Mutanten des Fadenwurms Caenorhabditis elegans untersucht, in deren DNA nach dem Zufallsprinzip eine Veränderung eingefügt wurde.

„Diese Veränderungen können uns zeigen, welche Faktoren eine wichtige Rolle in der Zellteilung spielen“, sagt Mikeladze-Dvali. „Dabei sind wir auf ein bis jetzt unbekanntes Protein gestoßen, das wir als PCMD-1 bezeichnen.“ In weiteren Experimenten markierten die Wissenschaftler dieses Protein in der Zelle und schalteten es mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 gezielt aus.

Auf diese Weise konnten sie nachweisen, dass das neue Protein für den korrekten Aufbau des Zentrosoms unentbehrlich ist. Insbesondere ist es wichtig für den Aufbau der aus sogenannten SPD-5-Proteinen bestehenden Proteinmatrix, die die Robustheit und Integrität der Zentrosomen gewährleistet. „Fehlt PCMD-1, hat das verheerende Auswirkungen auf den Aufbau des Spindelapparats und die Zellteilung. Die Zelle kann sich dadurch nicht mehr korrekt teilen“, sagt Mikeladze-Dvali.

Da PCMD-1 eine solch zentrale Funktion hat, haben diese Ergebnisse nach Ansicht der Wissenschaftler große Bedeutung für das generelle Verständnis der Regulierung von Zentrosomen. Fast alle Proteine, die in C. elegans entdeckt wurden, sind auch in höheren Organismen vorhanden.

Auch das Matrixprotein SPD-5 hat ein solches Ortholog. Mutationen in diesem Protein sind eine Ursache für genetisch vererbte primäre Mikrozephalie beim Menschen. „Für das Verständnis dieser Entwicklungsstörung ist es wichtig zu wissen, wie das Protein auf der zellulären Ebene reguliert wird“, sagt Mikeladze-Dvali.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Tamara Mikeladze-Dvali, Ph.D.
Biozentrum der LMU
Zell- und Entwicklungsbiologie
Tel.: +49 89 2180-74288
tmdvali@biologie.uni-muenchen.de

Originalpublikation:

PCMD-1 Organizes Centrosome Matrix Assembly in C. elegans
Anna C. Erpf, Lisa Stenzel, Nadin Memar, Martina Antoniolli, Mariam Osepashvili, Ralf Schnabel, Barbara Conradt, and Tamara Mikeladze-Dvali
Current Biology 2019
https://www.cell.com/current-biology/pdf/S0960-9822(19)30327-6.pdf

Luise Dirscherl | Ludwig-Maximilians-Universität München
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Antibiotika: Neuer Wirkstoff wirkt auch bei resistenten Bakterien
11.11.2019 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Kleine RNAs verbinden Immunsystem und Gehirnzellen
11.11.2019 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetisches Tuning auf der Nanoskala

Magnetische Nanostrukturen maßgeschneidert herzustellen und nanomagnetische Materialeigenschaften gezielt zu beeinflussen, daran arbeiten Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam mit Kollegen des Leibniz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden und der Universität Glasgow. Zum Einsatz kommt ein spezielles Mikroskop am Ionenstrahlzentrum des HZDR, dessen hauchdünner Strahl aus schnellen geladenen Atomen (Ionen) periodisch angeordnete und stabile Nanomagnete in einem Probenmaterial erzeugen kann. Es dient aber auch dazu, die magnetischen Eigenschaften von Kohlenstoff-Nanoröhrchen zu optimieren.

„Materialien im Nanometerbereich magnetisch zu tunen birgt ein großes Potenzial für die Herstellung modernster elektronischer Bauteile. Für unsere magnetischen...

Im Focus: Magnets for the second dimension

If you've ever tried to put several really strong, small cube magnets right next to each other on a magnetic board, you'll know that you just can't do it. What happens is that the magnets always arrange themselves in a column sticking out vertically from the magnetic board. Moreover, it's almost impossible to join several rows of these magnets together to form a flat surface. That's because magnets are dipolar. Equal poles repel each other, with the north pole of one magnet always attaching itself to the south pole of another and vice versa. This explains why they form a column with all the magnets aligned the same way.

Now, scientists at ETH Zurich have managed to create magnetic building blocks in the shape of cubes that - for the first time ever - can be joined together to...

Im Focus: A new quantum data classification protocol brings us nearer to a future 'quantum internet'

The algorithm represents a first step in the automated learning of quantum information networks

Quantum-based communication and computation technologies promise unprecedented applications, such as unconditionally secure communications, ultra-precise...

Im Focus: REANIMA - für ein neues Paradigma der Herzregeneration

Endogene Mechanismen der Geweberegeneration sind ein innovativer Forschungsansatz, um Herzmuskelschäden zu begegnen. Ihnen widmet sich das internationale REANIMA-Projekt, an dem zwölf europäische Forschungszentren beteiligt sind. Das am CNIC (Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares) in Madrid koordinierte Projekt startet im Januar 2020 und wird von der Europäischen Kommission mit 8 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen weltweit die meisten Todesfälle. Herzinsuffizienz ist geradezu eine Epidemie, die neben der persönlichen Belastung mit...

Im Focus: Göttinger Chemiker weisen kleinstmögliche Eiskristalle nach

Temperaturabhängig gefriert Wasser zu Eis und umgekehrt. Dieser Vorgang, in der Wissenschaft als Phasenübergang bezeichnet, ist im Alltag gut bekannt. Um aber ein stabiles Gitter für Eiskristalle zu erreichen, ist eine Mindestanzahl an Molekülen nötig, ansonsten ist das Konstrukt instabil. Bisher konnte dieser Wert nur grob geschätzt werden. Einem deutsch-amerikanischen Forschungsteam unter Leitung des Chemikers Prof. Dr. Thomas Zeuch vom Institut für Physikalische Chemie der Universität Göttingen ist es nun gelungen, die Größe kleinstmöglicher Eiskristalle genau zu bestimmen. Die Forschungsergebnisse sind in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Science erschienen.

Knapp 100 Wassermoleküle sind nötig, um einen Eiskristall in seiner kleinstmöglichen Ausprägung zu formen. Nachweisen konnten die Wissenschaftler zudem, dass...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Mediation – Konflikte konstruktiv lösen

12.11.2019 | Veranstaltungen

Hochleistungsmaterialien mit neuen Eigenschaften im Fokus von Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft

11.11.2019 | Veranstaltungen

Weniger Lärm in Innenstädten durch neue Gebäudekonzepte

08.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Selbstorganisation weicher Materie im Detail verstehen

12.11.2019 | Physik Astronomie

Magnetisches Tuning auf der Nanoskala

12.11.2019 | Physik Astronomie

»KaSiLi«: Bessere Batterien für Elektroautos »Made in Germany«

12.11.2019 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics