Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorbild Zelle: Internationales Forschungsteam sucht neue Wege für umweltfreundliche Chemie-Prozesse

09.12.2019

Verschiedenste Produkte, von Medikamenten über Aromastoffen bis hin zu Parfüms, erzeugt die chemische Industrie in großem Maßstab. Dabei entstehen aber auch Unmengen von Abfall – zum Beispiel sind es für jedes Kilogramm Arzneimittel bis zu 100 Kilogramm Müll. Diesen weitgehend zu vermeiden, ist das Ziel eines internationalen Forschungsteams mit Beteiligung der Universität Graz. Im Projekt „CLASSY“ suchen die WissenschafterInnen nach einer neuen Methode, um chemische Produktionsprozesse umweltfreundlich zu gestalten. „CLASSY“ hat im hochkompetitiven Forschungsförderungsprogramm der EU, Horizon 2020, eine Subvention in der Höhe von 3,8 Millionen Euro eingeworben und läuft nun für vier Jahre.

Von der Zelle lernen


Wolfgang Kroutil, Dissertant Stefan Simic und Christoph Winkler (v.l.) suchen neuen Arten von Herstellungsverfahren, um chemische Produktionsprozesse umweltfreundlich zu gestalten.

Foto: Uni Graz/Leljak

Als Vorbild nehmen die ForscherInnen und ExpertInnen aus Österreich, Spanien, Israel, der Schweiz und den Niederlanden die kleinste lebende Einheit aller Organismen – die Zelle.

Wolfgang Kroutil und Christoph Winkler vom Institut für Chemie der Uni Graz erklären: „In einer Zelle laufen gleichzeitig tausende Reaktionen sehr kontrolliert und effizient ab. Zum Beispiel strukturieren sich Moleküle nach einem bestimmten Muster selbst. In der Zelle wird die Geschwindigkeit, mit der Reaktionen ablaufen, außerdem genau gesteuert. Daher kann sie eine enorme Vielfalt von komplexen Produkten ohne Abfall synthetisieren.“

Mit all diesen Fähigkeiten – und noch einigen mehr – wollen die WissenschafterInnen ihre Herstellungsverfahren ausstatten. Dabei kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz. Die Grazer Forscher steuern ihr Spezialgebiet, das Konzept der Biokatalyse, bei.

Enzyme aus der Natur fungieren hier als Katalysatoren, die die chemischen Produktionsprozesse vereinfachen und umweltschonend gestalten. Deshalb sind auch keine teuren Geräte oder Chemikalien nötig und es entstehen keine giftigen Abfallprodukte.

„Unser Ziel ist es, die molekulare Synthese so zu revolutionieren, dass eine nachhaltige, grüne Chemieindustrie in Zukunft möglich sein wird“, unterstreicht Wolfgang Kroutil.

Vom Ursprung des Lebens

Im Zuge ihrer Arbeit erhoffen sich die ForscherInnen außerdem, mehr über den Ursprung des Lebens an sich herauszufinden. „Wir wissen noch längst nicht alles über die so genannte ‚Ursuppe‘ aus der die ersten Zellen entstanden sind, und welche Zwischenschritte dabei passiert sind.

Wenn wir herausfinden, wie sich die Zelle selbst organisiert und wie sie ihre Reaktionen kontrolliert, machen wir einen wesentlichen Schritt in Richtung eins grundlegenden Verständnisses des Ursprungs des Lebens“, schildert Christoph Winkler.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Kroutil
Institut für Chemie der Universität Graz
Tel.: 0043 316/380-5350
E-Mail: wolfgang.kroutil@uni-graz.at

Weitere Informationen:

https://news.uni-graz.at/de/detail/article/vorbild-zelle/

Mag. Gudrun Pichler | Karl-Franzens-Universität Graz

Weitere Berichte zu: Katalysatoren Moleküle Organismen Synthese Zelle Zellen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Türsteher im Gehirn
06.08.2020 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Peptide: Forschungs-Erfolg mit den kleinen Geschwistern der Proteine
06.08.2020 | Hochschule Coburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics