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Unter Stress vernachlässigen Rattenmütter ihren Nachwuchs: Forscher untersuchen Stresshormon CRF

10.10.2014

Normalerweise kümmert sich eine Mutter liebevoll und fürsorglich um ihren Nachwuchs. Doch dies scheint sich schlagartig zu ändern, wenn die Mutter Stress ausgesetzt ist.

So verringern beispielsweise Rattenmütter in einem solchen Fall den Kontakt zum Nachwuchs oder vernachlässigen ihn sogar ganz. Dies haben Wissenschaftler der Universität Regensburg nachweisen können. Die Forschungsergebnisse von Stefanie Klampfl und PD Dr. Oliver Bosch vom Institut für Zoologie sind in der Fachzeitschrift „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht worden (DOI: 10.1523/JNEUROSCI.4220-13.2014).


Eine Rattenmutter säugt ihren Nachwuchs

Foto: Arbeitsgruppe PD Dr. Bosch – Zur ausschließlichen Verwendung im Rahmen der Berichterstattung zu dieser Pressemitteilung

Klampfl und Bosch konnten in ihrer Studie zeigen, dass eine Aktivierung der Rezeptoren – Proteine, die eine Signalübertragung auslösen – durch das Stresshormon CRF (Corticotropin-Releasing Factor) zu einer Verhaltensänderung führt.

Rattenmütter haben daraufhin eine geringere Motivation, ihre Jungen zu säugen und diese gegen einen potentiell gefährlichen Eindringling zu verteidigen. Dafür verantwortlich scheint vor allen Dingen der sogenannte Rezeptortyp CRF-R2 zu sein, der zudem gemeinsam mit dem Rezeptortyp CRF-R1 auch die Ängstlichkeit der Rattenmütter erhöht.

Die Untersuchung von Klampfl verdeutlicht im Umkehrschluss, dass diese Rezeptoren kaum aktiviert sein dürfen, damit sich eine Mutter fürsorglich um ihren Nachwuchs kümmern kann. Während dies bei den meisten Müttern der Fall ist, kann vermutet werden, dass bei Frauen, die zum Beispiel an Wochenbettdepression leiden und dadurch möglicherweise ihren Nachwuchs vernachlässigen, eine Störung des CRF-Systems im Gehirn vorliegt. Bis jetzt wurden die Ursachen solcher affektiven Erkrankungen allerdings kaum untersucht.

Um den neurobiologischen Ursachen einer stress-induzierten Vernachlässigung der Nachkommen auf den Grund zu gehen, finanziert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in den nächsten drei Jahren ein neues Forschungsprojekt von PD Dr. Oliver Bosch an der Universität Regensburg. Seine Arbeitsgruppe vom Institut für Zoologie wird die komplexe Rolle von CRF im Zusammenhang mit mütterlicher Fürsorge im Detail untersuchen.

CRF wird als Folge von Stress im Gehirn vermehrt produziert und aktiviert die Stressreaktion des Körpers. Zeitgleich wird CRF als Botenstoff im Gehirn freigesetzt, wo es Emotionen und Verhalten beeinflussen kann. Im Fokus des neuen Forschungsprojekts steht vor diesem Hintergrund eine vielschichtige Gehirnregion namens Bed Nucleus der Stria Terminalis (BNST), welche sowohl für mütterliches Verhalten als auch für Emotionen wie Angst eine große Rolle spielt. Darüber hinaus ist ein Teil dieser Gehirnregion direkt in die Stressverarbeitung eingebunden.

Ziel der Regensburger Forscher ist es, durch gezielte Manipulation des CRF-Systems schlechte mütterliche Fürsorge zu verhindern. Es soll zudem geklärt werden, welche natürlichen Regulationsmechanismen im Gehirn von Müttern dafür verantwortlich sind, eine erhöhte Aktivität des CRF-Systems unter normalen Umständen zu unterdrücken und somit eine Vernachlässigung der Nachkommen zu verhindern.

Titel der genannten Publikation:
Klampfl SM, Brunton PJ, Bayerl DS, Bosch OJ: Hypo-activation of CRF receptors, predominantly type 2, in the medial-posterior BNST is vital for adequate maternal behavior in lactating rats, in Journal of Neuroscience 34 (2014), S. 9665-9676.

Die Publikation im Internet unter:
www.jneurosci.org/content/34/29/9665.long

Ansprechpartner für Medienvertreter:
PD Dr. Oliver Bosch
Universität Regensburg
Lehrstuhl für Neurobiologie und Tierphysiologie
Tel.: 0941 943-3076
Oliver.Bosch@ur.de

Alexander Schlaak | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de/

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